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Köln: Sport kann Alters-Demenz hinauszögern und ihr sogar vorbeugen

Köln : Sport kann Alters-Demenz hinauszögern und ihr sogar vorbeugen

Eine sportliche Betätigung kann Demenz hinauszögern und ihr sogar vorbeugen. Selbst bei Menschen, die bereits an Demenz litten, könne der Verlauf verlangsamt und abgemildert werden, sagte Christine Sowinski von der Koordinierungsstelle der Landesinitiative Demenz-Service NRW am Donnerstag im Vorfeld des Welt-Alzheimertages 2009 am Samstag in Köln.

„Gerade Angehörige verdammen ihre dementen Eltern oder Ehepartner oft zur Bewegungslosigkeit, indem sie sagen: Vater, bleib mal sitzen, ich mach das schnell”, sagte Sowinski. Doch gerade die Bewegung halte sie körperlich und geistig fit.

Etwa sechs Milliarden Euro fallen in Nordrhein-Westfalen jedes Jahr für die Versorgung von rund 500.000 pflegebedürftigen Menschen an. „300.000 von ihnen leiden an Demenz”, sagte Gunnar Peeters, der Leiter des Referates Pflege beim Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek).

Allein die Versorgung nach Stürzen mit folgendem Hüftbruch koste in NRW 200 Millionen Euro im Jahr. „Schon aus Kostengründen ist uns daher viel daran gelegen, Stürze zu vermeiden.” Sinnvoll seien da sogenannte Sturzpräventionsprogramme, ergänzte Sowinski: „Denn durch mehr Kraft und Balance lässt sich ein Sturz verhindern.”

Die Landesregierung habe zu diesem Zweck in Zusammenarbeit mit der Landesinitiative Demenz-Service NRW Bewegungsaktionen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen ins Leben gerufen, sagte Ministerialrat Roland Borosch vom NRW-Gesundheitsministerium. Im Rahmen der Landesinitiative werden auch Programme wie „Wir tanzen wieder” und „Fit für 100” gefördert.

„Wir tanzen wieder” ist ein Projekt des Demenz-Service-Zentrums NRW für die Region Köln. „Seit 2007 veranstalten wir einmal im Monat in einer Kölner Tanzschule einen Tanznachmittag, zu dem Demenz-Kranke mit ihren Angehörigen eingeladen sind”, erläuterte Projektleider Stefan Kleinstück. Auch Schwerst-Kranke seien darunter, die anschließend beschwingter und sehr viel reger wieder nach Hause gingen.

„Tanzen ist eine ideale Verbindung von Kognition und Bewegung”, sagte er. Immer mehr Tanzschulen aus dem ganzen Bundesgebiet böten nun ihre Räumlichkeiten an, so dass das Projekt in Zukunft stark ausgeweitet werden soll.

„Fit für 100” ist ein Modellprojekt des Instituts für Bewegungs- und Sportgerontologie der Deutschen Sporthochschule Köln. Man wolle zeigen, wie moderates Krafttraining den Gesundheitszustand und die Lebensqualität von Menschen mit Demenz erheblich verbessern könne, sagte Projektleiter Frank Nieder. Mittlerweile gebe es bereits 50 „Fit für 100”-Angebote.