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Berlin: Professionelle Zahnreinigung: Kein Ersatz für Zähneputzen

Berlin : Professionelle Zahnreinigung: Kein Ersatz für Zähneputzen

Bei manchen Menschen scheint es mit der Zahnpflege nicht so richtig zu klappen: Obwohl man täglich Zahnseide oder Interdentalbürsten benutzt, bekommt man sie bei der professionellen Zahnreinigung doch wieder empfohlen. Macht man etwas falsch?

„Das lässt sich nur individuell klären”, sagt Claus Gasteyer von der Praxis für Ästhetische Zahnheilkunde in Frankfurt. Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, warum bei vielen die tägliche Mundhygiene nicht ausreicht: Gasteyer zählt ungünstige Zahnstellung oder -form, falsche Putztechnik, unpassende Bürsten und häufigen Konsum von Süßem oder Saurem als Klassiker für hartnäckige Zahnbeläge auf.

Werden solche Bakterienbesiedlungen der Zähne nicht richtig bekämpft, können aus ihnen und ihren Stoffwechselprodukten Plaque und Zahnstein entstehen. Zahnfleischbluten (Gingivitis), Mundgeruch, in jungen Jahren häufig Karies, später eher Parodontitis (Zahnbettentzündung) bis hin zu Zahnausfall können die Folge sein. Neben einer guten und regelmäßigen Zahnpflege kann man auch mit professioneller Zahnreinigung gegensteuern. Zahlen muss man die aber in der Regel selbst.

Wie läuft die professionelle Zahnreinigung ab?

Zunächst wird der Zustand von Zähnen und Zahnfleisch analysiert, denn danach richtet sich auch die Behandlung. Dann entfernen Prophylaxehelfer - speziell fortgebildete Zahnmedizinische Fachangestellte oder Dentalhygieniker - sichtbare Plaque etwa mit Bürstchen, Schleifpapierstreifen und Zahnseide, Zahnstein mit hakenartigen Instrumenten. Ein Wasser-Pulverstrahlgerät beseitigt dunkle Verfärbungen und zerstört Reste des Biofilms.

Dann werden die Zahnoberflächen mit rotierenden Bürstchen und Kelchen sowie einer fluoridreichen Paste poliert. Das soll verhindern, dass sich die Bakterien schnell wieder anhaften können. Fluoridhaltiges Lack oder Gel bildet einen weiteren Schutzschild. Wenn man nicht schon Pflegetipps bekommen hat, steht jetzt die eigene Putztechnik auf dem Prüfstand. Da geht es auch um die passende Zahnbürste, den korrekten Gebrauch der Zahnseide und die Bakterienreduktion durch Zungenreinigung sowie die Rolle der Ernährung.

Die Stiftung Warentest (Ausgabe 7/2015) rät, etwa mit Färbetabletten eventuell verbliebene Plaque oder Zahnstein sichtbar zu machen und gegebenenfalls um Nachbesserung zu bitten.

Für wen empfiehlt sich die professionelle Zahnreinigung?

Ohne die tägliche Mundpflege und die Kontrolluntersuchungen hilft die Profipflege gegen Karies, Parodontitis und Co. langfristig nicht. „Die Professionelle Zahnreinigung ist kein Freibrief, es mit der Mundhygiene nicht so genau zu nehmen”, warnt Gasteyer.

Und Gregor Bornes, Zahnexperte der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) in Köln, betont: „Die wichtigste Aufgabe der professionellen Zahnreinigung ist die Beratung, wie die Patienten die eigene tägliche Mundhygiene verbessern können.” Denn bei manchen lässt das Zähneputzen noch zu wünschen übrig. Bornes kennt ein paar Gründe: „Bei Älteren lässt die Feinmotorik nach, und das Zahnfleisch wird weicher und schlaffer, Krankheiten und Medikamentengebrauch kommen hinzu”. Da müssen die Zähne engmaschiger auf den Prüfstand und eine weichere oder elektrische Zahnbürste her. Eine häufigere Profipflege ist dann sinnvoll.

Auch wer raucht oder viel Tee, Kaffee und Rotwein trinkt, bezahlt das meist mit dunklen Verfärbungen an schwer zugänglichen Stellen. Rauchen ist aber einer der Hauptrisikofaktoren für Parodontitis. „Unglücklicherweise maskiert Rauchen Zahnfleischbluten - eines der wenigen Symptome einer Parodontitis. Hierdurch kann das Zahnfleisch bei Rauchern gesünder erscheinen, als es tatsächlich ist. Das sollten Raucher, aber auch Zahnärzte berücksichtigen”, erklärt Zahnmediziner Prof. Thomas Dietrich von der Universität Birmingham. Unter anderem forscht er zum Thema Rauchen und Zahnverlust.

Eine ungünstige Bakterienzusammensetzung im Mund oder ein geringer Speichelfluss führen schneller zu Zahnbelägen. Tiefe Zahntaschen, die von früheren unbemerkten Entzündungen herrühren, sind wahre Bakterienpfuhle. Ein etwa durch Stress geschwächtes Immunsystem oder Erkrankungen wie Diabetes sind weitere Gründe, die Abstände zwischen den Zahnarztbesuchen zu verkürzen. Brackets, Zahnspangen oder Zahnersatz machen Putzprobleme. „Und Bulimiker oder Patienten, deren Mund durch Tabletteneinnahme trocken ist, neigen eher zu Karies und Parodontitis”, ergänzt Gasteyer.

Was kostet die professionelle Zahnreinigung?

Die Behandlung steht nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Einmal im Jahr zahlen die Kassen das Entfernen von Zahnstein, nicht aber das der weichen Beläge. Wenige Kassen übernehmen die gesamten Kosten oder gewähren einen Zuschuss. Die Kosten richten sich häufig nach der Dauer der Behandlung. Sie hängt von der Anzahl der Zähne und der eigenen Mundhygiene ab. Die Stiftung Warentest ermittelte im Juli 2015 als Durchschnittskosten für 45 Minuten etwa 73 Euro für Kassenpatienten pro Sitzung und 112 Euro für Privatpatienten.

(dpa)