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Frankfurt/Main: Mehr Transparenz im Krankenhaus

Frankfurt/Main : Mehr Transparenz im Krankenhaus

Für Krankenhauspatienten brechen neue Zeiten an. Spätestens im Herbst haben sie ungleich größere Möglichkeiten als bisher, sich vor einem geplanten Eingriff über Kliniken zu informieren und bewusst zu entscheiden, in welche Hände sie sich begeben.

Aber die neue Transparenz hat auch Schattenseiten. Ende Oktober müssen alle Kliniken bundesweit eine neue Art von Qualitätsbericht vorlegen, die nicht nur wie bisher dürre Strukturdaten wie die Zahl der Operationen, der Betten oder der behandelten Patienten enthält, sondern auch Daten zur Qualität der Behandlung.

Die Berichte müssen alle zwei Jahre aktualisiert und im Internet publiziert werden, so will es der Gemeinsame Bundesausschuss von Kassen, Ärzten und Kliniken, der verantwortlich ist für die verpflichtenden Maßnahmen der Qualitätssicherung in Krankenhäusern. Veröffentlicht werden müssen 30 Qualitätsindikatoren aus zehn häufigen Leistungsbereichen, darunter: ein künstliches Hüftgelenk einsetzen, Gallenblase entfernen oder einen Tumor aus der Brust schneiden.

„Der Verbraucher kann dann nicht nur sehen, wie oft das gemacht wurde, sondern auch, wie häufig dabei Komplikationen aufgetreten sind”, erklärt Björn Misselwitz, Leiter der „Geschäftsstelle Qualitätssicherung Hessen”, die seit 1995 im Auftrag der Krankenhausgesellschaft und der Krankenkassen Kliniken überwacht.

Den Qualitätssicherungsstellen liegen diese sensiblen Daten auch heute schon vor - nur erfahren haben sie die Patienten bisher nicht. Wenn eine Krankenhausabteilung negativ auffällt - weil zum Beispiel bei überdurchschnittlich vielen Herzschrittmacher-OPs die Sonde nicht hält - sucht die Qualitätsstelle mit der Klinik nach Ursachen und Abhilfe. Da wird dann ein junger Kardiologe in eine Weiterbildung geschickt, oder die Sonden werden von einem anderen Hersteller bezogen. Wenn nichts geschieht, zeigt die Geschäftsstelle die Klinik bei Krankenkassen und Krankenhausgesellschaft an.

Auf dem Vormarsch sind auch Internetportale, die die Zufriedenheit der Kunden öffentlich machen. Die Techniker-Krankenkasse stellte kürzlich einen „Klinikführer” ins Netz, der auf den Urteilen von TK-Versicherten basiert. Bundesweit hatten 55.000 Patienten Fragen zu Behandlungserfolg, Pflegequalität und allgemeiner Zufriedenheit beantwortet, pro Klinik mussten mindestens 100 Bewertungen vorliegen.

Die Kasse will ihren Klinikführer verstanden wissen als „Impuls für einen Wettbewerb um die beste Qualität”, wie Hessens TK-Chefin Barbara Voß sagt. „Mit dem Klinikführer fügen wir den bisher bekannten Daten nun noch die Perspektive hinzu, die für die Verbraucher wirklich hilfreich ist, nämlich die Erfahrung anderer Patienten.”

Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa vom April 2007 unter mehr als 1000 Bundesbürgern hat ergeben, dass 80 Prozent gerne auf die Erfahrungen anderer Patienten zurückgreifen würden, 74 Prozent möchten sich bei der Suche nach einem Krankenhaus nicht alleine auf den Rat des einweisenden Arztes verlassen.

Prof. Matthias Schrappe, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, findet Portale mit Patientenbefragungen prinzipiell gut: „Das ist natürlich ein sehr einfaches Instrument, aber das geht schon in die richtige Richtung.” Auch die neuen Qualitätsberichte seien ein großer Fortschritt. Misselwitz sieht hingegen solche Portale kritisch: „Das ist sehr schwer, das repräsentativ hinzubekommen. Da wird dann ein Krankenhaus abgestraft, nur weil das Essen mal schlecht ist.”

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis Portale wie klinikbewertungen.de oder medmonitor.de den Verbrauchern die die lästige Arbeit abnehmen, die Qualitätsberichte zu vergleichen. Doch Misselwitz warnt: „Wenn die Qualitätsberichte in Rankings einfließen, besteht die Gefahr, dass Daten manipuliert werden, um besser dazustehen. Schlimmstenfalls kann es sein, dass Kliniken schwierige Fälle abweisen, um ihren Listenplatz nicht zu gefährden.”