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Offenbach: Natürliche Familienplanung: Verhütung mit Thermometer und Tabelle

Offenbach : Natürliche Familienplanung: Verhütung mit Thermometer und Tabelle

Es gibt eine Verhütungsmethode, die ähnlich sicher ist wie die Pille, nicht in den Hormonhaushalt eingreift und obendrein kaum etwas kostet. Bei der Natürlichen Familienplanung - kurz NFP genannt - beobachten Frauen verschiedene Signale ihres Körpers, um so ihre fruchtbaren Tage zu ermitteln. Einer der positiven Nebeneffekte ist ein besseres Gefühl für den eigenen Körper.

„Die Frauen, die bei mir NFP, genauer gesagt die symptothermale Methode mit Temperatur messen und Schleimbeobachtung, lernen, sind meistens hoch überrascht, wie einfach das ist”, sagt die Ärztin und Pro-Familia-Beraterin Bettina Witte de Galbassini aus Offenbach. Bei der symptothermalen Methode misst die Frau morgens vor dem Aufstehen ihre Körpertemperatur und trägt den Wert in eine Kurve ein. Steigt die Temperatur deutlich an und bleibt erhöht, ist das ein Zeichen dafür, dass der Eisprung vorüber ist.

Um die Sicherheit der Methode zu erhöhen, das heißt, die Zeit des Eisprungs noch sicherer festzustellen, werden weitere Körperzeichen beobachtet - in erster Linie die Veränderung des Schleims am Scheideneingang. Naht die fruchtbare Phase, wird der Schleim bei vielen Frauen reichlicher, flüssiger und oft auch „spinnbar”, das heißt, er lässt sich zwischen zwei Fingern zu einem Faden ziehen. Viele Frauen prüfen zusätzlich auch Form und Lage des Muttermunds oder tragen den so genannten Mittelschmerz - einen Schmerz, den Frauen in der Zeit des Eisprungs manchmal im Unterleib spüren - in ihre Tabelle ein.

Hat eine Frau ihren Zyklus erst einmal genau kennengelernt, kann sie ihr Wissen natürlich nicht nur zum Verhüten einsetzen, sondern auch, um schwanger zu werden. „Deshalb bezeichnen wir NFP auch nicht als Verhütungs-, sondern als Wahrnehmungsmethode”, sagt Ursula Sottong, Ärztin und Leiterin der Arbeitsgruppe Natürliche Familienplanung (AG NFP) der Malteser-Werke in Köln.

Verhütet eine Frau mit Hilfe von NFP, liegt der so genannte Pearl-Index unter eins. Das heißt, von 100 Frauen, die ein Jahr lang mit dieser Methode verhüten, wird statistisch gesehen weniger als eine schwanger. „Theoretisch müsste eine Frau bei der sympthothermalen Methode an sechs Tagen pro Zyklus auf Verkehr verzichten. Praktisch sind es eher zehn bis elf Tage”, erklärt die Ärztin.

Etwa acht Tage vor und drei Tage nach dem angenommenen Eisprung sollten Paare, die mit NFP verhüten, entweder auf Geschlechtsverkehr verzichten oder zum Beispiel ein Kondom oder ein Diaphragma verwenden. In der restlichen Zeit können Anwenderinnen ganz ohne Verhütungsmittel mit ihrem Partner schlafen - und können dabei sicher sein, nicht schwanger zu werden, sagt Witte de Galbassini. „Wenn Frauen die Methode richtig lernen und in der fruchtbaren Phase gar keinen Geschlechtsverkehr haben, dann ist die Sicherheit sogar höher als die der Pille.” Werden in der fruchtbaren Phase Kondome verwendet, ist die Methode dementsprechend etwas unsicherer.

Das Vorurteil, dass eine Frau ganz regelmäßig leben müsse um NFP anzuwenden, stimmt aus Witte de Galbassinis Sicht nicht. Nach ein paar Zyklen haben die meisten Anwenderinnen genug Erfahrung, um Ausreißer in der Kurve, die beispielsweise durch Schlafmangel, Alkohol oder Erkältungen entstehen können, rechnerisch auszugleichen.

Die Verhütung mit Thermometer und Zyklusblatt bietet sich unter anderem für Frauen an, die die Pille aus gesundheitlichen Gründen nicht nehmen dürfen oder möchten. „Man muss allerdings bereit sein, in der Phase der Fruchtbarkeit mit einer Barrieremethode zu verhüten oder einen anderen Sex zu leben”, sagt Witte de Galbassini. „Sexualität muss ja nicht immer Koitus bedeuten.”

Laut Ursula Sottong ist NFP für Frauen in allen Lebensphasen geeignet. „Allerdings sind Frauen, die sich nicht näher mit ihrem Körper befassen wollen, die falsche Zielgruppe.”

Ebenso wie Pro Familia hat auch die AG NFP ein deutschlandweites Netz von Beraterinnen und Beratern, bei denen Frauen sich über die Natürliche Familienplanung informieren und während der ersten Zyklen begleiten lassen können. Die Arbeitsgemeinschaft hat mehrere Bücher und Hefte zum Thema NFP veröffentlicht.

Wenn die Partnerin mit NFP anfängt, kann das auch für einen Mann ein Anlass sein, sich näher mit dem Thema Verhütung und mit dem weiblichen Zyklus zu befassen, sagt Sylvia Heil-Schlehuber von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF) in München.

„Manche Männer interessieren sich sehr dafür und verfolgen den Zyklus mit - andere machen nur mit, weil ihre Frau das so will”, ist ihre Erfahrung. Frauen, die sich für NFP interessieren, empfiehlt Heil-Schlehuber zunächst die Lektüre eines Buchs zum Thema. „Wer möchte, kann sich dann eine Beratung suchen oder einen NFP-Kurs machen.”