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Kiel/Hamburg: Natürliche Schadstofffilter: Huminsäuren sollen den Körper entschlacken

Kiel/Hamburg : Natürliche Schadstofffilter: Huminsäuren sollen den Körper entschlacken

In der chinesischen Medizin haben Huminsäuren schon lange ihren festen Platz. Hierzulande ist das Pflanzen-Abbauprodukt, das in Humusböden, Torf und Braunkohle lagert, erst seit ein paar Jahren populär.

„Huminsäuren wird die Fähigkeit zugeschrieben, Schadstoffe zu binden, ohne selbst vom Körper aufgenommen zu werden oder in die Blutbahn zu gelangen”, erläutert Birgit Luckwald, stellvertretende Vorsitzende des Fachverbandes Deutscher Heilpraktiker, Landesverband Schleswig-Holstein.

„Der Darm kann die so gebundenen Körpergifte - Bakterien, Viren, Pilzgifte, aber auch Schwermetalle - dann ausscheiden.” Huminsäuren helfen dem Darm aber nicht nur, Schadstoffe zu entsorgen.

Sie bewirken laut Luckwald zudem, dass der Nahrungsbrei länger im Darm bleibt und damit gründlicher bearbeitet werden kann: „Spurenelemente, Mineralien und Vitamine werden so wirksamer aus der Nahrung herausgefiltert.” Bei Osteoporosebeschwerden beispielsweise lasse sich so ein erhöhter Calciumbedarf besser decken.

Je gründlicher die Nahrung verwertet werde, desto weniger komme es auch zu Fäulnis- und Gärungsprozessen, bei denen Gase entstehen, sprich Blähungen. Huminsäuren wirken der Heilpraktikerin zufolge zudem entzündungshemmend: „Gelenkschmerzen, beispielsweise durch Rheuma, lassen sich durch Einnahme von Huminsäuren lindern.”

Da die Säuren alle Arten von Keimen zurückdrängten - zum Beispiel auch E.coli, Salmonellen oder Herpes simplex - seien sie ein geeignetes Mittel, um nach einer Antibiotika- oder Steroidtherapie die Darmflora wieder zu stärken. Ein Lebensmittelallergiker könne darüber hinaus seinen Körper mit Hilfe von Huminsäuren „entgiften”, nachdem er sich - aus welchen Gründen auch immer - nicht an seine Speiseregeln gehalten habe. Nebenwirkungen seien nicht bekannt.

Anders als die innere Anwendung durch Einnahme von Kapseln oder Pulver sei die äußere Anwendung von Huminsäuren als Moorbad oder -packung in Deutschland schon lange bekannt, nicht zuletzt aus der Kurmedizin, erläutert die Fachfrau weiter. Die entzündungshemmende Wirkung helfe bei Neurodermitis, Schuppenflechte oder auch bei Allergien. Bereits Paracelsus habe Moor und die im Badetorf enthaltene Huminsäure als Heilmittel empfohlen.

Die medizinische Wirkung von Huminsäuren wurde unter anderem von der Universität Witten/Herdecke wissenschaftlich untersucht: Man könne die seit Jahrhunderten den Mooren und Heilschlämmen in Volks- und Schulmedizin nachgesagten Heilwirkungen theoretisch unterlegen, erklärt dazu Studienleiter Uwe Pfüller, derzeit Gastprofessor an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf. Klinische Studien, also Untersuchungen an Patienten, liegen allerdings noch nicht vor.

Zahlreiche Huminsäure-Präparate zur äußeren und inneren Anwendung seien rezeptfrei in Apotheken erhältlich, erläutert Luckwald. Es gebe aber durchaus Unterschiede in Wirksamkeit und Anwendung. Deshalb sei es auf alle Fälle wichtig, vor einer Anwendung den Rat eines Heilpraktikers oder Arztes einzuholen - auch wenn die Krankenkassen die Kosten in der Regel nicht übernehmen. Nutzen sollte man die Säuren auch nur bei akutem Bedarf, betont die Expertin: „Man darf medizinische Mittel nie ohne Not auf Dauer einnehmen.”