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Oberhausen: Rettender Piekser in die Pfote: Auch Tiere können Blut spenden

Oberhausen : Rettender Piekser in die Pfote: Auch Tiere können Blut spenden

Rocky tut es, Timon macht es, und Bastard steht ebenfalls parat. Sollte ein tierischer Artgenosse bei einer Beißerei oder einem Autounfall viel Blut verlieren, kann er auf die Hilfe dieser Hunde und Katzen zählen. Denn sie alle sind in Blutspenderdatenbanken registriert und helfen im Notfall anderen zu überleben.

„Auch Tierblut kann Leben retten”, erklärt Achim Holz vom gemeinnützigen Verein Weiße Pfoten in Liederstädt (Sachsen-Anhalt). Vor neun Jahren rief er die länderübergreifende Datenbank ins Leben, 1809 Hunde sind dort derzeit gelistet. Was viele nicht wissen: Schon 1666 führte der englische Arzt Richard Lower 1666 als erster erfolgreich eine Bluttransfusion bei Hunden durch. Heute sind sie aus der klinischen Tiermedizin nicht mehr wegzudenken.

Die häufigsten Gründe, warum Tiere fremdes Blut brauchen, sind Vergiftungen, Unfälle, Krebserkrankungen oder starker Blutverlust nach Beißereien und Operationen. Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn begrüßt es daher, wenn Besitzer ihre Tiere registrieren lassen. „Wichtig ist jedoch, dass für den Spender keine Risiken entstehen”, betont er und empfiehlt, sich dafür an einen Tierarzt des Vertrauens zu wenden.

Weil es in Deutschland keine zentrale Blutbank gibt, fehlen verlässliche Zahlen über das Spendenaufkommen. „Da fast jede größere Tierklinik Transfusionen durchführt, werden pro Jahr deutschlandweit etwa 1000 bis 2000 Blutspenden gewonnen”, schätzt der Münchner Oberarzt René Dörfelt von der Kleintierklinik der Ludwig-Maximilians-Universität. Dass ein Tier auf eine Blutspende angewiesen ist, sei nicht selten, bestätigt Tierärztin Bettina Gassal von der Potsdamer Tierklinik: „Bei uns erhält jede Woche ein Tier, meistens ein Hund, eine Blutspende.”

Deshalb sei es wichtig, dass immer genug Blut der passenden Blutgruppe vorrätig sei. Bis zu 30 Tage können die Konserven gelagert werden.

Die mit Abstand häufigsten Transfusionspatienten sind Hunde. „Helfen kann ihnen jeder andere gesunde Hund zwischen zwei und zehn Jahren, der mindestens 20 Kilo wiegt und selbst nie eine Bluttransfusion hatte”, erklärt Gassal. Für das Spendertier sei der Vorgang ungefährlich. „Eigentlich ist es sogar eine Verjüngungskur fürs Blut, das sich nach spätestens drei Wochen komplett nachgebildet hat”, sagt Weiße-Pfoten-Vorsitzender Achim Holz.

In einer Klinik oder beim Tierarzt wird dem Tier das rote Lebenselixier abgezapft. Die Menge hängt vom Gewicht ab und beträgt bei großen Hunden bis zu 550 Milliliter, erklärt Tierarzt Gerhard Staudacher von der Tierklinik Aachen. „Weil wir das Blut vor der Übertragung auf seine Qualität prüfen, kann es frühestens nach acht Stunden verwendet werden.”

Außer Hunden können auch Katzen Blut spenden. „Sie sollten mindestens 3,5 Kilo wiegen, zwischen einem und acht Jahren alt sein und in den letzten sechs Monaten keine Blutspende geleistet haben”, erklärt Silvio Fuchs von der privaten Interessengemeinschaft Herzblut für Katzen. Die Spenderdatenbank in Oberhausen führt derzeit 3600 Tiere. Im Durchschnitt erhalten der Tierschützer und sein Team jede Woche drei Anfragen nach passendem Blut. „Gegenüber stehen jeden Monat 15 Neuregistrierungen potenzieller Spender”, schätzt Fuchs.

Auch sein Kater Bastard ist mittlerweile Profi im Leben retten. Den ersten Einsatz hatte er, als eine bakterielle Entzündung die Blutkörperchen des 15-jährigen Snoopy zerstörte. Der Tierarzt entnahm Bastard mit einem Pieks wenige Milliliter Blut aus der Vorderpfote und testete es auf Krankheiten und Spendentauglichkeit. Weil alles passte, wurde dem Kater eine Stelle am Hals rasiert, desinfiziert und mit einer Flügelkanüle und einer Spritze 45 Milliliter Blut abgenommen.

Je nach Geduld des Spenders und Schnelligkeit des Blutflusses dauert die Entnahme meist weniger als zehn Minuten, erklärt Oberarzt Dörfelt. „Meist wird so viel Blut benötigt, dass die Konserven ohnehin innerhalb der nächsten vier Wochen aufgebraucht werden.” Das Spendertier darf allerdings frühestens nach drei Monaten wiederkommen. „Unser Bedarf an Blutkonserven ist meist größer als die Menge an Spenderblut”, sagt er. Besonders Katzen seien begehrte Spender.

Je nach Aufwand kostet eine Bluttransfusion zwischen 100 und 600 Euro. Für die Spender ist sie umsonst, viele Häuser bieten neben der kostenlosen Blutuntersuchung eine kleine Anerkennung in Form von Futter. Dörfelt ergänzt: „Und natürlich bekommt man das gute Gefühl, anderen Tieren geholfen zu haben.”

(dpa)