1. Leben
  2. Gesundheit

Mönchengladbach: Lebensqualität der Senioren soll verbessert werden

Mönchengladbach : Lebensqualität der Senioren soll verbessert werden

Eine ungewöhnliche Form von Seniorensport bietet das Altenheim Lürrip in Mönchengladbach seit kurzem. Seit Ende des vergangenen Jahres hat das Seniorenheim als eine der ersten Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen ein hauseigenes Fitnessstudio eingerichtet.

Das Leben von einigen der insgesamt 152 Bewohner hat sich seitdem deutlich verändert. Das hat etwa die 72-jährige Josefine Sluyßer am eigenen Leib erfahren können. Bei jeder Trainingseinheit war die rüstige Bewohnerin bislang dabei - und das zahlt sich aus. „Bis vor kurzem saß ich noch im Rollstuhl. Jetzt kann ich schon wieder kurze Strecken alleine zu Fuß gehen”, berichtet sie stolz, während sie mit den Beinen die Gewichte immer wieder in die Höhe stemmt. Sabine Baro, Leiterin des Altenheims Lürrip, fügt hinzu: „Hier geht es nicht um Schönheit oder Fitnesswahn, sondern um mehr Lebensqualität.”

Etwa 60 Quadratmeter ist der Fitnessraum groß, an den Wänden hängen Zeichnungen, die die richtige Benutzung der Geräte erklären. In der Ecke steht eine Art Stimmungslampe, die mit notorischer Regelmäßigkeit ihre Farbe wechselt, im Hintergrund läuft leise Musik. Und mittendrin sitzt Sluyßer und trainiert ihre Oberschenkelmuskulatur.

Natürlich werden die Bewohner an den Geräten nicht sich selbst überlassen. Für eine fachkundige Betreuung sorgt Marina Logvin. Die 46-Jährige ist ausgebildete Sportlehrerin und im Altenheim in Lürrip bereits seit fünf Jahren für den Sport zuständig. „Als wir den Raum eröffnet haben, waren die Reaktionen der Bewohner ganz unterschiedlich”, erzählt sie.

Während manche sofort begeistert waren, blieben andere zunächst skeptisch. „Was sind denn das für Monster?” sei sie mit Blick auf die Geräte gefragt worden, erinnert sich Logvin lachend. Doch ein bisschen Überzeugungsarbeit und ganz viel Mundpropaganda haben die Rentner schnell überzeugt. Wenn Marina Logvin jetzt dienstags bis donnerstags am Nachmittag Kurse anbietet, dann ist der Raum fast immer gut gefüllt.

Mit der Zielsetzung, verloren gegangene körperliche Leistungsfähigkeit und Fitness bei alten Menschen gerade auch im Pflegebereich wieder aufzubauen, liegt das Altenheim „voll im Trend”, bestätigt Kathrin Rebbe, Sprecherin des NRW-Sozialministeriums in Düsseldorf. „Ein von unserem Haus gefördertes Modellprojekt der Sporthochschule Köln (Fit für 100) hat erwiesen, dass Sport im Alter nicht nur eine gute Sturzprävention darstellt, es hilft auch dabei, im Alter noch selbstbestimmt zu leben und soziale Kontakte aufzubauen.”

„Eine Motivation, auch im Alter noch Sport zu machen, sind sicherlich die Lifestyle- und Wellness-Aspekte”, heißt es zudem in einer Broschüre des Innenministeriums NRW, die gemeinsam mit dem Landessportbund herausgegeben wurde. Für die Senioren in Mönchengladbach ist das Fitnessstudio ein Weg, den Alltag besser zu meistern und rüstig zu bleiben. Und plötzlich drehen sich manche Gespräche der Bewohner darum, wie viele Wiederholungen wer in dieser Woche an welchen Geräten geschafft hat.

Das Modell in Mönchengladbach Lürrip ist mittlerweile längst ein Vorbild für andere Einrichtungen geworden. Auch die anderen städtischen Altenheime sollen nun mit Fitnessräumen ausgestattet werden. Und längst gibt es auch schon Anfragen von Anwohnern, ob sie nicht auch einmal in den Räumlichkeiten in Lürrip trainieren können. Der Erfolg jedenfalls spricht sich schnell rum. „Wir haben wieder gelernt, zu lachen”, sagt Josefine Sluyßer. Und dann kommt ihr ein Satz über die Lippen, den sie so vor drei Monaten noch nicht gesagt hat: „Auch altes Eisen kann knackig sein.”