Krankmacher Matratze: Muss guter Schlaf teuer sein?

Krankmacher Matratze : Muss guter Schlaf teuer sein?

Der Kauf einer Matratze gleicht einer Wissenschaft. Frei von Schadstoffen soll sie sein, die Wirbelsäule entlasten und Rückenschmerzen vorbeugen. Welches Modell für den individuellen Körperbau tatsächlich gesundheitsförderlich ist, lässt sich pauschal nicht beantworten.

Auch unabhängige Tests sind kein Garant für eine sinnvolle Kaufentscheidung. Nicht selten findet im Rahmen der Produktbewertung kein Probeschlafen statt. Um künftig von erholsamem Schlaf zu profitieren, dürfen sich Verbraucher weder von Preisen noch von Werbeversprechen blenden lassen.

Universal oder individuell - markante Unterschiede beim Liegekomfort

Dass Matratzen nicht zwangsweise ein Vermögen kosten müssen, um gesunden Schlaf zu ermöglichen, hat in der Vergangenheit unter anderem die Stiftung Warentest verdeutlicht. Auf der Internetpräsenz der Verbraucherorganisation sind inzwischen Testergebnisse für über 300 Produkte hinterlegt. Getestet wurden Boxspringbetten, Taschenfederkernmatratzen, Kaltschaum- sowie Latexmatratzen.

Mehrere der mit guten Noten prämierten Produkte werden für unter 200 Euro verkauft, während teure Modelle nicht selten schlechte Bewertungen kassieren. Fest steht, dass sich Qualität nicht am Preis ablesen lässt. Je teurer, desto besser? Bei Matratzen ist diese Annahme keine Hilfe. Allerdings gilt dies auch umgekehrt. Nur, weil eine Matratze günstig ist und von unabhängigen Testern als gut befunden wurde, heißt das nicht, dass sie jedem einen ruhigen Schlaf beschert. Im Gegenteil: Ein Testsieger kann durchaus Rückenprobleme hervorrufen, wenn er nicht zum individuellen Bedarf passt.

Das große Angebot erschwert die Kaufentscheidung zusätzlich. Nicht nur der stationäre Fachhandel wartet mit Matratzen in unterschiedlichsten Ausführungen von diversen Herstellern auf, sondern auch das Internet. Längst können Verbraucher online Qualitätsmatratzen, beispielsweise hier, kaufen und zuhause probeschlafen. Teilweise über Monate mit Geld-zurück-Garantie, sodass inzwischen auch der Onlinekauf eine überaus attraktive Lösung sein kann. Vorausgesetzt es landet am Ende das richtige Modell im Warenkorb, das den Anforderungen des Körperbaus entspricht.

Großer Beliebtheit erfreuen sich Einheitsmatratzen, die vorwiegend im E-Commerce stark beworben werden und den Einkauf zu vereinfachen. Keine komplizierte Ermittlung von körperlichen Ansprüchen, kein langes Recherchieren, kaum Zeitaufwand. Stattdessen ein beschleunigtes Shopping-Erlebnis mit angeblicher Erfolgsgarantie. Das Werbeversprechen, wonach es die eine Matratze für alle gibt, ist durchaus Kritik wert. Schließlich hängt der Liegekomfort für jeden Einzelnen von zahlreichen Faktoren ab.

Unter anderem sind Körpergewicht und Körperbau sowie Punktelastizität, Härtegrad und Feuchtigkeitsregulierung wesentliche Punkte. Bei einem Gewicht zwischen rund 45 und 150 Kilogramm können Universalmatratzen eine günstige Alternative sein. Allerdings spielt auch die Körperform eine elementare Rolle. Hierbei wird zwischen folgenden Figur-Typen unterschieden:

  • A - Bei dieser Figur sind Taille und Brustbereich eher schmal, Hüften und Oberschenkel hingegen kräftiger. Der Figurtyp wird gern als Birnenform bezeichnet.
  • I - Gerader Körperbau, gleichförmige Statur. Taille, Hüfte und Schultern sind fast gleich breit sowie relativ schmal.
  • O - Rundliche Figur mit Schwerpunkt in der Körpermitte, der Bauch ist ausgeprägt, das Gesäß eher flach.
  • V - Diese Figur ist von einem breiten Oberkörper und kräftigen Rücken geprägt. Die Hüfte ist hingegen schmal, der Po flach.
  • X - Trifft größtenteils auf Frauen zu. Eine schmale Taille geht hier mit Schultern sowie Hüften einher, die jeweils etwa gleich breit sind.

