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Judo, Yoga, Kampfkunst: Sportvereine wollen mehr Frauen anlocken

Judo, Yoga, Kampfkunst: Sportvereine wollen mehr Frauen anlocken

Berlin. Qi Gong und Taekwondo, Judo und Yoga, Kampfkunst und Selbstverteidigung - statt stickiger Umkleidekabinen und Vereinsmeierei wollen die deutschen Sportvereine in den kommenden Wochen verstärkt ihre schicke Seite zeigen.

Das Ziel: Hunderttausende Mädchen und Frauen sollen neu angelockt werden. Der teils dürftige Frauenanteil soll vergrößert werden.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und die Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes, Ilse Ridder- Melchers, starten dazu an diesem Donnerstag in Berlin gemeinsam mit Prominenz aus Showbusiness und Sport die Frauensportwochen 2008. Frauen und Mädchen finden bis zur Sommerpause bei den Vereinen vor ihrer Haustür bundesweit kostenlose Angebote in jeweils mehreren Sportarten.

„Wir wollen mehr Mädchen und Frauen zum Sport, zur Bewegung, zur Gesundheit animieren”, sagt Ridder-Melchers. So seien etwa bei den jungen Erwachsenen heute nur 22 Prozent der Frauen im Sportverein, aber immerhin 39 Prozent der Männer. Bei den Über-60-Jährigen sind es sogar nur 12 Prozent der Frauen, aber 25 Prozent der Männer.

„Wir bekommen erst nach und nach ein Bewusstsein dafür, dass auch die Über-60-Jährigen viel aktiver sind als früher und Sport treiben”, sagt Schmidt. Im Angebot haben die Vereine neben Traditionssportarten viel Fernöstliches und Wellnessprogramme.

Die Ministerin selbst, 58 Jahre alt, meint: „Heute wäre ich eigentlich im Golf-Alter, aber das ist nicht mein Ding.” Stattdessen schwimmt die bei Verhandlungspartnern als besonders ausdauernd gefürchtete Schmidt regelmäßig und ist reichlich zu Fuß unterwegs - auch aus Gründen der geistigen Fitness, wie sie sagt.

„Ich muss ja von morgens, wenn ich ins Ministerium komme, bis abends spät hochkonzentriert sein. Wenn jemand etwas sagt oder fragt, kann ich ja nicht sagen: "Entschuldigung, ich habe gerade nicht zugehört."” Bewegung helfe auch gegen Bürostress.

„Eigentlich tun die Frauen mehr für die Gesundheit als Männer”, sagt Schmidt zwar. Etwa was Zurückhaltung bei Zigaretten und Alkohol oder was gesunde Ernährung anbelangt. Auch joggen viele. Die Sportwochen zielen vor allem aus sozialen Gründen auf Frauen ab, für die Vereine heute unbekanntes Terrain sind - und die über diese Schiene somit auch nicht zu neuen Freundschaften und mehr sozialer Einbindung kommen.

„Wir wollen vor allem die Frauen und Mädchen ansprechen, die nicht von sich aus bereit sind, in den Verein zu gehen”, sagt Schmidt. „Wir haben eine große Masse von Frauen, die überhaupt nicht erreicht werden.”

Gezielt soll zum Beispiel um Migrantinnen geworben werden. Der Sportbund räumt ein, dass auch die Vereine stärker gefordert sind angesichts vieler Frauen, die vielfältigem Druck ausgesetzt sind. „Berufstätige Frauen, jünge Mütter - da müssen unsere Vereine noch flexibler werden”, sagt Ridder-Melchers.

Zum Start der Sportwochen an historischem Ort in Berlin, dem Poststadion aus den 20er Jahren, haben sich für diesen Donnerstag prominente Fürsprecherinnen angesagt. Dabeisein wollen außer der Schauspielerin Jeanette Biedermann die Kanu-Weltmeisterin Fanny Fischer, Eisschnellläuferin Monique Garbrecht-Enfeldt, Handballnationalspielerin Ania Rösler und Schwimm-Weltmeisterin Sandra Völker.