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Kreis Aachen: Schnarchen nicht unterschätzen

Kreis Aachen : Schnarchen nicht unterschätzen

Jeder Fünfte in Deutschland leidet unter Schlafstörungen. Schuld sind Stress, äußere und innere Belastungen oder Lärm wie das Schnarchen des Partners.

Bei Letzterem haben oft gar beide ein Schlafproblem, denn nicht selten leidet der schnarchende Partner unter atembedingten Schlafstörungen, dem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom. „Dabei kommt es aufgrund einer Verlegung der oberen Atemwege zu kurzen Atemstillständen”, erläutert Dr. Rolf Kemper, Lungenspezialist am Medizinischen Zentrum des Kreises Aachen.

Der Oberarzt der Klinik für Innere Medizin im Betriebsteil Marienhöhe steht am Mittwoch, 8. August, im Rahmen unserer Aktion „Leser fragen - Ärzte antworten” am Telefon Rede und Antwort.

Betroffen von obstruktiver Schlafapnoe sind vor allem Männer ab 40, Frauen ab 50 Jahre sowie Übergewichtige. Mit den Jahren lässt auch im Nasen-Rachenraum die Elastizität des Bindegewebes nach. Durch die Entspannung im Schlaf erschlaffen die Muskeln von Gaumensegel und Rachenraum, die Atmung wird behindert. Dem Körper fehlt Sauerstoff, die Atembemühungen verstärken sich, ein zunehmend lauteres Schnarchen signalisiert die Behinderung der Atmung.

Wenn die oberen Atemwege schließlich kollabieren, wird die Atmung gänzlich blockiert und setzt aus. Diese Atemstillstände erkennt man an den Pausen beim Schnarchen. Die Sauerstoffsättigung sinkt weiter ab, der Körper verstärkt seine Atmungsanstrengungen, sodass die Muskelaktivität wieder zunimmt und die oberen Atemwege schließlich geöffnet werden.

Es kommt zu kurzen Schlafunterbrechungen, die sich ständig wiederholen. Da die Weckreaktionen jedoch nur sehr kurz sind, kann sich der Betroffene am Morgen meist nicht daran erinnern. Bemerkt werden solche Atemaussetzer meist nur vom Bettnachbarn oder wenn jemand trotz eigentlich ausreichendem Schlaf ständig übermüdet ist.

Solche Schlafstörungen sind nicht ungefährlich, wie Kemper erklärt. „Bei jemandem, der unausgeschlafen und tagsüber ständig müde ist, steigt das Unfallrisiko beträchtlich.” Doch auch die Atemstillstände selbst sind gefährlich, durch das regelmäßige Absinken des Sauerstoffgehalts im Blut steigt das Risiko für Herzinfarkt, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder einen Schlaganfall.

Anzeichen für ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom sind neben dem Schnarchen mit Aussetzern, Tagesmüdigkeit, Kopfweh beim Aufwachen oder Nachtschweiß. Um sie zu diagnostizieren, gibt es verschiedene Verfahren. „Beim Screening-Verfahren messen wir mit einem Aufzeichnungsgerät den Sauerstoffgehalt und den Pulsschlag. Anhand der Werte kann man sehen, ob es zu Unregelmäßigkeiten während der Nacht gekommen ist”, erläutert der Facharzt. Im nächsten Schritt messe man weitere Werte, neben Puls und Sauerstoffsättigung das EKG sowie über Gurte die Bewegungen von Brustkorb und Bauch, Körperlage, Atemfluss sowie Geräuschentwicklung.

Könne damit nicht geklärt werden, was die Schlafstörung auslöst, müsse der Patient im Schlaflabor untersucht werden.