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Berlin / Frankfurt/Main: Mit Schminke gegen die Zeichen der Zeit: Lifting durch Make-up

Berlin / Frankfurt/Main : Mit Schminke gegen die Zeichen der Zeit: Lifting durch Make-up

Mit Anfang 20 zeigt das Gesicht selbst nach einer langen Nacht morgens so gut wie keine Spuren. Mit Anfang 30 kann es dann schon mal dauern, bis man sich entknittert hat. Und mit Anfang 40 wird man einige der Fältchen plötzlich gar nicht mehr los. Für manche Frauen ist das ein Grund, über ein Lifting nachzudenken.

Dafür sind allerdings nicht unbedingt Skalpell, Nadel und Faden nötig - mit Grundierung, Kajal und Lidschatten sowie einigen Tipps und Tricks von Kosmetikexperten lassen sich wesentlich schonender ein paar Jahre wegmogeln.

„Wenn die Haut erschlafft und verblasst, muss man das Gesicht mit dem richtigen Make-up und der richtigen Schminktechnik beleben”, sagt die US-amerikanische Star-Visagistin Bobbi Brown. „Make-up statt Facelift” hat sie ein Kapitel in ihrem gerade erschienenen Buch „Living Beauty - Gelebte Schönheit” getauft (Pendo Verlag, München, ISBN: 978-3866121195, 24,90 Euro).

Das Schminken beginnt für sie mit der richtigen Pflege. „Mehrere Pflegemittel übereinander auftragen, um der Haut ein pralles Aussehen zu verleihen”, empfiehlt sie. Auf eine Feuchtigkeitscreme kann zum Beispiel ein reichhaltiger Balsam folgen. Vor dem Auftragen sollten alle Cremes zwischen den Fingern angewärmt werden, damit sie besser einziehen.

„Man sollte dann 10 bis 15 Minuten warten, bis die Tagespflege komplett eingezogen ist, sonst wirkt das Make-up später fleckig”, warnt Martin Ruppmann vom Verband der Vertriebsfirmen kosmetischer Erzeugnisse (VKE) in Berlin. Als nächster Schritt wird die Grundierung aufgetragen, die ebenfalls vorher kurz in der Hand vorgewärmt werden sollte. „So lässt sie sich besser verteilen”, erklärt der Fachmann.

„Eine Grundierung für reifere Haut sollte keine Puderanteile enthalten. Der Puder setzt sich sonst in den Fältchen ab”, sagt der Fachkosmetiker und Visagist Olaf Zieseniss aus Frankfurt. Welche Make-up-Schattierung zum eigenen Hautton passt, wird nicht am Handrücken, sondern besser am Hals ausprobiert. Auf keinen Fall sollten zu dunkle Grundierungen gewählt werden. „Je dunkler, desto frischer sehe ich aus - das ist ein großer Irrtum”, warnt Zieseniss.

Von stark deckenden Foundations ist ebenfalls abzuraten. „Das wirkt schnell maskenhaft”, sagt Nadja Kaiser, freie Make-up-Artistin in München. Ideal sei dagegen eine lichtreflektierende Grundierung, die für ein leichtes Strahlen der Haut sorgt.

Wichtig ist es, die Grundierung nicht bis direkt an die Augen heran aufzutragen. Dort kommt stattdessen Concealer - eine Abdeckflüssigkeit oder -creme - zum Einsatz. Für Bobbi Brown ist der Concealer das Beauty-Produkt schlechthin. Sie rät, sich eine ganze Batterie davon in verschiedenen Schattierungen zuzulegen: „Sie tun mehr für ihr Aussehen als ein zusätzlicher Lippenstift.” Optimal sind ihrer Erfahrung nach Gelbtöne, die ein bis zwei Nuancen heller als die Grundierung sind.

Um die Augen wacher aussehen zu lassen, wird etwas Concealer an der Innenseite der Nase neben der Augenhöhle aufgetupft. Unter den Augen bis zur Wimpernlinie aufgetragen, kaschiert Cocealer dunkle Augenschatten. „Klopfen Sie leicht mit der Spitze des Zeigefingers darauf, um ihn zu verteilen”, rät Brown. „Üben Sie dabei so wenig Druck wie möglich aus. Wenn man zerrt und reibt, wischt man den Concealer wieder ab. Wenn noch ein dunkler Schatten zu sehen ist, tragen Sie eine zweite Schicht auf.”

Zurückhaltung angesagt ist beim Lidschatten. „Lidschatten mit Glitzerpartikeln kann problematisch sein. Er lässt Fältchen noch deutlicher hervortreten”, sagt Martin Ruppmann. „Lieber auf matte Töne in Braun- und Grauschattierungen zurückgreifen”, rät auch Nadja Kaiser.

Solche dunklen Töne sind ebenfalls ideal, um leichte Schlupflider zu kaschieren: „Oft wird mit hellen Farben dagegen angearbeitet - aber das erschlägt das Auge”, so die Make-up-Artistin. Stattdessen wird mit dunklen Tönen das Lid so schattiert, dass sich ein optisches Lifting ergibt.

Pflicht ist ein kräftiges Tuschen der Wimpern. „Starkes Tuschen öffnet die Augen”, erklärt die Make-up-Artistin. Besonders bei nach unten gezogenen Wimpern rät sie, zuvor noch eine Wimpernzange zu benutzen. Ist der Wimpernkranz sehr dünn, kann künstlich nachgeholfen werden. „Es gibt einzelne künstliche Wimpern, die zwischen die normalen Wimpern gesetzt werden - das lässt die Augen größer wirken”, sagt Olaf Zieseniss.

Für die Lippen empfiehlt der Experte, zunächst etwas Feuchtigkeitspflege mit einer Zahnbürste einzumassieren: „Dadurch verbessert sich die Durchblutung, und die Lippen werden aufgepolstert.” Um ein „Auslaufen” des Lippenstifts und ein Absetzen in die Fältchen rund um den Mund zu vermeiden, sollte unbedingt ein Lipliner verwendet werden. „Für die äußeren Lippenkonturen kommt ein Lipliner in Hautfarbe zum Einsatz. Direkt auf die Kontur kommt dann ein Liner in Lippenstiftfarbe”, empfiehlt Zieseniss.

Beim Lippenstift selbst sind cremige Exemplare oder Gloss am besten geeignet. „Gloss sollte aber nicht zu sehr glänzen”, warnt Nadja Kaiser. Außerdem darf die Farbe nicht zu dunkel sein. „Dunkle Töne lassen die Lippen sehr schmal wirken.”

Ein absolutes Muss zum Schluss ist laut Kaiser etwas Rouge. Ein wenig unterhalb des Wangenknochens aufgetragen, lässt es das Gesicht auf natürliche Weise frischer wirken. Tabu sind jedoch dick aufgemalte Apfelbäckchen oder Rougebalken. Denn wie fast immer beim Make-up gilt auch hier: Weniger ist mehr.