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Berlin: Kampf gegen Übergewicht: Regierung will Bürger in Form bringen

Berlin : Kampf gegen Übergewicht: Regierung will Bürger in Form bringen

Die Bundesregierung will den Kampf gegen Übergewicht verschärfen und die Bürger mit einem Bündel von Maßnahmen in Form bringen. „In Deutschland soll ein Umfeld geschaffen werden, in dem ausgewogene Ernährung und ausreichende Bewegung in allen Lebensbereichen fest verankert sind”, heißt es in einem Entwurf für den Aktionsplan Ernährung, der der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin vorliegt.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) planen Kampagnen für mehr Aufklärung, besseres Kantinen-Essen, mehr Sport, stärkere Forschung und mehr Vorsorge durch das Präventionsgesetz, das auf Eis liegt. „Bis zum Jahre 2020 sollen sichtbare Ergebnisse erzielt werden”, heißt es in dem Papier mit dem Titel „Deutschland in Form”.

Zwei Drittel der Männer und rund die Hälfte der Frauen zwischen 18 und 80 Jahren in Deutschland gelten als zu dick. Bei Kindern und Jugendlichen sind es 15 Prozent, die übergewichtig oder fettleibig sind. Das Übergewicht nimmt mit dem Alter zu und ist stark von der sozialen Schicht abhängig, ergab die „Verzehrstudie” im Januar. Mehr als ein Drittel der Bundesbürger treibt keinerlei Sport. Mit Ländern und Kommunen sollen deshalb Kindergärten, Schulen und Betriebe, aber auch Zuwanderer, Familien und Senioren gezielt angesprochen werden. Das Ziel ist auch, Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) zu vermeiden.

Schmidt und Seehofer schlagen Zuschüsse zur Schulverpflegung über Bons vor. Die Förderung von Schulmilch soll ausgeweitet werden, ein Schulobstprogramm ist in Planung. Qualitätsstandards soll es neben Schulen und Betriebskantinen bis 2010 auch für Kitas, Seniorenheime und Krankenhäuser geben. Mit der Wirtschaft sind Gespräche über einen Verzicht auf Werbung mit Blick auf Kindern unter zwölf Jahren vorgesehen. Mit der Computerspielindustrie soll über Spiele gesprochen werden, die Bewegung fördern. Die Bundesbürger sollen zudem öfter zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sein. Gesundheits- und Verbraucherministerium haben bis 2010 zunächst zehn Millionen Euro pro Jahr für den Aktionsplan vorgesehen.

Der FDP-Verbraucherpolitiker Hans-Michael Goldmann kritisierte: „Die Bundesminister Seehofer und Schmidt konnten die großen Erwartungen nicht erfüllen.” Das Präventionsgesetz sei strittig, vom Schulfach Ernährung sei keine Rede mehr, und auf Schulverpflegung solle weiterhin grundsätzlich Umsatzsteuer erhoben werden.

Seehofer plant auch eine freiwillige Kennzeichnung von Fett, Kalorien, Zucker und Salz auf Verpackungen. Die Angaben sollen farblich unterlegt werden. Eine Ampel-Kennzeichnung wie in Großbritannien mit Rot, Gelb und Grün lehnt er jedoch ab. Das Bundeskabinett hatte vor einem Jahr grünes Licht für den Aktionsplan gegeben.