1. Leben
  2. Gesundheit

Wiesbaden/Bochum: Kleine Flieger mit großer Wirkung: Pollenallergien ernst nehmen

Wiesbaden/Bochum : Kleine Flieger mit großer Wirkung: Pollenallergien ernst nehmen

Immer früher im Jahr heißt es für Allergiker: Nicht zu tief durchatmen! Schon im Januar flogen in Deutschland die ersten Pollen, im Februar wird es nun richtig anstrengend.

Die Nase läuft, die Augen brennen, der Kopf dröhnt. Dabei handelt es sich nicht um Kleinigkeiten, meint Prof. Ludger Klimek, Leiter des Allergiezentrums Wiesbaden. „Bei Heuschnupfen, sind die Schleimhäute entzündet, und jede Entzündung richtet Schäden an.”

Ab Januar/Februar blühen die Frühblüher wie Birke, Erle, Hasel oder Buche. „Im Juni, Juli und August fliegen dann die Gräserpollen”, erklärt Gerhard Schultze-Werninghaus, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) aus Bochum. Jeder dritte Deutsche reagiert allergisch auf Pollen. „Sie haben ein zu starkes Immunsystem, das sich gegen die eigentlich harmlosen Fremdkörper wehrt”, erklärt Schultze-Werninghaus.

Die Folgen sind Niesreiz, Fließschnupfen und Augenbrennen. Diese Symptome dürfen nicht einfach ignoriert werden: „Viele Patienten denken, drei Wochen halten sie die laufende Nase schon aus”, erklärt Klimek. Aber wer die Entzündung nicht behandelt, riskiere, dass sie die Nasen- und Lungenschleimhäute schädigt. „Egal für welche Therapie man sich entscheidet, man sollte auf jeden Fall etwas tun”, so der HNO-Arzt aus Wiesbaden.

Für die Entzündungen ist das körpereigene Hormon Histamin verantwortlich. „Um dessen Wirkung zu unterdrücken, können Antihistaminika eingenommen werden”, erklärt Schultze-Werninghaus. Es gibt verschiedene Präparate, daher sollte man sich in jedem Fall von einem Allergologen beraten lassen. Einige Antihistaminika machten früher meist sehr müde. „Inzwischen gibt es neuere Produkte, die nicht mehr so ermüdend wirken”, sagt Schultze-Werninghaus.

Des weiteren gibt es Sprays und Tropfen mit und ohne Kortison, die eine antientzündliche Wirkung auf die Schleimhäute haben. „Auch Spülungen der Nase mit Meersalzlösungen können helfen”, meint Klimek. Selbst eine einfache Augenspülung mit klarem Wasser wasche die Pollen aus und lindere schon die Augenreizung, fügt Schultze-Werninghaus hinzu. Die Kosten für Antihistaminika übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen allerdings nicht. „Sprays und Immuntherapien werden normalerweise übernommen”, sagt Prof. Klimek.

Immuntherapien versprechen eine Desensibilisierung auf den allergieauslösenden Stoff. Im Laufe solch einer Behandlung lernt das Immunsystem, künftig angemessen und nicht mehr zu heftig auf die Pollen zu reagieren. Wie bei einer Impfung wird der Körper schonend mit langsam ansteigenden Mengen des Pollenstoffs konfrontiert. „Die regulierenden Zellen werden so immer stabiler, und das Immunsystem lernt, dass keine Abwehrreaktion nötig ist”, erläutert Klimek.

Solche Desensibilisierungen dauerten früher mehrere Monate. „Die Substanzen sind inzwischen besser gereinigt”, erklärt Ludger Klimek. „Heutzutage können drei bis vier Behandlungstage in wöchentlichem Abstand bereits ausreichen.” Mehr als 80 Prozent solcher Desensibilisierungen verlaufen erfolgreich. „Gerade bei Kindern, bei denen jedes zweite nach dem Heuschnupfen auch Asthma bekommen kann, verhindern solche Therapien Schlimmeres”, so Klimek.

Wer auf homöopathische Mittel vertraut, dem empfiehlt der Heilpraktiker Herbert Ilsenstein aus Bremen Aralia-Tropfen aus der Apotheke: „15 bis 20 Tropfen alle vier Stunden langsam auf der Zunge zergehen lassen, und schon eine Stunde nach der ersten Einnahme kann Linderung eintreten.” Außerdem könne man sich antiallergische Tees zusammenstellen lassen. Ilsenstein empfiehlt, sich über die Heilpraktiker-Verbände einen Homöopathen mit Schwerpunkt Allergien empfehlen zu lassen.

Ebenso kann laut Ilsenstein Akupunktur die Symptome lindern. Auch hier wissen die Verbände, welche Heilpraktiker Akupunktur-Sitzungen anbieten. Doch schon das richtige Verhalten im Alltag lindert bisweilen die Entzündungen. „Eine Sonnenbrille kann die Augen vor Pollen schützen”, so Ilsenstein. Beim Sport atmet man die Pollen besonders tief ein. „Daher sollte man diesen in den kritischen Monaten auf die Abend- oder Morgenstunden legen”, rät Klimek.

Wenn möglich, solle man die Urlaubsplanung danach ausrichten, wann die relevanten Pollen fliegen. „Fahren Sie in Regionen, in denen nicht so viele Blütenpollen unterwegs sind - beispielsweise ins Hochgebirge, an den Atlantik oder die Nordsee”, empfiehlt Klimek. Stoßlüftungen seien besser als das Fenster ständig gekippt zu haben. Wenn man von draußen kommt, solle man die Kleider wechseln, um weniger Pollen in die Wohnung zu bringen. „Und wer die Haare vor dem Zubettgehen wäscht, atmet nachts weniger Pollen ein”, sagt Klimek.