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München: Medikamente zur Raucherentwöhnung nur bei Gesamtkonzept sinnvoll

München : Medikamente zur Raucherentwöhnung nur bei Gesamtkonzept sinnvoll

Medikamente zur Tabakentwöhnung sind nach Expertenansicht nur sinnvoll, wenn sie Teil eines Gesamtkonzeptes sind. Nikotinpflaster oder -kaugummis wirkten unterstützend, sagte der Lungenfacharzt Pál Bölcskei vom Institut für Raucherberatung und Tabakentwöhnung in München.

„Sie helfen vor allem in der ersten Phase unmittelbar nach dem Rauchstopp”, sagte der Experte dem dpa-Themendienst. Da sie Entzugserscheinungen lindern, könne der Raucher sich besser auf eine Verhaltensänderung konzentrieren. Am Mittwoch hatte die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing in Berlin die bundesweite Nichtraucherkampagne „Rauchfrei 2008” eröffnet.

In den ersten vier bis sechs Wochen nach dem Verzicht auf Zigaretten müssten viele Raucher zunächst ihre Nikotinabhängigkeit überwinden, erläutert der Experte. „Der Höhepunkt der Entzugserscheinungen ist am dritten Tag nach dem Aufhören.” Zuvor sollten Raucher sich jedoch beim Arzt oder bei einer Beratungsstelle informieren. Auch der Apotheker könne helfen.

„Oft werden die Präparate nicht zu gering dosiert oder zu kurze Zeit eingenommen”, warnt Bölcskei. Dann stelle sich schon bald die alte Abhängigkeit wieder ein. Eine Überdosierung sei in der Regel nicht gefährlich und mache sich ähnlich bemerkbar wie zuviel Zigarettenkonsum: „Man fühlt sich komisch im Kopf und irgendwie unwohl.” Dann sollte beispielsweise ein Nikotinpflaster einfach abgezogen werden.

In der Regel schwerer zu überwinden ist jedoch laut Bölcskei die psychische Abhängigkeit. Rauchen sei oft situationsabhängig - etwa beim gemütlichen Zusammensein mit Freunden oder bei der Raucherpause im Büro. „Sobald diese Situation wieder auftritt, kehrt auch der Wunsch zurück, sich wieder eine anzuzünden.” Daher sei es wichtig, ein festes Datum für den Ausstieg festzulegen und neben den Zigaretten auch die „gefährlichen” Situationen zu meiden.

Eine Ausnahme sei es, wenn nach dem Rauchstopp Depressionen auftreten. „In diesem Fall sollte man ausnahmsweise mit der Reduktionsmethode aufhören, also stufenweise immer weniger rauchen”, sagte der Pneumologe.