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Berlin/Solingen: Lebensgefahr im Schlaf: Schnarchen ist nicht bloß lästig

Berlin/Solingen : Lebensgefahr im Schlaf: Schnarchen ist nicht bloß lästig

In regelmäßigen Abständen wiederholt es sich immer wieder: Das flatternde „Sägen”, das Millionen Partnern von Schnarchern regelmäßig den Schlaf raubt. Immerhin schnarchen in Deutschland rund 30 Millionen Menschen.

Betroffen sind beide Geschlechter: Im Alter von 60 Jahren schnarchen zwar 60 Prozent aller Männer, aber auch 40 Prozent aller Frauen. Doch das ist nicht nur störend. „Es kann sogar gesundheitsgefährdend sein”, erklärt Volker Schilling, Chefarzt des Vivantes-Klinikums Berlin-Neukölln für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie.

Schnarchen entsteht durch eine Blockade der Atemwege, wenn sich im Schlaf die Muskulatur entspannt und es zu flatternden Bewegungen des Gaumensegels und des Zäpfchens kommt. Bestimmte Faktoren begünstigen es.

„Zu denen gehört nicht nur das Übergewicht, sondern auch spätes, üppiges Essen, durch das der Körper dann mit dem Nahrungsabbau zu tun hat”, erläutert der HNO-Arzt. Und Alkohol vor dem Schlafengehen lockere die Muskulatur und damit auch die Zunge.

Gefährlich ist eine sogenannte Schlafapnoe. Darunter leiden etwa zwei Prozent aller Schnarcher, vor allem stark übergewichtige Männer über 40. „Bei einer solchen Apnoe kommt es zu einer Verengung der oberen Atemwege, durch die Atempausen entstehen, die zwischen wenigen Sekunden bis anderthalb Minuten dauern können”, erklärt Winfried Randerath, Schlafmediziner und Facharzt für Inneres aus Solingen.

Dabei erschlafft die Muskulatur, und die Zunge als großer Muskel fällt in den Rachen - sie verengt und blockiert ihn. „Dadurch kommt es zu einem Kollaps der Atemwege und nachfolgend einer Untersättigung des Blutes mit Sauerstoff”, erklärt Schilling. Der Körper allerdings versetze den Betroffenen dann vom tiefen in leichteren Schlaf, indem er die Muskulatur anspannt.

Die Diagnose einer solchen Apnoe erfolgt für die Patienten im Schlaflabor, in dem sie eine Nacht verbringen müssen. Doch bis das geschieht, sind sie zuvor meist wegen allgemeiner Symptome beim Arzt gewesen. „Oft sind die Betroffenen morgens müde, wie gerädert und zerschlagen, obwohl sie meinen, in der Nacht geschlafen zu haben”, sagt Susanne Schwarting aus Kiel, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft Zahnärztliche Schlafmedizin.

Ebenfalls dazu gehört häufiges nächtliches Erwachen und Wasserlassen. „Durch die Tagesmüdigkeit entstehen allerdings auch lebensgefährliche Situationen im Alltag”, sagt die Zahnärztin. Dazu gehöre beispielsweise der Sekundenschlaf beim Autofahren, der viele Verkehrsunfälle verursacht.

Hinzu kommt, dass die Ausschüttung von Stresshormonen vor allem bei Patienten mit Atemaussetzern auch Herz und Kreislauf belastet. „Dadurch sind sie auch einem größeren Risiko von Infarkten und Schlaganfällen ausgesetzt”, fügt Randerath hinzu.

Gegen das lästige, aber harmlose Schnarchen, aber auch die Apnoe gibt es laut Randerath zahlreiche Hilfsmittel - vom Schnarchöl bis zum Nasenspreizer. Diese Mittel werden meist ganz euphorisch angepriesen. „Wissenschaftlich erprobt und effektiv anzuwenden sind allerdings nur wenige Therapieformen”, erklärt Schwarting.

Bei starker Apnoe etwa erfolgt die Standardtherapie mit einer Sauerstoffmaske, die wie ein umgekehrter Staubsauger funktioniert. „Durch eine kontinuierliche Überdruckbeatmung wird dabei verhindert, dass es zu einer Erschlaffung der Muskeln kommt”, erklärt Randerath.

Doch auch wenn die Maske das effektivste Mittel ist und die gefährlichen Atemaussetzer auf jeden Fall gestoppt werden - viele müssen sich erst daran gewöhnen, immer mit einer Maske ins Bett zu gehen. „Rund 70 Prozent der Betroffenen, die die Maske ausprobieren, nehmen diese Therapie allerdings an”, sagt der Schlafmediziner.

Eine sehr effektive Behandlungsmethode, die sich beim ungefährlichen Schnarchen und auch bei leicht- bis mittelgradiger Schlafapnoe anbietet, ist die sogenannte Unterkiefervorschubschiene, die wie eine kieferorthopädische Zahnspange aus Kunststoff aussieht. „Diese modernen einstellbaren Zweischienensysteme über Ober- und Unterkiefer werden für jeden Patienten individuell hergestellt”, erklärt Schwarting.

Allerdings kostet eine sogenannte Protrusionsschiene zwischen 500 und 800 Euro, die im Fall einer Schlafapnoe aber auch von der Krankenkasse übernommen werden können.

„Durch diese Schiene wird der Unterkiefer - und damit auch die Zunge - leicht nach vorne gezogen, wodurch verhindert wird, dass die Zunge den Atemweg im Schlaf blockiert”, beschreibt die Zahnärztin. Diese Maßnahme lässt sich ohne bekanntes Risiko anwenden, auch wenn morgens der Kiefer etwas weh tun und sich steif anfühlen kann.

Gegen Schnarchen helfen auch chirurgische Eingriffe

Gegen Schnarchen oder eine Apnoe helfen bisweilen auch chirurgische Eingriffe. Dabei kann man am Gaumen, der Nase oder dem Zungengrund operieren, das Zäpfchen kürzen oder die Mandeln herausnehmen. Doch anstatt sich beispielsweise den Gaumen beschneiden zu lassen, kann man durch das Erhitzen von Gewebe auch gezielt Wunden im Gaumensegel setzen lassen.

„Das Gewebe vernarbt dann und zieht sich zusammen, wodurch der Gaumen angehoben werden soll”, erläutert Volker Schilling, HNO-Facharzt aus Berlin. Die chirurgischen Verfahren sind vielfältig, ein Erfolg ist aber längst nicht immer gegeben.