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Hamburg: Neuanfang statt Altenteil: Mit Fitness den Ruhestand attraktiv gestalten

Hamburg : Neuanfang statt Altenteil: Mit Fitness den Ruhestand attraktiv gestalten

Den Ruhestand verband man früher mit gediegenen Kaffeekränzchen und dem Lösen mittelschwerer Kreuzworträtsel. Nicht wenige Menschen verbrachten nach Jahrzehnten harter Arbeit so ihren Lebensabend.

Heute winken Ruheständler bei solchen Gedanken gelangweilt ab: „Die Ansprüche der älteren Generation in puncto Leistungsfähigkeit und Lebensqualität sind erheblich gestiegen”, sagt Diplompsychologin Christa-Jana Hartwig. Dank den Fortschritten in der Medizin und der damit verbundenen längeren Lebenserwartung stehe den Menschen nach Ende des Berufslebens deutlich mehr Zeit zur Verfügung.

Hinzu kommt eine bessere körperliche Verfassung: „Das gefühlte Lebensalter weicht spürbar vom Stand der biologischen Uhr ab”, erklärt Hartwig. Studien hätten gezeigt, dass sich Menschen der Generation 50 Plus oft 10 bis 15 Jahre jünger fühlten. Die große Freiheit nach dem Renteneintritt will möglichst attraktiv gestaltet werden: „Viele Senioren haben nach getaner Arbeit das Verlangen, noch einmal richtig loszulegen”, erläutert Hartwig.

Für verwitwete Personen etwa sei es keinesfalls mehr ungewöhnlich, mit 75 Jahren ein zweites Mal zu heiraten. Andere wagen den Neuanfang, indem sie mit einem außergewöhnlichen Hobby beginnen oder auf Weltreise gehen. Aber auch daheim gibt es in der Regel eine Menge Möglichkeiten, den Alltag aktiv zu gestalten. Viele Pensionäre sehnen sich nach dem Berufsausstieg nach einer neuen verantwortungsvollen Aufgabe und engagieren sich in einem Ehrenamt.

Auch Seniorenvereine bieten Abwechslung: Die Angebote reichen von Schwimmen und Gymnastik, Kegeln und Tanzen bis hin zum Chorsingen und Power-Walking. Gerade regelmäßige Bewegung beugt dem Verschleiß von Gelenken oder Arterienverkalkung sehr wirksam vor. Und auch der Geist bleibt fit. „Per Computertomograph lässt sich nachweisen, dass Nervenenden im Gehirn durch körperliche Bewegung wieder neu verschaltet werden”, sagt Hartwig.

Wer seine geistige und körperliche Fitness bis ins hohe Alter erhalten will, kommt außerdem an einer gesunden Ernährung nicht vorbei. Weil mit etwa 50 Jahren allmählich die Muskelmasse abnimmt, sinkt der tägliche Energiebedarf um etwa 300 bis 500 Kalorien. „Ältere Menschen brauchen nicht mehr so viel zu essen. Was sie essen, sollte allerdings von hoher Qualität sein”, rät Birgit Leuchtmann-Wagner, Diätassistentin bei der Deutschen BKK.

Obst und Gemüse etwa gehören auf den täglichen Speiseplan. Getreideprodukte, Milch und Käse dürfen ebenfalls nicht fehlen. Darüber hinaus sollte man anderthalb bis zwei Liter Flüssigkeit zu sich nehmen: „Ältere Menschen vergessen das Trinken häufig, weil das Durstempfinden nachlässt”, sagt die Ernährungsexpertin. Wer dazu neigt, stellt sich das Glas Wasser am besten gut sichtbar in Reichweite. „Dann greift man viel eher zum Glas”, erklärt Leuchtmann-Wagner.

Wie die Hobbys sollte allerdings auch das Zubereiten der Mahlzeiten in erster Linie Freude machen. „Das Essen ist keine Medikamenteneinnahme, sondern es muss schmecken”, betont die Ernährungsberaterin. Auf Süßigkeiten und Gebäck müsse man auch als älterer Mensch nicht verzichten. Auf der Suche nach geeigneten Freizeitbeschäftigungen sollte man sich ebenfalls nicht allzu vielen Zwängen aussetzen.

„Es muss nicht gleich die angesagteste Trendsportart sein”, sagt Diplompsychologin Hartwig. Wer statt Power-Walking den klassischen Waldspaziergang bevorzuge oder lieber mit seinen Enkeln spiele, müsse kein schlechtes Gewissen haben. „Das Wichtigste ist, dass man Freude an seinem Hobby hat”, betont die Expertin.