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Berlin: Krank nach misslungenem Piercing: Kostenbeteiligung für Versicherte

Berlin : Krank nach misslungenem Piercing: Kostenbeteiligung für Versicherte

Wenn eine medizinisch nicht nötige Schönheitsoperation, eine Tätowierung oder ein Piercing misslingt, sollen Versicherte künftig an den Krankheitskosten beteiligt werden können.

Mit der Pflegereform hat der Bundestag am Freitag auch eine umstrittene Verpflichtung der Ärzte zur Meldung solcher Krankheitsursachen auf den Weg gebracht. Die Krankenkassen bekommen dann das Recht, Versicherte an den Kosten zu beteiligen.

Ärzte und Krankenhäuser sollen den gesetzlichen Kassen entsprechende Daten übermitteln. Der Versicherte soll darüber informiert werden, damit er gegebenenfalls gegen eine Leistungskürzung vorgehen kann. Die Regelung, die in der Sache nichts mit der Pflegereform zu tun hat, dient als weitere Umsetzung der bereits 2007 in Kraft getretenen Gesundheitsreform.

Die Gesundheitsexperten von FDP und Grünen, Daniel Bahr und Birgitt Bender, kritisierten den Passus als „Petz-Paragrafen”. Bahr nannte ihn einen „Angriff auf die ärztliche Schweigepflicht”.

Die Ärzteorganisation NAV-Virchow-Bund kritisierte, wenn behandelnde Ärzte missglückte Schönheitsoperationen oder Piercings melden müssten, sei das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient gefährdet. Sie warnte davor, dass die Ärzte bald nur noch die irreparablen Spätfolgen von Erkrankungen behandeln würden. Das sei ethisch und wirtschaftlich unverantwortlich.