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Tübingen: Plötzliches Herzrasen kann Anzeichen für WPW-Syndrom sein

Tübingen : Plötzliches Herzrasen kann Anzeichen für WPW-Syndrom sein

Jeder Herzschlag wird durch einen elektrischen Impuls ausgelöst. Dieser erregt den Herzmuskel und führt zu dessen Kontraktion. Problematisch wird es dann, wenn aufgrund eines Herzfehlers eine zweite Erregungsleitungsbahn die wohlkoordinierte Pumpleistung mit zusätzlichen Impulsen stört.

„Dies ist beim sogenannten Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom) der Fall”, sagt Professor Michael Hofbeck, Kinderkardiologe am Universitätsklinikum Tübingen und Beiratsmitglied der Deutschen Herzstiftung.

Das WPW-Syndrom ist eine angeborene Herzrhythmusstörung, die in der Bevölkerung kaum bekannt, aber relativ häufig verbreitet ist. Wird ein elektrischer Impuls über die zweite Erregungsleitungsbahn auf die Hauptkammern des Herzens übertragen, kommt es zu einer Art kreisenden elektrischen Erregungswelle und das Herz schlägt deutlich schneller und unkoordinierter als normal.

Meist wird diese Herzrhythmusstörung im Kindes- oder Jugendalter entdeckt. „Typisches Anzeichen ist eine spürbar höhere Herzfrequenz, die wie aus heiterem Himmel kommt. Selbst im Ruhezustand sind bis zu 170 Schläge pro Minute möglich”, erläutert der Mediziner. Eine derart hohe Herzfrequenz erreichen gesunde Menschen sonst nur bei starker körperlicher Belastung.

Patienten, bei denen sich das WPW-Syndrom akut bemerkbar macht, leiden oft unter Beklemmungsgefühlen und Unwohlsein. Erst wenn die Symptome wieder verschwinden - das kann nach einigen Minuten oder Stunden sein - legt sich auch die Angst.

Auf dem EKG, das die elektrischen Impulse aufzeichnet, macht sich das WPW-Syndrom grafisch durch eine zusätzliche Welle (Delta-Welle) bemerkbar. In diesem Fall sprechen Kardiologen vom sogenannten offenen WPW-Syndrom. „Beim verborgenen WPW-Syndrom ist dagegen keine Delta-Welle sichtbar”, sagt Hofbeck.

Beheben lässt sich die Störung per Herzkatheter-Eingriff. Der Kardiologe schiebt über die Leistenvene einen dünnen Spezialkatheter bis zum Herzen vor und verödet die störende Erregungsleitungsbahn, die für das WPW-Syndrom verantwortlich ist.

Die Deutsche Herzstiftung hält für Interessierte und Betroffene den umfangreichen Ratgeber „Herzrhythmusstörungen heute” bereit, der auch über eine Vielzahl anderer Herzrhythmusstörungen informiert. Das Heft kann gegen die Einsendung von drei Euro in Briefmarken bei der Deutschen Herzstiftung, Vogtstraße 50, 60322 Frankfurt am Main, bezogen werden.