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Düsseldorf: Psychosoziales Zentrum in Düsseldorf betreut traumatisierte Flüchtlinge

Düsseldorf : Psychosoziales Zentrum in Düsseldorf betreut traumatisierte Flüchtlinge

Der wichtigste Augenblick im Psychosozialen Zentrum (PSZ) in Düsseldorf ist der, wenn die Klienten die Räume im vierten Obergeschoss in der Nähe der Altstadt zum ersten Mal betreten. Per Handschlag werden sie dann begrüßt, es gibt Tee oder einen Kaffee und einen bequemen Stuhl.

„Erst einmal ankommen lassen”, lautet die Devise der 15 hauptamtlichen Mitarbeiter. Denn bis die jährlich etwa 90 neuen Klienten ihren Weg nach Düsseldorf gefunden haben, haben sie oft einen langen und traumatischen Weg hinter sich. Und Dinge erlebt, über die sie noch Jahre später kaum sprechen können.

So wie Luc Habimana (Name von der Redaktion geändert), der 2003 von Ruanda aus nach Deutschland geflüchtet ist. „Als ich hier ankam, war ich durch die Traumatisierung mit der ganzen Situation überfordert”, sagt der 50-Jährige. „Erst durch die Arbeit hier im Zentrum konnte ich anfangen, mir und meiner Familie ein neues Leben aufzubauen.” Das Psychosoziale Zentrum in Düsseldorf ist eines von zwei größeren Zentren in Nordrhein-Westfalen, in denen traumatisierten Flüchtlingen geholfen wird.

„Es geht hier nicht nur um die Aufarbeitung von schlimmen Erlebnissen”, erklärt die stellvertretende Leiterin Sabine Rauch, „sondern oft auch um ganz praktische Dinge, wie: Wo stelle ich welchen Antrag und wie kann ich meine Kinder zur Schule schicken?” Die Behandlungsdauer ist sehr unterschiedlich.

Mindestens ein Jahr arbeiten die Mitarbeiter des PSZ im Schnitt mit den Klienten zusammen - oft aber reißt der Kontakt auch danach nicht ganz ab. „Viele kommen auch Jahre später noch bei uns vorbei, holen sich Hilfe, erzählen, was sich in ihrem Leben getan hat”, sagt Rauch, die seit 2002 im PSZ arbeitet.

Luc Habimana ist mittlerweile „stabil”, wie die Mitarbeiter des PSZ das nennen, und so kann er von seinem Lebensweg erzählen. Wie er aus Angst um sein Leben mit seinen beiden Töchtern und einem Visum in der Tasche aus Ruanda geflüchtet ist. Wie er Monate später schließlich in Frankfurt landete und von dort nach Düsseldorf geschickt wurde. „Ich wusste überhaupt nicht, was auf mich zukommt.

Tagelang habe ich zu Hause gesessen und geweint.” Seine Tochter schließlich, die selbst von ihrem Hausarzt zum PSZ vermittelt wurde, nahm ihren Vater mit. „Ich war so glücklich, auf diese Menschen hier zu treffen”, erinnert sich Luc Habimana. „Freundliche Menschen, mit denen ich in meiner Muttersprache sprechen konnte.

Es war so eine große Erleichterung zu sehen, dass es einen Ort gibt, wo man wirklich willkommen ist. Von den Behörden bin ich bis dahin nur unfreundlich und herablassend behandelt worden.”

Nach jahrelangem Rückgang ist die Zahl der Asylbewerber im ersten Halbjahr dieses Jahres wieder deutlich gestiegen. Insgesamt wurden in Deutschland 15 579 Asylanträge gestellt, was einem Zuwachs von etwas mehr als 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht, wie die Pressestelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge mitteilt. Die meisten der Antragsteller kommen aus dem Irak. Insgesamt wurde etwa ein Viertel aller Anträge bewilligt.

Dabei arbeite man immer wieder mit Einrichtungen wie dem PSZ zusammen, erklärt Rochsana Soraya, Pressesprecherin des Bundesamtes. „Der Kontakt erfolgt im Regelfall durch Gutachten, zu konkreten Einzelfällen, bei denen die gesundheitliche Situation des Asylbewerbers im Rahmen des Asylverfahrens zu prüfen ist.

”Vorwürfe, wie auch Luc Habimana sie äußert, nehme man indes sehr ernst. „Es ist der Auftrag des Bundesamts die humanitäre und völkerrechtliche Verantwortung für Schutzsuchende aus aller Welt ernst zu nehmen und dabei dem Asylsuchenden unvoreingenommen und mit Respekt zu begegnen”, sagt Rochsana Soraya.

Dank der Arbeit des PSZ ist Luc Habimana mittlerweile in die Gesellschaft integriert. Er hat eine Aufenthaltserlaubnis, einen Job als Küchenhilfe in einer Kantine und einen Traum. Als Lkw-Fahrer möchte er gerne arbeiten, so wie damals in Ruanda, bevor er flüchtete. „Das PSZ ist so etwas wie eine Familie für mich geworden”, sagt er. „Jetzt bin ich wieder der Mann, der ich damals war.”

Doch auch nach mehreren Jahren psychologischer Arbeit gibt es Themen, über die er lieber nicht sprechen möchte: Über seine Frau und seine dritte Tochter, die derzeit noch in Südafrika leben. Über seine Familie, die er zum Teil in Ruanda zurücklassen musste. Über die Belastung, die auch das Leben in Deutschland für ihn mit sich bringt. „Solche Fragen entmutigen mich”, sagt er.

„Ich möchte nach vorne gucken, ich möchte leben.” Die Verantwortung für seine Töchter ist es, die ihn nach wie vor antreibt. Und der Wunsch, ein ganz normales Leben zu führen. „Nach all der Zeit kann ich sagen: Ich bin stolz auf das, was ich geschafft habe.”