Köln: Notfallseelsorger: Für Suizid gibt es oft keine Anzeichen

Köln: Notfallseelsorger: Für Suizid gibt es oft keine Anzeichen

Nach Erkenntnissen des Bonner Notfallseelsorgers Jürgen Langer gibt es für den Freitod von Menschen oft keinerlei Anzeichen.

„Es gibt viele Fälle, in denen auch Angehörige und das Umfeld nichts bemerkt”, sagte der Redemptoristenpater mit Blick auf den Suizid des Fußball-Torwarts Robert Enke am Donnerstag dem Kölner „domradio”.

Dies seien Situationen, in denen „der Einzelne mit seinen Gedanken und letztlich mit der Entscheidung so für sich bleibt und nach außen nichts durchsickert”. In einigen Fällen jedoch gebe es im Vorfeld auch eine Menge an Anzeichen, die eine Reaktion ermöglichten.

Selbstmord sei keinesfalls ein egoistischer Akt, so Langer. „Die Menschen fokussieren nur noch ihre eigene Problemsituation und suchen dann nur noch ihren eigenen Ausweg.” Angehörige oder wie im Fall Enke die Lokomotivführer seien ihnen in diesem Zustand nicht mehr im Blick. „Sonst würde so etwas gar nicht passieren”, sagte der Geistliche.

Lange habe man in der Gesellschaft die Selbsttötung für eine freie Entscheidung des Betroffenen gehalten, sagte der Pater. Das sei auch der Grund für eine ablehnende Haltung gegenüber ihnen innerhalb der Kirche gewesen.

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) gebe es aber „ein tieferes Verständnis”. Es habe sich auch in der Kirche durchgesetzt, „dass wir es hier mit einer psychischen Krankheit zu tun haben oder mit einer maximalen Einengung der Persönlichkeit, die keine freie Entscheidung mehr bietet”. Somit liege auch moraltheologisch keine verwerfliche Handlung vor, so Langer.

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