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Mit dem Rollstuhl in den Urlaub

Mit dem Rollstuhl in den Urlaub

Münster.

Möglich wurde seine Urlaubsreise durch ein Angebot des Vereins „Urlaub & Pflege”. Dieser organisiert die Reise und stellt eine Fachpflege im Urlaubsort rund um die Uhr. Nach Auffassung von Experten könnten mehr behinderte Menschen ihren Urlaub in der Ferne erleben, wenn es mehr Angebote geben würde und die bereits bestehenden Möglichkeiten bekannter wären. Die „Reisebörse” Münster will deshalb gezielt Interessenten mit Veranstaltern zusammenbringen, die auf Angebote für Behinderte spezialisiert sind.

Auch Giebelhausen hat von seinem Reiseangebot auf der Reisebörse im Münsteraner Gesundheitshaus erfahren. Hier holt das Informationsbüro Pflege des Sozialamtes seit vier Jahren regelmäßig alle örtlichen Anbieter von behindertengerechten Reisen zusammen. Zwar könnten Interessierte auch auf den großen Tourismusmessen ähnliche Angebote finden. Dennoch sei die Münsteraner Börse eine ganz besondere Einrichtung, erklärt Peter Neumann, Experte für barrierefreien Tourismus der Uni Münster. Hier sei das Angebot der Region verbraucherfreundliche gebündelt.

Das Thema Reisen wird für Menschen mit Behinderungen immer wichtiger, so die Beobachtung des Geschäftsführers des Landesbehindertenrats Nordrhein-Westfalen, von Willibert Strunz. „Es gibt in NRW zu viele weiße Flecken was barrierefreies Reisen angeht”, bemängelt er. Das Problem sei, dass sich für behindertengerechten Tourismus niemand richtig zuständig fühle und man immer wieder auf große Hindernisse stoße, beim Versuch barrierefreie Angebote umzusetzen. Auch von der Politik ist nach Auffassung von Strunz mehr Unterstützung nötig.

Nur 57 Prozent aller Behinderten verreisen laut einer Studie jedes Jahr. „Es gibt zu wenig Barrierefreiheit und zu wenig Information, wo Urlaub für Behinderte möglich ist”, erklärt Neumann. 37 Prozent der Befragten haben sogar schon mal auf eine Reise verzichtet, weil sie kein entsprechendes Angebot finden konnten.

Susanne Hanowell, die früher bei ambulanten Pflegediensten arbeitete, hat die Nachfrage nach speziellen Reisen erkannt. „Ich habe gesehen, dass es für die Menschen schwer ist zu verreisen”, schildert sie ihre Erfahrungen. Deshalb gründete sie den Verein „Urlaub & Pflege”. Den Pflegebedürftigen wird nicht nur die Betreuung angeboten, sondern auch die oftmals schwierige Organisation abgenommen. Denn es müssen auch geeignete Hotels gefunden werden. Bei ihrer Arbeit wird Hanowell mittlerweile von 30 Ehrenamtlichen unterstützt. Die Betreuung im Urlaub kann von den Pflegekassen übernommen werden, wenn eine entsprechende Einstufung vorliegt, nach der Reisende beispielsweise auch zuhause von einem ambulanten Dienst gepflegt werden. Bis zu 1.432 Euro pro Jahr übernehmen die Versicherungen.

Die Evangelischen Beratungsdienste (EBD) der Diakonie in Münster wollen ebenfalls Reisen trotz Pflegebedürftigkeit ermöglichen. Mit Reiseleitern geht es an die Nord- und Ostsee, nach Dresden und Bayern oder ins Ausland. Seit sechs Jahren fährt Emilie Schmitt daher regelmäßig in den Urlaub. Sie war bereits auf Mallorca und in Andalusien, obwohl die 89-Jährige fast blind ist. „Alleine würde ich das nicht machen”, meint die Münsteranerin. Denn die Anfahrt und Ausflüge selbst zu organisieren, wäre für sie kaum möglich. Stolz erzählt sie, wie sie mit einer Reisegruppe in Spanien acht Kilometer zu einem kleinen Fischerdorf gelaufen ist. Wer sich das zutraue, könne das alles machen, ist die Senioren begeistert.