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Meine Augenbehandlung in Zeiten der Pandemie

Erhöhtes Infektionsrisiko? : Meine Augenbehandlung in Zeiten der Pandemie

Katarakt, Glaukom, feuchte Makula: Viele Augenerkrankungen müssen regelmäßig ärztlich behandelt oder kontrolliert werden. Gehen Patientinnen und Patienten während der Corona-Pandemie ein erhöhtes Infektionsrisiko ein? Kann es ratsam sein, die Therapie zu unterbrechen? Auf diese Fragen gibt es je nach Erkrankung unterschiedliche Antworten.

Corona: Ein Virus bedroht unsere Gesundheit - und der beste Schutz besteht darin, Kontakte zu vermeiden und die Wohnung oder das Haus möglichst nicht zu verlassen. Ein Konflikt für alle, die an einer behandlungsbedürftigen Augenerkrankung leiden. Welches Risiko ist größer - eine Corona-Infektion oder ein möglicherweise schwerer Augenschaden aufgrund versäumter Therapie? Hintergrundwissen, die persönliche Erkrankungssituation und die Rücksprache mit dem Augenarzt oder der Augenärztin können helfen, eine verantwortungsvolle Entscheidung zu treffen.

Prävention und Kontrolle

Viele Augenerkrankungen sind altersbedingt. Ab dem 60. Lebensjahr werden daher vorbeugende Kontrolluntersuchungen empfohlen, um deren Beginn frühzeitig erkennen und therapieren zu können.

Steht während der aktuellen Corona-Pandemie eine turnusmäßige Untersuchung an, sollte mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin eine mögliche Verschiebung besprochen werden. Sofern nicht das erblich bedingte Risiko einer schweren Augenerkrankung vorliegt, für deren Behandlungserfolg eine frühestmögliche Diagnose wesentlich ist, dürfte in den meisten Fällen nichts gegen eine Verschiebung des Untersuchungstermins sprechen.

Glaukom: Wenn der Augendruck steigt

Beim Grünen Star - medizinisch Glaukom genannt - verursacht ein steigender Augeninnerdruck Schäden an den Sehnerven. Der Druck durch zu viel Kammerwasser im Auge kann durch operative Drainage oder medikamentöse Therapie gesenkt werden - er muss aber überwacht werden. Gerade wer zu Beginn der Erkrankung medikamentös eingestellt wird, braucht die engmaschigen Kontrollen, damit der gesenkte Druck auf dem richtigen Niveau stabilisiert wird. Ohne das Okay des Arztes oder der Ärztin darf hier kein Termin ausgelassen werden.

Katarakt: Operable Linsentrübung

Der Graue Star - lateinisch Katarakt - ist eine durch Stoffwechselveränderung verursachte Trübung der Augenlinse. Ein Katarakt ist durch Einpflanzung einer künstlichen Linse gut operabel. Je nach Alter und Gesundheitszustand bedeutet der in vielen Praxen und Kliniken durchgeführte Eingriff eine gesundheitliche Belastung. Sofern es keinen Anlass für eine dringliche Operation gibt, sollte mit dem betreuenden Arzt oder der Ärztin eine Verschiebung des Eingriffs erwogen werden.

Anders sieht es bei der Nachsorge aus, oder wenn sich nach einer Katarakt-Operation Komplikationen einstellen. Dann sind die ärztliche Inaugenscheinnahme und falls nötig die Einleitung von Gegenmaßnahmen unverzichtbar.

Netzhautablösung: Sehen in akuter Gefahr

Netzhautablösungen können sich jederzeit ereignen. Menschen mit erhöhtem Blutdruck gehören zur Risikogruppe, Auslöser kann schwere körperliche Anstrengung sein. Die meist schmerzfreie Ablösung macht sich durch Lichtblitze oder Ausfälle vor allem am Rand des Gesichtsfeldes bemerkbar. In schweren Akutfällen wird sogenannter Rußregen wahrgenommen - ein Alarmsignal, das sofortige ärztliche Behandlung erfordert.

