Hamburg: Rückgang von Darmkrebs in Deutschland erwartet

Hamburg: Rückgang von Darmkrebs in Deutschland erwartet

Darmkrebs könnte wegen verbesserter Vorsorge in den kommenden Jahren in Deutschland deutlich zurückgedrängt werden. Voraussetzung sei, dass möglichst viele Menschen ab dem 55. Lebensjahr eine von den gesetzlichen Kassen angebotene Darmspiegelung nutzen, sagte Prof. Herbert Koop vom Helios Klinikum Berlin-Buch am Dienstag in Hamburg.

Dies Angebot besteht seit 2002. Nach Schätzungen ist ein Rückgang der Erkrankungen um rund 13 Prozent bei Männern und 16 Prozent bei Frauen zu erwarten. Vom 30. September bis zum 3. Oktober treffen sich Gastroenterologen und Viszeralchirurgen zu ihrer Jahrestagung in Hamburg.

Nach Schätzungen werden bis 2012 etwa 30 Prozent der Berechtigten an einer Vorsorge-Darmspiegelung teilnehmen, berichtete Koop. Bei jedem dritten Patienten werden Polypen gefunden, aus denen sich Krebs entwickeln kann, bei einer von 100 Untersuchungen stellen die Ärzte Darmkrebs fest - zumeist in einem sehr frühen Stadium. „Da sich die Mehrzahl der Tumoren auf dem Boden von Polypen entwickelt, die über viele Jahre gutartig im Dickdarm wachsen, besteht die Möglichkeit, sie in diesem Stadium zu entfernen”, sagte Koop.

Darmkrebs ist nach Zahlen des Robert Koch-Instituts mit rund 70.000 Neuerkrankungen die häufigste Krebsart in Deutschland. Er steht bei Frauen nach Brustkrebs und bei Männern nach Prostatakrebs jeweils an zweiter Stelle. Etwa 30.000 Menschen sterben jedes Jahr an Darmkrebs.

Andere zur Vorsorge angebotene Methoden als die Darmspiegelung sind nach Koops Überzeugung weniger effektiv oder haben unerwünschte Risiken. Das gelte besonders für die „virtuelle Koloskopie”, eine Darstellung des Darms mit Hilfe einer Computertomographie.

Dabei werde der Patient einer hohen Strahlenbelastung ausgesetzt. Außerdem sei sie bei kleinen und flachen Polypen weniger zuverlässig. Auch Stuhltests auf verstecktes Blut oder ein von Tumorzellen gebildetes Isoenzym seien nicht verlässlich, betonte Koop.

Mehr von Aachener Zeitung