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Köln: Mit Ibuprofen gegen das Vergessen?

Köln : Mit Ibuprofen gegen das Vergessen?

Es war ein ungewöhnliches Experiment, zu dem sich die Ordensschwestern von Notre Dame in Mankato im US-Bundesstaat Minnesota 1991 bereit erklärten. Altersforscher David Snowdon testete die Älteren unter ihnen regelmäßig, und nach ihrem Tod durfte er ihre Gehirne im Labor untersuchen.

Snowdon wollte verstehen, was geschieht, wenn Menschen altern. Dabei machten er und sein Team eine Entdeckung, die Zweifel weckt an dem, was die Medizin bislang über die Alzheimer-Krankheit aussagt.

Mit Snowdons Forschungen beginnt der Wissenschaftsjournalist und promovierte Biologe Thomas Liesen seine Dokumentation „Das Rätsel Alzheimer - Der Kampf gegen die Vergesslichkeit”. Sie ist am Montag (30. Juni) um 22.45 Uhr im WDR-Fernsehen zu sehen.

Snowdon erinnert sich noch gut an Schwester Bernadette und Schwester Matthia. Beide waren vital und geistig rege und zeigten bis zu ihrem Tod keinerlei Anzeichen von Altersdemenz. Bei der Untersuchung ihrer Gehirne fand er darin aber so viele Ablagerungen (Plaques), dass er an eine Verwechslung glaubte; denn nach dem Obduktionsbefund hätten beide an Alzheimer leiden müssen. Snowdown ist heute überzeugt davon, dass man ein „Alzheimergehirn haben kann, aber nicht unter Alzheimer-Symptomen leiden muss”.

Die Krankheit, von der rund drei Millionen Europäer betroffen sind, gibt Rätsel auf. Die Medizin macht bislang die Plaques verantwortlich für die Zerstörung des Gehirns. Es gibt jedoch immer mehr Anzeichen dafür, dass sie nicht alleine die Erkrankung auslösen. Thomas Liesen unterhält sich darüber mit Thomas Bayer von der Universität Göttingen, der in Versuchen mit „Alzheimer-Mäusen” Ablagerungen in Nervenzellen entdeckte, die unabhängig von den Plaques waren.

Im Bemühen, die Ursache von Alzheimer zu finden, machte der Hirnforscher Pat McGeer von der Universität in Vancouver Entdeckungen, die in eine ähnliche Richtung gehen. Nachdem er in erkrankten Gehirnen eine stark überhöhte Anzahl von Mikroglia entdeckt hatte, die man sonst nur nach Gehirnentzündungen findet, wollte er wissen, ob Menschen, die regelmäßig entzündungshemmende Mittel wie Ibuprofen einnehmen, weniger Alzheimer haben. Seine Umfrage bei Fachärzten ergab laut Film, dass es tatsächlich so gut wie keine Rheumakranken mit Alzheimer gibt.

Dies sei zwar keine wissenschaftlich stichhaltige Studie, räumt er ein, aber es gebe doch Anlass nachzudenken. Wirklich nachdenklich allerdings wird man nach seinem Hinweis, dass er keine Gelder für eine fundierte Studie habe auftreiben können.

Forschungen zur Entwicklung eines Alzheimer-Impfstoffes werden schon lange von der Pharmaindustrie finanziert. Thomas Liesen stellt eine dieser Studien vor. Als er begann, kritische Fragen zu stellen, stieß er jedoch nach eigenen Angaben bald auf Ablehnung und Geheimniskrämerei. Sollte McGeer Recht haben, wenn er sagt, dass die Firmen nur Versuche mit Wirkstoffen unterstützten, die teuer verkauft werden könnten? Er ist jedenfalls davon überzeugt: „Viele altbewährte Medikamente sind die besten. Sie werden ausrangiert, weil sie viel zu billig sind.”

Eine Meldung der American Academy of Neurology vom Mai deutet in die gleiche Richtung: Eine Kontroll-Studie habe gezeigt, dass bei einer Einnahme von Ibuprofen über fünf Jahre das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um 44-Prozent sinke, heißt es.