Menschen mit Neigung zu Netzhautablösungen müssen regelmäßige Kontrolltermine einhalten, da akute Ablösungsereignisse oft mittels Laser gestoppt werden können. Entfällt ein Untersuchungstermin, kann sich die Netzhautablösung unbemerkt verschlimmern. Nur der Arzt oder die Ärztin kann im konkreten Fall entscheiden, ob eine Terminverschiebung in Frage kommt.

„Feuchte Makula“: Schleichende Erblindung stoppen

Die feuchte altersabhängige Makuladegeneration - umgangssprachlich „feuchte Makula“ genannt - ist eine wenig bekannte Erkrankung des Auges. Sie verläuft chronisch und kann unbehandelt zum Verlust der Sehfähigkeit führen. Krankhafte Feuchtigkeitsbildung in der Makula, dem Zentrum des scharfen Sehens, zerstört hier die Sehnervenzellen. Die schleichende Erblindung lässt sich medikamentös stark verlangsamen - die Therapie muss jedoch lebenslang konsequent eingehalten werden. Schon eine einzige ausgelassene Medikamentengabe durch den Arzt oder die Ärztin kann die Sehfähigkeit stark verschlechtern.

Augenoperationen: Wann ein Eingriff warten kann

Viele Fehlsichtigkeiten und Augenerkrankungen lassen sich operativ korrigieren oder beheben. Auch hier gilt: Jeder Eingriff - mag er noch so routiniert durchgeführt werden - belastet den Körper und kann ihn für eine Virus-Infektion anfälliger machen. Darum sollte es ein Gebot der Vernunft sein, freiwillige und eher kosmetische Eingriffe wie die Laserkorrektur einer Kurz- oder Weitsichtigkeit oder eine Lidkorrektur bis zum Ende der Corona-Pandemie zu verschieben.

Anders bei medizinisch notwendigen Operationen, die der Sicherung der Sehfähigkeit dienen oder als Akutbehandlung notwendig sind: Hier dürfen Patienten darauf vertrauen, dass in der ausführenden Praxis oder Klinik ein Höchstmaß an hygienischen Vorkehrungen getroffen wird, um das Risiko einer Infektion zu vermeiden - auch mit dem Corona-Virus.

Beschwerden und plötzliche Sehstörungen

Bei auftretenden Beschwerden leichterer Art wie Jucken, Brennen, Fremdköpergefühl, Tränenfluss oder Trockenheit sollte in einem Telefonat mit der Augenarztpraxis geklärt werden, ob eine Konsultation nötig ist. Schwerwiegendere Symptome und plötzlich auftretende Sehstörungen - von Schmerzen und Druckgefühl über die Wahrnehmung von Lichtblitzen, Blendempfindlichkeit und unscharfes Sehen bis zu Ausfällen im Gesichtsfeld - müssen jedoch umgehend ärztlich untersucht werden.

Corona und Augenbehandlungen: Eine Risikoabwägung

Grundsätzlich herrscht in Augenarztpraxen und Augenkliniken ein sehr hoher hygienischer Standard, der während der aktuellen Corona-Pandemie eher noch erhöht worden ist. Zudem kann jeder Patient und jede Patientin seinen oder ihren Teil zum Schutz vor einer Corona-Infektion beitragen, etwa durch den Verzicht auf öffentliche Verkehrsmittel für die Fahrt zum Augenarzt, durch peinlich genaues Einhalten von Sicherheitsabständen zu Mitmenschen und das Tragen einer Schutzmaske.

Eigenmächtig wichtige Therapietermine ausfallen zu lassen, ist ein riskanter Schritt, der Schäden an der Sehfähigkeit nach sich ziehen kann. Nur eine gemeinsam mit dem Augenarzt oder der Augenärztin getroffene Entscheidung über Wahrnehmung oder Verschiebung eines Termins ist eine richtige Entscheidung.

(vo)