Meckenheim: Jede dritte Hebamme muss ihren Beruf aufgeben

Meckenheim: Jede dritte Hebamme muss ihren Beruf aufgeben

Jede dritte freiberufliche Hebamme in Nordrhein-Westfalen muss wahrscheinlich ihren Beruf aufgeben. Grund sei die Erhöhung der Beiträge für die Haftpflichtversicherung um fast 50 Prozent, sagt die Vorsitzende des Landesverbandes der Hebammen Nordrhein-Westfalen, Angelika Josten (Meckenheim).

„Die freie Praxis ist so nicht haltbar.” Zwar hätten einige Krankenhäuser angekündigt, die erhöhten Beiträge für die Hebammen zu zahlen. Auf Dauer sei das jedoch keine Lösung, weil die Häuser das finanziell nicht lange stemmen könnten, sagte Josten.

Um ihre berufliche Zukunft zu retten, wurden in den vergangenen Monaten zahlreiche freie Hebammen und Beleghebammen politisch aktiv. „In allen Bundesländern wurden im Sommer Mahnwachen abgehalten”, berichtete die Verbandsvorsitzende. „Bereits im Frühjahr unterschrieben über 180.000 Leute eine Petition.” Die Politiker hätten darauf jedoch noch immer nicht reagiert. Unter den Geburtshelferinnen herrsche deshalb große Unsicherheit, weil sie nicht wüssten, wie es zukünftig weiterginge.

Am Donnerstag dieser Woche soll eine Mahnwache in Berlin stattfinden: „Wir kommen derzeit nicht vor und nicht zurück. Wir treten auf der Stelle. Seitens der Politik ist einfach noch nichts gemacht worden”, beklagte Josten. Während der Aktion in Berlin wollen die Hebammen das Gespräch mit den Politikern suchen. „Es muss endlich etwas passieren”, forderte die Verbandsvertreterin.

Das Problem, dass freie Hebammen ­und Beleghebammen ­für ihre Arbeit zu niedrige Löhne erhielten, sei nicht neu: „Wir wurden schon immer schlecht bezahlt”, meint Josten. „Erst seit 125 Jahren gibt es eigene Hebammenverbände,­ und selbst das scheint unsere finanzielle Situation nicht wirklich zu verbessern, wie das jüngste Beispiel zeigt.”