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Tübingen: Räuchern mit Kräutern und Harzen: Das uralte Ritual spendet Kraft

Tübingen : Räuchern mit Kräutern und Harzen: Das uralte Ritual spendet Kraft

Das Verbrennen von Kräutern, Hölzern und Harzen ist so alt wie die Menschheit selbst. Schon in den Höhlen der Steinzeitmenschen fanden sich in den Feuerstellen Reste verbrannter Kräuter. Bei den Griechen und Römern war das Räuchern ebenso Bestandteil religiöser Rituale wie bei den Indianern und Inka, Buddhisten und Christen.

Auch das Wort „Parfum” hat seinen Ursprung im Räuchern, denn es stammt vom lateinischen „per fumum” ab, „durch den Rauch”. Dem Räuchern werden allerlei Kräfte zugesprochen: So soll es beispielsweise böse Mächte fernhalten, Wünsche an die Götter übermitteln oder Visionen hervorrufen können. Viele dieser Eigenschaften sind mittlerweile naturwissenschaftlich begründbar: Wo etwa im Mittelalter die Pest oder andere Seuchen ausbrachen, sollte der Kräuterrauch das Böse fernhalten.

„Das Böse” waren jedoch schlicht die damals noch unbekannten Krankheitserreger - und der Erfolg der Räuchermaßnahmen war auf die keimabtötende Wirkung der freigesetzten ätherische Öle zurückzuführen. Somit hat das Räuchern als Reinigungsritual, das von den Indianern bis zur katholischen Kirche weit verbreitet ist, durchaus seine Berechtigung. „Darüber hinaus wirken die ätherischen Öle über den Geruchssinn auch direkt auf das Limbische System im Gehirn, wo die Emotionen verarbeitet werden”, erklärt die Heilpraktikerin Maria Margarita aus Tübingen.

Die beruhigende Wirkung von Lavendelduft oder die anregende Kraft der Pfefferminze sind vielen Menschen bekannt, doch es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Pflanzenstoffe, mit deren Hilfe der Gemütszustand beeinflusst werden kann. „Vor einer wichtigen Prüfung verbrennt man beruhigende oder stimmungsaufhellende Kräuter wie Kiefernharz oder Zitronengras. Wer sich hingegen auf die Gehaltsverhandlungen mit dem Chef vorbereiten möchte, wählt Kräuter, die die Lebensgeister wecken wie Pfeffer oder Piment”, rät Margarita.

Nicht zuletzt spendet aber auch das Ritual an sich Kraft: „Man kann sich dem Räuchern von der naturwissenschaftlichen oder der spirituellen Seite nähern. Aber da Körper und Geist eine Einheit bilden, kann man viele Effekte nicht nur einer Seite zuschreiben”, ist Margarita überzeugt. „Deshalb suchen und finden gerade in unserer schnelllebigen Zeit immer mehr Menschen Halt in Meditation und Ritualen”, stellt die Heilpraktikerin fest.

Ihre Räucherkurse, die sie unter anderem an Volkshochschulen anbietet, haben regen Zulauf - auch von Männern. „Gerade Männer mögen das Räuchern, weil es eine aktive Zeremonie ist”, erklärt Margarita. Vom Anbrennen der Räucherkohle in einer Keramikschale über das Auflegen des Räucherwerks bis hin zum Verteilen des Rauchs in der Wohnung mit Hilfe einer großen Feder oder eines Blatt Papiers ist stets Ruhe und bewusstes Handeln gefordert - schon allein aufgrund der Anwesenheit des Feuers. Nach und nach wird so der Kopf immer freier. Und nicht selten löst sich dabei auch ein drängendes Problem ganz einfach in Rauch auf.