Online-Hilfe bei Essstörung? Heilung oder Risiko?

Vorteil Anonymität : Online-Hilfe bei Essstörung? Heilung oder Risiko?

Im Internet findet man alles, auch Selbsthilfegruppen und Foren, die bei Essstörungen helfen sollen. Leider ist das Angebot aber nicht immer so hilfreich, wie es scheint. Hinter vielen Selbsthilfegruppen stecken "Ana-freundliche" Gruppen. Wer genau recherchiert, findet aber durchaus hilfreiche Gruppen und Foren, die beim Kampf gegen die Essstörung helfen können.

Wer online nach einer Selbsthilfegruppe oder nach Foren sucht, um Unterstützung beim Kampf gegen die Essstörung zu erfahren, muss nicht nur Fake-Portale beachten. Zu beachten ist auch, dass eine Forumsdiskussion oder der Austausch in einer Selbsthilfegruppe kein Ersatz für eine Therapie sind. Allerdings kann beides Essgestörte nach einer Therapie beim Heilungsprozess un terstützen.

Viele Therapeuten oder Psychologen kennen seriöse Portale, Selbsthilfegruppen sowie Foren und können ihren Patienten etwas Passendes empfehlen. Eine solche Empfehlung einzuholen, verhindert, dass man an falsche oder unseriöse Gruppen gerät, die den eigenen Heilungsprozess verhindern.

Selbsthilfegruppe ist nicht gleich Selbsthilfegruppe

Eine Essstörung kann viele Gesichter annehmen, von der Magersucht über Bulimie bis hin zu Binge-Eating. Online sowie offline gibt es verschiedene Selbsthilfegruppen, einige für alle Arten von Essstörung, andere speziell zum Beispiel für Bulimie. Manche Gruppen sind an bestimmte Altersgruppen gerichtet, andere kümmern sich vorwiegend um Angehörige, Lehrer oder eben Betroffene.

Egal welche Form der Selbsthilfegruppe für einen selbst in Frage kommt, wichtig ist, dass die Gruppe von einer versierten Person geleitet wird. Das kann zum Beispiel jemand sein, der die Magersucht schon selbst überwunden hat und inzwischen gefestigt ist. Aber auch Therapeuten, Ärzte oder Ernährungsberater kommen als geeignete Leiter der Selbsthilfegrup pe in Frage. Die Leitung der Gruppe ist so wichtig, weil eine ungenügende Leitung schnell zu Rückfällen führen kann. Im schlimmsten Fall entwickelt sich die Selbsthilfegruppe zu einer Diskussionsrunde über das Abnehmen.

Der Vorteil einer Online-Selbsthilfegruppe ist die Anonymität. Niemand weiß wer man ist. Zwar wird auch in einer Offline-Gruppe die Anonymität gewahrt, allerdings erkennt man Gruppenmitglieder leicht auf der Straße. Aus diesem Grund schrecken viele davor zurück, solche Treffen zu besuchen.

Online-Programme zur Festigung nach der Therapie

Neben Foren und Selbsthilfegruppen gibt es auch speziell entwickelte Programme, die dabei helfen sollen, die Essstörung hinter sich zu lassen. Darunter zum Beispiel das Salut - Bulimie-Selbsthilfe-Programm für Menschen, die an Bulimie erkrankt sind. In den sieben Teilschritten des kostenpflichtigen Programms lernen die Erkrankten, sich selbst zu beobachten und das eigene Verhalten zu reflektieren. Zudem werden Strategien zur Vermeidung von Essattacken an die Hand gegeben sowie der Umgang mit Rückfällen besprochen.

Die Essstörung trifft viele - Hilfe für Angehörige und Lehrer

Magersucht, Bulimie und Binge-Eating sind Krankheiten, die nicht nur die erkrankte Person betreffen. Auch Angehörige, vor allem Eltern, oder Fachpersonal wie Lehrer sind in einem gewissen Maße betroffen und brauchen ebenfalls Hilfe. Aus diesem Grund gibt es spezielle Foren und Selbsthilfegruppen für diesen Personenkreis. Da die Familie der erkrankten Person auch Teil des Heilungsprozesses ist, kann es vor allem für diese hilfreich sein, sich in Foren auszutauschen.

Wie sind Eltern anderer essgestörter Kinder mit der Krankheit umgegangen? Was machen wir falsch oder richtig? Einige dieser Fragen können in qualifizierten Gruppen oder Foren beantwortet werden. Häufig wird Eltern und Lehrern bei solchen Treffen und Diskussionen auch ein Teil ihrer Unsicherheit genommen. So fällt der Umgang mit dem erkrankten Kind wieder leichter und man kann zum Heilungsprozess beitragen.

(vo)
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