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Kiel: Neue Behandlungsstrategien beugen Schuppenflechte vor

Kiel : Neue Behandlungsstrategien beugen Schuppenflechte vor

Die Schuppenflechte galt lange Zeit als eine reine Erkrankung der Haut. Seit bekannt ist, dass sich die chronische Entzündung nicht nur auf die Körperoberfläche beschränkt, hat sich die Behandlung der Psoriasis verändert.

Neue Medikamente haben zu anderen Therapiestrategien geführt. Eine aktuelle Leitlinie informiert deshalb Ärzte über wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse. Für Patienten ist nun auch eine allgemeinverständliche Version dieser Behandlungsleitlinie erschienen.

Der umgangssprachliche Name „Schuppenflechte” beschreibt die typischen Symptome, unter denen Patienten mit einer Psoriasis vulgaris leiden. Auf der Haut bilden sich stark schuppende, entzündlich gerötete Stellen. Diese sind sehr empfindlich, können jucken oder bluten. Mit der bekannten Hautkrankheit Neurodermitis hat die Psoriasis aber nichts zu tun. Experten sprechen vielmehr von einem „Rheuma der Haut”, weil ihre Ursachen und Folgen der rheumatoiden Arthritis ähneln.

Genau wie das Gelenkrheuma ist die Schuppenflechte eine entzündliche Erkrankung des Immunsystems. Die Entzündungsprozesse führen zu einer Überschussreaktion in der Haut, wobei sich die Hautzellen viel schneller erneuern als bei gesunden Menschen. Abgestorbene Zellen stößt der Körper in Form von silbernen Schuppen ab. Die darunterliegende Haut ist gerötet und kann jucken.

Auch wenn Psoriasis eine Hautkrankheit ist, beschränken sich die Entzündungsprozesse nicht nur auf die Körperoberfläche. So zeigen neue Daten, dass Betroffene häufiger an Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen leiden und daher ein erhöhtes Risiko haben, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden. Eine wichtige Rolle spielen dabei entzündungsfördernde Botenstoffe wie der Tumor-Nekrose-Faktor alpha (TNF alpha).

Gegen diese Botenstoffe und andere Entzündungsprozesse richtet sich eine neue Klasse der Psoriasis-Medikamente. Die sogenannten Biologika sind aus der Rheumatherapie bekannt und werden seit etwa fünf Jahren auch gegen Psoriasis eingesetzt. Sie beeinflussen die Kommunikation des Immunsystems auf verschiedene Weise und greifen so direkt in die Entzündungsprozesse ein.

Deshalb vermuten Forscher, dass sie nicht nur den oberflächlichen Hautentzündungen, sondern auch den Begleiterkrankungen einer Psoriasis entgegenwirken können. „Es gibt erste Hinweise, dass eine Langzeittherapie mit bestimmten Biologika, den TNF-alpha-Hemmern, das Risiko für Herzinfarkte senken kann”, sagt Ulrich Mrowietz vom Psoriasis-Zentrum des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel. „Große Studien, die dies ausreichend belegen, fehlen aber noch.” Derzeit sind in Deutschland vier Biologika zugelassen.

Da die Schuppenflechte von Patient zu Patient sehr unterschiedlich verläuft, müssen Ärzte und Betroffene gemeinsam herausfinden, welche Behandlung die geeignetste ist. Für Patienten mit einer leichten Schuppenflechte reichen häufig schon Salben. Ab einem bestimmten Schweregrad kommen auch Bestrahlungen und Medikamente infrage, die auf den gesamten Körper wirken.

Erst wenn diese nicht ausreichend wirken oder der Patient sie nicht verträgt, übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die deutlich teureren Biologika. „Da viele Hautärzte mit den neuen Therapieformen und den Bedingungen für die Kostenerstattung noch nicht vertraut sind, werden Biologika bislang nur selten verschrieben”, berichtet Christiane Rose vom Deutschen Psoriasis Bund (DPB). Dies liege aber auch an der fehlenden Erfahrung mit Biologika.

Um Mediziner bei der Auswahl einer geeigneten Behandlungsstrategie zu unterstützen, hat sich ein Expertengremium im November 2006 auf eine gemeinsame Leitlinie geeinigt. Diese beurteilt die Wirksamkeit verschiedener Medikamente, Bestrahlungen und begleitender Maßnahmen, wie zum Beispiel das Baden in Mineralwässern oder der Aufenthalt in sonnenreichen Regionen. Damit sich auch die Betroffenen einen Überblick verschaffen können, hat der DPB nun eine allgemeinverständliche Version dieser Leitlinie herausgegeben.

Insgesamt hat sich die Behandlung einer Schuppenflechte in den vergangenen Jahren stark verändert. Während es früher darum ging, die akuten Symptome zu lindern, sollen neuere Behandlungsstrategien verhindern, dass es überhaupt zu einem erneuten Krankheitsschub kommt. Die Betroffenen müssen sich deshalb dauerhaft und nicht nur bei akuten Schüben in Behandlung begeben.

Wichtig ist auch, die häufig auftretenden Begleiterkrankungen im Blick zu behalten. Denn diese verschlechtern nicht nur die ohnehin schon eingeschränkte Lebensqualität, sie können auch zu irreparablen Schäden führen.

Besonders deutlich wird das am Beispiel der Psoriasis-Arthritis, einer Gelenkentzündung, die etwa 20 Prozent der Patienten mit Schuppenflechte betrifft. „Wird sie zu spät erkannt oder nicht behandelt, kann das im schlimmsten Fall zu einer Zerstörung der Gelenke führen”, sagt Rose. Allerdings komme es nicht selten vor, dass eine Gelenkentzündung erst nach Jahren entdeckt wird. Denn genau wie die Schuppenflechte hat auch die Psoriasis-Arthritis viele Gesichter.