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Köln: Pulsuhren sind kein Garant für gesundes Ausdauertraining

Köln : Pulsuhren sind kein Garant für gesundes Ausdauertraining

Jogger sind nicht unbedingt in Eile, wenn sie alle zwei Minuten auf ihre Armbanduhr sehen. Viele drehen heutzutage mit einem Pulsmesser ihre Runden und überprüfen so regelmäßig ihre Herzfrequenz. Gerät diese in einen zu hohen oder zu niedrigen Bereich, schlägt die Uhr Alarm.

Ein Garant für gesundes Training seien Herzfrequenzmesser aber nicht, sagt Billy Sperlich vom Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik an der Deutschen Sporthochschule Köln.

Hersteller von Pulsuhren geben in der Regel bestimmte Frequenzen für die jeweilige optimale Trainingszone an, die der Sportler anhand seines Alters errechnen kann. Der Bereich orientiert sich meist an der Formel 180 minus Lebensalter.

„Dieser statistische Algorithmus passt aber nur bei etwa 50 Prozent der Leute”, sagt Sperlich. Denn die Höhe der Herzfrequenz, bei dem sich der gewünschte Trainingseffekt einstellt, schwankt von Mensch zu Mensch sehr stark.

Viele junge Frauen erreichen laut Sperlich schon beim gemütlichen Spazierengehen eine Frequenz von 130 Schlägen pro Minute und kommen womöglich erst bei etwa 160 Schlägen in einen für sie sinnvollen Trainingsbereich. Andere Läuferinnen oder Läufer im gleichen Alter erreichen schon bei deutlich weniger Schlägen ihr Limit.

Hinzu kommt die Tagesform. Wer normalerweise mit durchschnittlich 145 Schlägen pro Minute trainiert, fühlt sich an einem schlechten Tag mitunter auch erschöpft, wenn sein Herz nur 130 mal pro Minute schlägt. „Gleiches gilt für stark untrainierte Menschen oder solche mit Übergewicht oder Bluthochdruck. Sie kommen mit den von den Herstellern angegebenen Formeln häufig nicht klar”, erläutert Sperlich.

Besonders fitte Sportler fühlen sich dagegen unter Umständen unterfordert, wenn sie mit der vom Hersteller empfohlenen Herzfrequenz trainieren. Überhaupt sind Pulsuhren für erfahrene Läufer laut Sperlich meist überflüssig. Sie haben im Laufe der Zeit ein derart gutes Gefühl für ihren Körper entwickelt, dass sie auch ohne Hilfsmittel merken, wenn der Puls in einen kritischen Bereich gerät.

Der Trainingswissenschaftler rät insbesondere Anfängern, nicht ausschließlich auf eine Pulsuhr zu vertrauen, sondern zu Beginn zusätzlich eine Laktatmessung (Energiebedarf im Muskel) und eine Spirometrie (Ermittlung des Lungenvolumens) durchführen zu lassen, beispielsweise bei einem leistungsdiagnostischen Labor an einer Universität. Mit Hilfe dieser Verfahren lässt sich die Leistungsfähigkeit des Sportlers präzise ermitteln. Darauf basierend wird dann eine individuelle und optimale Trainingszone errechnet, deren Einhaltung man mit einem Herzfrequenzmesser überwacht.

Am genauesten arbeiten Geräte mit Brustgurt. Sie leiten die Signale direkt am Herzen ab. Darüber hinaus sind codierte Uhren empfehlenswert, insbesondere wenn man in einer Gruppe läuft: So ist gewährleistet, dass das eigene Gerät auch nur die eigene Herzfrequenz misst und nicht die des Nachbarläufers.

„Auf Features wie Messung der Schrittlänge oder Anzahl der verbrauchten Kalorien kann man dagegen verzichten”, betont Sperlich. Hier lieferten die Uhren nur grobe Schätzwerte. Kalorien mit einer Pulsuhr zu messen sei in etwa genau so zuverlässig, wie die Außentemperatur mit einer Waage zu bestimmen.