Verbraucher mit Körpertyp A und I können mit Einheitsmatratzen viel Geld sparen. Diese Körperformen sind mit universalen Matratzen vergleichsweise gut vereinbar. Menschen mit Rückenbeschwerden und diejenigen, die einen anderen Körpertyp aufweisen, sollten der Matratzenauswahl mehr Aufmerksamkeit schenken. Im Zweifelsfall helfen unabhängige Schlafberater bedarfsgerechte Schlafunterlagen zu ermitteln und sich im Produktdschungel zurecht zu finden.

Die Vor- und Nachteile der Matratzentypen

Latex, Federkern oder Schaum? Die Beantwortung dieser Frage allein, erfordert Zeit und Geduld. Schließlich weist jeder Matratzentyp Vor- und Nachteilen auf. Latexmatratzen überzeugen mit einem angenehmen Liegegefühl. Sie sind weich, haltbar und bieten eine gute Wärmeisolation. Fröstler sind damit gut beraten. Reine Produkte aus Latex sind allerdings teuer. Federkernmatratzen sind für einen guten Feuchtigkeitstransport bekannt. Das macht sie für Menschen, die gern schnell und viel schwitzen interessant. Die integrierten Stahlfedern bieten eine gute Punktelastizität, wobei Taschenfedernkern dahingehend den einfachen Bonnellfederkern-Modellen überlegen ist.

Besonders einfache Modelle sind womöglich nahezu nicht punktelastisch, wodurch mit problematischen Einsinktiefen zu rechnen ist. Tonnentaschenfederkernmatratzen versprechen den höchsten Liege- und Schlafkomfort. Menschen, die schnell frieren, sollten von Federkern Abstand nehmen. Darüber hinaus sind Federkernmatratzen relativ schwer.

Kaltschaummatratzen werden aus Polyurethan-Schaumstoff in diversen Härten hergestellt. Sie schwingen kaum nach, sind langlebig und punktelastisch. Im Vergleich zu Latex ist Kaltschaum wesentlich leichter, was das Wenden von Matratzen bequem macht. Passt das Modell zum Körpertyp, ist hoher Schlafkomfort möglich.

Für starke Schwitzer ist Kaltschaum weniger geeignet. Personen, die gerne hart liegen, müssen die Auswahl sorgfältig vornehmen, da viele Kaltschaummatratzen potenziell weicher sind als von Herstellern angegeben. Viskoschaummatratzen passen sich dem Körper durch den sogenannten Memory-Effekt optimal an. Bei Druck gibt das Material punktgenau nach. So können stärker ausgeprägte Körperstellen rückenfreundlich in die Matratze einsinken. Für Viskoschaum müssen Verbraucher mit höheren Anschaffungskosten rechnen.

Vorsicht geboten ist bei "Komfortschaummatratzen", da es sich hierbei größtenteils um einfachsten Standardschaum handelt. "Die beim Schäumen zur Härtung zugeführte Wärme führt zu unterschiedlich großen Luft­bläschen. Dadurch entsteht ungleich­mäßige Struktur und Festig­keit", erklärt die Stiftung Warentest online im Matratzen-Test 2019. Derartige Matratzen seien zwar billig und leicht, bieten aber wenig Komfort und sind kaum elastisch.

Ergänzende Tipps zum Matratzenkauf hat eine Betten-Fachhändlerin in der SWR-Sendung Kaffee oder Tee zusammengefasst, welche sich der ARD Mediathek entnehmen lassen. Dabei geht die Experten auf die Besonderheiten von Rücken- und Seitenschläfern ein.

(vo)
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