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Washington: Kleine Finger fühlen besser

Washington : Kleine Finger fühlen besser

Je kleiner die Finger, desto besser der Tastsinn - zu dieser Erkenntnis sind US-Forscher gekommen.

Seit langem war bekannt, dass Frauen einen feineren Tastsinn besitzen als Männer. Auf der Suche nach dem Warum kamen die Wissenschaftler nun zu einer überraschend einfachen Erklärung: Nicht das Geschlecht ist ausschlaggebend, sondern die Anzahl der Nervenzellen pro Fläche - und die ist bei kleineren Händen höher als bei großen.

In weiterführenden Studien wollen die Forscher nun untersuchen, ob sich der Tastsinn von Kindern verschlechtert, wenn sie älter werden und ihre Hände wachsen, und ob sich die Anzahl der Nervenzellen verändert. Daniel Goldreich von der Universität von Ontario und seine Kollegen berichten von ihren Ergebnissen im Fachmagazin „Journal of Neuroscience” (Bd. 29, Nr. 50).

Die Wissenschaftler maßen zunächst die Größe der Fingerkuppen von je 50 Frauen und Männern im Alter von 18 bis 27 Jahren. Dann berührten sie die Fingerspitzen der Probanden mit geriffelten Kunststoffscheibchen. In mehreren Durchgängen verringerten die Forscher dabei nach und nach die Abstände zwischen den Rillen auf der Kunststoffoberfläche - ähnlich wie bei den kleiner werdenden Buchstaben auf den Sehtafeln beim Augenarzt.

Es stellte sich heraus, dass Teilnehmer mit kleineren Fingerkuppen auch noch sehr eng nebeneinanderstehende Rillen fühlen können. Probanden mit großen Händen waren zu dieser Differenzierung nicht in der Lage. Ein Mann kann also einen feineren Tastsinn als eine Frau haben - vorausgesetzt, er hat die kleineren Hände.

Die Forscher vermuteten, dass eine größere Anzahl von Nervenzellen pro Fläche zu der höheren Sensitivität führt - ähnlich wie bei einem Foto eine größere Zahl an Bildpunkten pro Fläche für ein schärferes Bild sorgt. Für das Erfassen von länger anhaltendem Druck auf die Hautoberfläche, wie ihn die Forscher in ihrem Versuch ausgeübt hatten, sind die sogenannten Merkelzellen zuständig. Da diese um die deutlich größeren Schweißdrüsen angeordnet sind, konnten sich die Wissenschaftler die Arbeit erleichtern, indem sie die Zahl der Schweißdrüsen pro Flächeneinheit ermittelten und den Abstand der Drüsen zueinander maßen.

Das Ergebnis: Bei Personen mit kleinen Fingern sitzen die Schweißporen dichter nebeneinander. Pro Flächeneinheit besitzen sie also mehr Schweißdrüsen und damit auch mehr Merkelzellen. In früheren Studien hatte es Hinweise darauf gegeben, dass Menschen im gleichen Alter unabhängig von der Größe ihrer Fingerkuppen die gleiche Anzahl an Sensoren besitzen - allerdings handelte es sich dabei um Sensoren für Vibrationen.

„Unsere Ergebnisse lassen nun darauf schließen, dass der Zusammenhang von Fingergröße und Rezeptorverteilung auch auf die Merkelzellen zutrifft”, erklärt Goldreich. In folgenden Studien wollen die Forscher deshalb untersuchen, ob sich der Tastsinn verändert, wenn die Finger bei Kindern wachsen und damit die Abstände zwischen den Rezeptoren größer werden.