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Kiel/München: Rauchen ist bei den meisten Jugendlichen „out”

Kiel/München : Rauchen ist bei den meisten Jugendlichen „out”

Von August an haben es die meisten Raucher in Deutschland schwerer. Dann greifen die von den Landesregierungen beschlossenen Rauchverbote. Wer die Restriktionen zum Anlass nimmt, mit dem Rauchen aufzuhören, sollte auf professionelle Hilfe setzen. So ist die Chance am größten, dauerhaft von Zigaretten loszukommen.

Der Erfahrung nach schaffen es lediglich ein bis zwei Prozent aller Raucher im Alleingang und nur durch Verzicht, mit dem Rauchen aufzuhören. Gelingt die Wandlung zum Nichtraucher nicht durch bloße Willenskraft, liegt das meist an der körperlichen Abhängigkeit: „Nikotin ist ein starker Suchtstoff, der schneller abhängig macht als Heroin und tiefer als andere Suchtstoffe in den Stoffwechsel des Hirns eingreift”, sagt Karin Joder, Gesundheitswissenschaftlerin und Psychologin aus Kiel. Es entfaltet seine Wirkung im Belohnungszentrum des Gehirns und löst dort angenehme Gefühle aus. Die Folge: Wenn Raucher nicht rauchen, fühlen sie sich schlecht. Sie werden reizbar, können sich schlecht konzentrieren und finden nachts schwer Schlaf.

Studien belegen, dass sich langjährige Raucher meist nur noch eine Zigarette anzünden, um in eine normale Stimmungslage zu kommen. Der Kick, den das Nikotin zu Beginn auslöste, ist bei ihnen längst verschwunden. Häufig verbinden Raucher den Griff zur Zigarette aber mit etwas Angenehmen: Sie machen zum Beispiel Pause und trinken einen Kaffee. Das Hirn lernt dabei: Eine „Zigarettenpause” tut gut. Dass dieses Wohlgefühl nicht an der Zigarette - und wahrscheinlich auch nicht am Kaffee - liegt, weiß es nicht.

Als wirkungsvolle Methoden gelten Gruppentherapien mit Titeln wie „Endlich rauchfrei” oder „Rauchfrei in zehn Schritten”. In der Gruppe analysieren Raucher gemeinsam und unter Anleitung eines psychologisch geschulten Moderators zunächst ihr Rauchverhalten. „Es geht darum, sich klar zu machen, dass man süchtig ist”, erklärt Karin Joder. Danach komme es darauf an, die mit dem Rauchen verbundenen Illusionen zu zerstören. Wer Rauchen als Sucht begreift, fasse die Therapie als Befreiung auf und nicht als Verlust einer liebgewonnenen, harmlosen Schwäche, erklärt die Psychologin.

Den Einsatz von Nikotinersatzmitteln wie Pflastern und Sprays oder gar von Medikamenten hält die Therapeutin für überflüssig. Sinnvoll seien sie, um bei manchen Rauchern die Angst vor Entzugserscheinungen zu dämpfen. Der Vorteil der Nikotinersatzmittel: Das körperliche Verlangen kann zunächst beseitigt werden. Der Raucher merkt, dass er die Zigarette nicht mehr braucht - und ist dann offen für eine Therapie, die ihm hilft, sein Verhalten zu ändern. Als dauerhafte Hilfe taugen Nikotinersatzmittel nicht: Die Sucht bleibt bestehen. Das Nikotin kommt nur auf andere Weise in den Körper.

Ähnlich ist die Situation beim Verwenden von Arzneimitteln wie den Wirkstoffen Bupropion (Handelsname Zyban) und dem seit Anfang März 2007 erhältlichen Vareniclin (Handelsname Champix). Bupropion, eigentlich ein Antidepressivum, hat den Effekt, dass es das Verlangen nach Nikotin verringert. Allerdings kann Bupropion Nebenwirkungen wie Schlaflosigkeit, Angstzustände und Schwindel auslösen. Auch Herzrasen und ein Anstieg des Blutdrucks wurden beobachtet.

Vareniclin wurde eigens zur Raucherentwöhnung entwickelt. Es dämpft die Entzugssymptome und führt beim Rauchen zu Übelkeit. Als Nebenwirkungen treten Kopfschmerzen, Übelkeit, Blähungen sowie Schlafstörungen auf. Notwendig sind derartige Medikamente nach Ansicht von Christoph Kröger vom Institut für Therapieforschung (IFT) in München nur bei langjährigen Rauchern, bei denen mit starken körperlichen Entzugserscheinungen gerechnet werden muss. „Die Medikamente sind eine Krücke.” Sie unterdrücken körperliche Symptome und machen den Kopf frei für die eigentliche Therapie.

Die Kosten von 180 bis 350 Euro für Raucherentwöhnungskurse werden teilweise von den Krankenkassen übernommen. Voraussetzung - und ein Kriterium für Qualität - ist, dass der Kurs von den Kassen anerkannt ist. Die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) in Hamburg bezahlt zum Beispiel bis zu 80 Prozent der Kosten anerkannter Kurse, maximal jedoch 75 Euro. Bei den anderen großen Kassen ist es ähnlich. Rechnungen für Nikotinpflaster, -sprays oder Medikamente könnten Betroffene bei ihrer Kasse aber nicht einreichen, sagt DAK-Sprecher Frank Meiners. „Das ist generell keine Kassenleistung.”

Aktuelle Zahlen belegen den Trend weg von den Glimmstengeln: Wer als Raucher in diesem Sommer die Chance nutzt, sich von Zigaretten loszusagen, befindet sich in guter Gesellschaft. Raucher sind eine aussterbende Gattung, ihnen fehlt der Nachwuchs: Die Zahl der rauchenden Jugendlichen habe in diesem Frühjahr einen historischen Tiefstand erreicht, berichtete Ende Mai die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln. Der Anteil der Zwölf- bis 17-jährigen Raucher ist von 28 Prozent im Jahr 2001 über 20 Prozent im Jahr 2005 auf 18 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig stieg der Anteil der Jugendlichen, die noch nie geraucht haben, auf 57 Prozent.