1. Leben
  2. Gesundheit

Birmingham: Mutation für Dickdarmkrebs kam im 17. Jahrhundert nach Amerika

Birmingham : Mutation für Dickdarmkrebs kam im 17. Jahrhundert nach Amerika

Ein Ehepaar aus England brachte um 1630 eine Mutation für erblichen Dickdarmkrebs nach Nordamerika. Das haben amerikanische Wissenschaftler herausgefunden, als sie die Stammbäume von zwei Großfamilien untersuchten, die heute in Utah und New York leben.

Demnach sind die beiden Familien verwandt und stammen von dem Ehepaar ab, das im 17. Jahrhundert nach Amerika auswanderte. Da es die Mutation heute in Europa nicht gibt, muss der Mann oder die Frau aus England der erste Träger dieser Erbgutveränderung gewesen sein, schreiben die Forscher um Deborah Neklason von der Universität von Utah in Salt Lake City im Fachmagazin „Clinical Gastroenterology and Hepatology” (DOI: 10.1016/j.cgh.2007.09.017).

Die Wissenschaftler untersuchten 490 Mitglieder der Familie aus Utah und 439 Familienangehörige aus New York. Bei beiden Familien gibt es Mitglieder, die genau die gleiche Veränderung im Erbgut tragen: Ihnen fehle ein kleines Stück in der DNA, erklären die Forscher. Die Betroffenen leiden dadurch unter der sogenannten attenuierten Familiären Adenomatösen Polyposis: Bei ihnen bilden sich Geschwulste im Dickdarm, im Alter von 80 Jahren sind im Durchschnitt über zwei Drittel der Mutationsträger an Dickdarmkrebs erkrankt.

Neklason und ihren Kollegen gelang es, die Vorfahren der heute lebenden Familien über neun Generationen bis ins 17. Jahrhundert zurückzuverfolgen. Dabei entdeckten sie, dass beide Familien von dem Ehepaar abstammen, das im 17. Jahrhundert nach Amerika übersiedelte. Ein Sohn, der 1615 in England geboren wurde, gründete demnach den Familienzweig in New York. Eine 1620 geborene Tochter ist die Vorfahrin der Familie, die heute in Utah lebt.

Wahrscheinlich gebe es jedoch noch wesentlich mehr Nachkommen des Ehepaars aus England, von denen viele ebenfalls die Mutation im Erbgut tragen, betont Neklason.

Zwischen 1966 und 1995 traten 0,15 Prozent aller Dickdarmkrebsfälle in Utah bei Angehörigen der untersuchten Familie auf, unterstreichen die Forscher. Von 1996 bis 2003 erwarteten die Wissenschaftler eigentlich acht weitere erkrankte Familienmitglieder. Tatsächlich war es aber nur eines. Das zeige, wie wichtig genetische Tests und Vorsorgeuntersuchungen zur Verhinderung von Dickdarmkrebs seien, betonen die Wissenschaftler.