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Hamburg/Köln: Oft unseriös: Gesundheitsportale im Internet

Hamburg/Köln : Oft unseriös: Gesundheitsportale im Internet

Bei den so genannten Käseblättern vom Kiosk verzichtet kaum eines auf die Rubrik „Gesundheit”. Blähungen, Mundgeruch und andere „Volkskrankheiten” - sowas interessiert schließlich Millionen Leser. Seit ein paar Jahren aber gibt es Konkurrenz, und zwar kostenlos im Internet.

Dort informieren sogenannte Gesundheitsportale auf das Ausführlichste über Krankheiten von Alzheimer bis Zöliakie. Und auf speziellen Ratingseiten kann man die Leistung von Ärzten und Kliniken bewerten.

Was Käseblätter und diese Internetangebote häufig gemeinsam haben, ist die mangelhafte Qualität ihrer Inhalte. Was Patienten da im World Wide Web so zu lesen bekommen, darüber sei sie „sehr unglücklich”, sagt Maria Eberlein-Gonska, Vorsitzende der Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung in Hamburg: „Nur in den seltensten Fällen werden die Bedürfnisse der Patienten erfüllt.”

Zu diesen Bedürfnissen gehören vor allem leicht verständliche und verlässliche Informationen, mit denen ratsuchende kranke Menschen etwas anfangen können. Meistens aber würden diese mit unzähligen Ratschlägen und Hinweisen geradezu „erschlagen”, bemängelt Eberlein-Gonska. Oder aber die Informationen seien so stark vereinfacht und verallgemeinert, dass ein Patient mit seinem persönlichen, womöglich sehr spezifischen Leiden kaum noch einen Mehrwert davon habe.

Qualitätsmängel in der Medizin gibt es freilich nicht erst, seitdem Gesundheitsdienstleister „online” sind. Auch beim klassischen Gespräch in der Arztpraxis oder bei der Visite am Krankenbett gibt und gab es immer schon Missverständnisse. Manche Mediziner treten derart unverständlich bis blasiert auf, dass der Patient danach nicht unbedingt schlauer ist als vorher. „Unseriosität lauert überall”, sagt Hilda Bastian, Ressortleiterin Gesundheitsinformation beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Köln.

Aber offenbar in besonders hohem Maß im Internet. Aufgrund der schier immensen Fülle an Angeboten und Informationen zum Thema Gesundheit sei es Patienten kaum noch möglich, zwischen Seriösem und Unseriösem zu unterscheiden. Und selbst wenn manche Seiten ganz offensichtlich nichts taugen und rasch wieder weggeklickt werden, ist es gemeinhin schon zu spät: „Zumindest einen Eindruck haben sie dann beim Leser schon hinterlassen”, sagt Bastian.

Im schlimmsten Fall ist der Eindruck schlicht falsch. Hinter Informationen über Krankheiten stecken laut Bastian sehr häufig Pharmaunternehmen, die Betreiber von Gesundheitsseiten im Internet mitunter saftig sponsern. Falsch kann dann schon sein, bestimmte Medikamente hervorzuheben und andere Behandlungsmethoden in den Erläuterungen zu vernachlässigen oder zu verschweigen.

Bei Portalen, die Ärzte und Kliniken bewerten, sieht es kaum besser aus. Dort bestehe die Gefahr, dass Zahlen und Daten verfälscht dargestellt werden, sagt Eberlein-Gonska und nennt als Beispiel die Rate der Krankenhausinfektionen einer Einrichtung. Ein Patient könne dort nicht die tatsächliche Qualität eines Krankenhauses beurteilen, es sei denn, er verfüge über entsprechende Fachkenntnisse. Vielleicht müsse es für Patienten künftig „Volkshochschulkurse” zum Lesen der verfügbaren Informationen geben.

Wie können Laien Qualitätsberichte also realistisch einschätzen und Gehaltvolles von Humbug unterscheiden? Ganz entscheidend ist nach Ansicht von Eberlein-Gonska, dass sich zu jeder Information ein Ansprechpartner finden und auch erreichen lässt, bei dem man bei Unklarheiten nachfragen kann und verständliche Antworten erhält. Hier hilft in der Regel ein Blick ins Impressum.

Um Ratgeberseiten ohne Impressum oder Impressum ohne Kontaktadresse macht man folglich besser einen großen Bogen. Im Idealfall indes landet man beim Anruf direkt bei der Abteilung für Qualitätsmanagement, die fachkundig weiterhilft, laut Eberlein-Gonska in modernen Kliniken längst „integraler Bestandteil der ärztlichen und pflegerischen Versorgung”.

Und was, wenn man diesen Aufwand scheut und im Netz nur mal schnell nach Omas besten Rezepten gegen Erkältung schauen will? Schließlich macht das Stöbern auf bunten Seiten im Internet ja auch Spaß. Hilda Bastian rät, wenigstens stets ein gesundes Maß an Skepsis beim Surfen zu bewahren. Und im Zweifelsfall kann man ja immer noch seinen Arzt oder Apotheker fragen - anstatt die User „Sternschnuppe388” und „Hustenlöser” im Gesundheits-Chat.