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Frankfurt/Main: Jede Minute zählt: Beim Schlaganfall ist schnelle Hilfe wichtig

Frankfurt/Main : Jede Minute zählt: Beim Schlaganfall ist schnelle Hilfe wichtig

Schnelles Handeln ist beim Schlaganfall überlebenswichtig: Fast 200 000 Menschen erleiden jährlich diesen Teilausfall des Gehirns, der durch Blutgerinnsel oder seltener durch geplatzte Adern im Kopf verursacht wird. Ohne rechtzeitige Behandlung drohen schwerwiegende Folgen. Doch so oder so ist ein Schlaganfall ein herber Einschnitt ins Leben.

Ein taubes Gefühl in der Hand und verschwommenes Sehen sind häufig die ersten Anzeichen. „Wenn solche Ausfallerscheinungen ganz plötzlich und schmerzfrei auftreten, ist rasches Handeln gefragt”, sagt Prof. Christian Gerloff, Neurologe am Universitätsklinikum in Hamburg-Eppendorf.

Ob Taubheits- oder Lähmungsgefühle, Seh- oder Sprachstörungen: „Solche spontan auftretenden Symptome sollten sehr ernst genommen werden, auch wenn sie nur wenige Minuten dauern und danach in Gänze verschwinden.”

Gerade die Vorboten eines Schlaganfalls mit nur kurzen Wahrnehmungsveränderungen werden von vielen Betroffenen nicht mit der nötigen Vorsicht behandelt. Eine sogenannte TIA (Transitorisch Ischämische Attacke) gleicht den Symptomen eines Schlaganfalls, bildet sich aber wieder vollständig zurück.

Das kurze Taubheitsgefühl in der Hand, das Sehen von Doppelbildern, ein plötzlich auftretender starker Schwindel wird so als Kreislaufschwäche fehlinterpretiert. „Wer das relativiert ohne sich genau untersuchen zu lassen, betreibt Selbstmord auf Raten”, warnt Gerloff. Denn mehr als ein Drittel der Patienten mit TIA, die sich nicht behandeln lassen, erleiden in der Zukunft einen Schlaganfall.

Ob ein Vorbote oder bereits ein Schlaganfall vorliegt, kann nur in einer Klinik geklärt werden. Am besten in einer der 180 zertifizierten „Stroke-Units”, Spezialstationen für Schlaganfallpatienten. „Die Behandlung in einer Stroke Unit ermöglicht eine intensive Behandlung mit besonders guten Gesundungseffekten”, weiß Gerloff.

Zunächst wird per Computertomogramm oder Kernspinuntersuchung der Schlaganfall diagnostiziert. Ergänzend mit Laborkontrollen, neurologischen und internistischen Untersuchungen und einem EKG entsteht hier in kürzester Zeit ein genaues diagnostisches Bild.

„Die Zeit von der Kliniktür bis zur Therapieentscheidung sollte bei Patienten mit frischen Schlaganfällen, also weniger als sechs Stunden nach Symptombeginn, nie über 60 Minuten liegen”, so Lübbo Roewer, Sprecher der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe in Gütersloh.

Im Notfall müssen Betroffene und Angehörige deshalb sofort die 112 wählen. „Jede Minute zählt”, so Roewer. „Ist der Krankenwagen da, sollten Betroffene auf jeden Fall darauf bestehen, in eine Klinik mit Stroke Unit eingewiesen werden”, empfiehlt Prof. Gerloff. Existiert kein solches Krankenhaus im Umkreis von etwa 30 Minuten Transportzeit, dann sollte ein Krankenhaus mit intensivmedizinischen Überwachungsmöglichkeiten und Schlaganfall-Expertise angefahren werden.

Wer Zeuge eines Schlaganfalls wird, sollte nach dem sofortigen Alarmieren des Notdienstes auf jeden Fall den Zeitpunkt des Anfalls notieren, rät Roland Veltkamp, Oberarzt an der Neurologischen Universitätsklinik in Heidelberg. „Wenn wir um den genauen Beginn des Anfalls wissen, können wir optimal behandeln.”

Auch wenn der Betroffene jetzt Hunger verspürt, sollte er nichts mehr essen, um für eine eventuelle Operation nüchtern zu bleiben. Bei einer Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit sollten Angehörige den Puls fühlen und - wenn möglich - den Betroffenen in die stabile Seitenlage bringen.

„Zeit ist Gehirn”, appelliert Prof. Gerloff. „Bereits wenige Stunden nach einem Schlaganfall sind die betroffenen Teile des Gehirns abgestorben, nach sieben oder mehr Stunden sind wichtige Therapiemaßnahmen nicht mehr ausreichend effektiv.”

Rund 80 Prozent der Schlaganfälle resultieren aus einer verstopften Schlagader. Es kommt zu einer verminderten Durchblutung in den betroffenen Gehirn-Regionen, die zum Ausfall der Funktionen führt. „Je schneller jetzt medizinische Hilfe kommt, desto größer die Chance, keine Folgeschäden zu erleiden”, so auch der Heidelberger Oberarzt Veltkamp.

Wer einen Schlaganfall erlitten hat, sollte danach besonders viel für die Gesundheit tun. „Bei einer Umstellung des Lebensstils und guter medizinischer Versorgung lässt sich das Risiko eines weiteren Schlaganfalls stark reduzieren”, sagt Veltkamp.