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Berlin: RKI: Krebszahlen in Deutschland steigen

Berlin : RKI: Krebszahlen in Deutschland steigen

In Deutschland wird inzwischen im Schnitt fast jede Minute die Diagnose Krebs gestellt. Die Zahlen der gemeldeten Krebsneuerkrankungen sind weiter angestiegen. Nach den jüngsten Daten des Berliner Robert Koch-Instituts wurden 2004 rund 12.000 Menschen mehr als 2002 mit dieser Diagnose konfrontiert.

Das liegt unter anderem an der besseren Früherkennung. Zugleich wurden bei vielen Krebsarten die Überlebensraten deutlich erhöht.

Das RKI schätzt die Zahl der Neuerkrankungen für das Jahr 2004 auf rund 436.500 Fälle, betroffen waren 230.500 Männer und 206.000 Frauen. Im Vergleich dazu habe es 2002 rund 424.250 neu entdeckte Krebsfälle gegeben, teilte das Bundesinstitut am Dienstag vor dem 28. Deutschen Krebskongress in Berlin (20.- 23.2) mit.

Nach Daten der Deutschen Krebsgesellschaft diagnostizieren Ärzte in Deutschland 50 Mal pro Stunde Krebs. Die gestiegene Zahl von Neuerkrankungen im Jahr 2004 ist nach RKI-Angaben vor allem auf Prostata-Krebs bei Männern zurückzuführen. Die Gründe dafür sind allerdings positiv: Sie liegen insbesondere in verbesserten Früherkennungs-Untersuchungen.

Prostatakrebs war mit rund 58.500 Neuerkrankungen im Jahr 2004 weiterhin die mit Abstand häufigste Krebsart bei Männern. 2002 wurden 48.700 Fälle registriert. Die Wahrscheinlichkeit, Prostata-Krebs 5 Jahre lang zu überleben, liegt inzwischen bei 87 Prozent. Die nächsthäufigsten Krebsarten bei Männern sind Darm- und Lungenkrebs.

Bei Frauen blieb die Zahl der Krebsneuerkrankungen 2002 und 2004 mit rund 206.000 Fällen weitgehend stabil. Zu den häufigsten Tumorarten bei Frauen zählt weiterhin Brustkrebs. 2004 erkrankten rund 57.000 Frauen daran, 2000 mehr als im Jahr 2002. Die Wahrscheinlichkeit, diesen Krebs 5 Jahre lang zu überleben, liegen bei 81 Prozent. Die nächsthäufigsten Tumorarten bei Frauen sind Darm- und Lungenkrebs.

Das mittlere Erkrankungsalter für Krebs liegt in Deutschland bei 69 Jahren. Die allgemeinen Überlebensraten 5 Jahre nach einer Krebsdiagnose haben sich bei Frauen nach RKI-Angaben um 2 Prozentpunkte auf 60 Prozent verbessert. Bei Männern stieg die Überlebensraten um 5 Prozentpunkte auf 53 Prozent.

Das steigende Alter der Bevölkerung wird nach Angaben der Gesellschaft der Krebsregister in Deutschland großen Einfluss auf die künftige Entwicklung bei Krebsneuerkrankungen haben. Die Gesellschaft rechnet 2020 bei gleicher Diagnostik mit 20 Prozent mehr Krebsfällen, im Jahr 2050 sogar mit 40 Prozent mehr Krebsfällen.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland auch rund 1800 Kinder an Krebs. Bei jedem 500. Kind wird bis zum 15. Geburtstag ein bösartiger Tumor diagnostiziert. Auch hier ist die Überlebensrate gestiegen: Anfang der 80er Jahre lag die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Kindern 5 Jahre nach der Diagnose bei 67 Prozent, 2004 waren es 80 Prozent.

Die besseren Überlebenschancen bei vielen Krebsarten gehen zu großen Teilen auf Fortschritte in der Medizin zurück. Es sei heute leichter, Tumorzellen zu charakterisieren und spezifisch anzugreifen, erläuterte Kongresspräsident Manfred Kaufmann.

Neue Technologien in der Strahlentherapie machen es möglich, einen Tumor mit höheren Dosen zu bestrahlen ohne umliegendes Gewebe mit zu zerstören. Auch Chirurgen können sich mit moderner OP-Technik besser an ein Karzinom herantasten. Von der weiteren Konzentration der Krebsbehandlung in Fachzentren erhoffen sich die Spezialisten in Zukunft eine weitere Senkung der Sterblichkeitsraten um 5 bis 10 Prozent. 2004 starben 208.000 Menschen in Deutschland an Krebs.

Auch der Lebensstil beeinflusst nach wie vor die Krebsraten. So seien 85 Prozent aller tödlichen Lungenkrebsfälle noch immer auf Tabakkonsum zurückzuführen, sagte Kongresspräsident Kaufmann. Er hofft, dass die neuen Rauchverbote langfristig etwas an diesen hohen Zahlen ändern. Regelmäßiger Sport, eine gesunde Ernährung und guter Sonnenschutz können das Krebsrisiko ebenfalls senken.

Eine regelmäßige Krebsvorsorge hilft im Allgemeinen, Tumore im Frühstadium zu bekämpfen. Doch insbesondere Männer scheuten noch immer diese Untersuchungen, bedauerte Peter Schlag, Vorsitzender der Berliner Krebsgesellschaft.