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Berlin/Augsburg: Lästig, aber nützlich: Zahnspangen müssen leider sein

Berlin/Augsburg : Lästig, aber nützlich: Zahnspangen müssen leider sein

Das Szenario ist aus vielen Teenagerkomödien bekannt: Ein Junge und ein Mädchen tanzen auf einer Party. Eng umschlungen beginnen sie, sich zu küssen und - zack - verhaken sich die Zahnspangen der beiden ineinander.

Ganz so schlimm wie in Hollywood kommt es im wirklichen Leben zwar meistens nicht. Aber Peinlichkeiten rund um die Zahnspange sind für viele Jungen und Mädchen eine Horrorvorstellung. In Deutschland tragen immerhin fast zwei Drittel von ihnen eine Klammer.

Auch Thomas aus Berlin hat eine Spange. Ein Knutsch-Fiasko hat der 17-Jährige zum Glück noch nicht erlebt. „Man küsst ja nicht so aggressiv, und wenn die Freundin keine Klammer hat, fällt es eh nicht weiter auf”, sagt der Schüler. Das Küssen ist aber meist auch das geringste Problem, wenn ein Jugendlicher erfährt, dass er für die nächsten Jahre eine Zahnspange tragen muss. Denn man muss ja erst einmal jemanden zum Küssen finden.

Der Horror und ziemlich peinlich ist vor allem die Außenspange, bei der zwei Bögen aus dem Mund herausführen und den Kiefer von außen stützen. „Die wird in Deutschland heutzutage aber deutlich seltener eingesetzt als noch in den achtziger und neunziger Jahren”, sagt die Kieferorthopädin Brigitte Blum aus Augsburg. Auch Thomas blieb das erspart. Er trägt eine sogenannte Multibandapparatur - also eine feste Klammer, bei der anhand von so genannten Brackets - kleinen Plättchen - metallene Drähte auf den Zähnen befestigt werden.

Weil die beim Lächeln und Reden gut sichtbar sind, hätte Thomas natürlich noch lieber eine herausnehmbare Klammer gehabt. „Die wird aber nur eingesetzt, wenn die Zähne nicht so stark bewegt werden müssen”, erklärt Blum. Schließlich können lockere Spangen nicht so viel bewirken wie feste, die Tag und Nacht an den Zähnen ziehen. Doch heute trauert auch Thomas der lockeren Version nicht mehr hinterher: „Es hat eine Weile gedauert, aber jetzt komme ich mit meinen Schneeketten gut klar. Ich habe mich an sie gewöhnt.”

Wer mehr Probleme mit den festen Plättchen und Drähten hat, muss möglicherweise aber nicht mehr so leiden wie frühere Generationen. Denn mittlerweile gibt es Möglichkeiten, die festen Klammern ein wenig unauffälliger zu gestalten, sagt die Kieferorthopädin. „Man kann etwa die Klammer auf der Innenseite der Zähne befestigen oder sich für transparente Brackets entscheiden.”

Allerdings haben die durchsichtigen Modelle auch Nachteile: Die Ergebnisse für das Gebiss können mit solchen Brackets weniger präzise ausfallen, weil die Drahtbögen eher rutschen als in Edelstahlbrackets. „Außerdem können beim Ablösen der Brackets am Ende der Behandlung irreparable Schäden am Zahnschmelz entstehen”, erklärt Blum. Zudem verfärben sich Klammern aus anderem Material als Edelstahl - etwa aus Kunststoff - je nach Art der Speisen bisweilen. Und dann sehen sie wieder weniger unauffällig aus, als das eigentlich gewünscht war. „Um das zu verhindern, sollte man beispielsweise weniger Tee und Kaffee trinken.”

Die „unsichtbaren” Modelle sind außerdem teurer als die normalen: Die Kosten für die gängigen, sichtbaren Klammern werden bei Fehlstellungen der Zähne von der Krankenkasse übernommen. Für die Luxus-Variante fallen hingegen meist mehrere Hundert Euro auf eigene Rechnung an. Ein größeres Problem als das Geld ist für viele Jugendliche allerdings das Aussehen. So schlimm das ist: Da muss man durch.

„Wenn Fehlstellungen nicht korrigiert werden, können sie sich immer weiter verstärken”, warnt Blum. Da ist es der einzige Trost, dass auch andere in der misslichen Situation stecken. Je mehr Leidensgenossen ein Klammerträger hat, umso einfacher sei es für ihn, sagt die Psychologin Julia Scharnhorst aus Wedel bei Hamburg. Das hat auch Thomas gelernt.

Denn trotz anfänglicher Sorgen wurde er für seine Klammer noch nie ausgelacht. „Unter meinen Freunden tragen ja auch noch ein paar andere eine Zahnspange. Da falle ich gar nicht so auf.” Und die Mädchen stört die Klammer seiner Erfahrung nach auch nicht sehr. „Manche finden das sogar süß.” Und Thomas selbst findet: „Lieber mit 17 keine Freundin haben, als später wegen schiefer Zähne alleine zu sein.”