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Berlin: Jazz und Pop in der Hausapotheke

Berlin : Jazz und Pop in der Hausapotheke

Dass Musik einen positiven Einfluss auf Körper und Geist haben kann, ist eine uralte Erfahrung. Schon vor langer Zeit sangen Mütter ihre Kinder in den Schlaf, trällerten Seemänner Lieder und konnten Heimweh und harte Arbeit so besser bewältigen. „Musik kann heilen”, sagt Petra Jürgens, Leiterin des Instituts für Musiktherapie Berlin-Zehlendorf.

So ist ein geschulter Musiktherapeut in der Lage, mit Musik eine ganze Reihe von Krankheiten zu heilen oder zumindest zu lindern. Aber auch Alltagsbeschwerden wie Stress oder innere Unruhe lassen sich mit Musik therapieren, und das mit wenig Aufwand im heimischen Wohnzimmer. „Alles, was man braucht, ist ein CD-Spieler”, sagt Jürgens. Und die Bereitschaft, sich wirklich Zeit zu nehmen und auf eine Ruhepause einzulassen. Einfach die CD reinschieben und nebenbei abwaschen oder aufräumen, das funktioniere nicht.

Eine bestimmte musikalische Hausapotheke, zum Beispiel mit der kleinen Nachtmusik von Mozart und dem Ave Maria von Bach, kann die Musikwissenschaftlerin nicht empfehlen. Der eine entspanne bei Klassik und Jazz, der andere bei Pop-Musik am besten. Zum anderen hängt die Musikwahl auch von der Stimmungslage sowie von Erwartungen, Geschmack, einer gewissen Sensibilität und allgemeinen Hörgewohnheiten ab.

Man sollte also einfach ausprobieren, zu welchen Songs aus dem CD-Regal man in welcher Situation einen guten Zugang hat. Allerdings rät die Expertin zu rein instrumentaler Musik ohne Gesang beziehungsweise Text. Dieser zieht zu viel Aufmerksamkeit auf sich, was das Entspannen zusätzlich erschwert. Darüber hinaus ist es wichtig, dass man das Entspannen als aktives Besinnen auf sich selbst begreift und nicht als passives Konsumieren von Klängen.

„Entspannung ist nicht Besinnungslosigkeit”, betont Jürgens. Musik sei wie der Alltag des Menschen von Polarität geprägt. Um ein Gleichgewicht herzustellen, muss auf Dissonanz auch immer Harmonie folgen, sollten Hektik und Lärm stets Stille und Meditation gegenüberstehen. „Entspannungstraining mit Musik ist Achtsamkeitsmeditation”, sagt Jürgens, also ein bewusstes Hören und ein aktives Anhalten, Atemholen und Genießen.

Dieser Zustand kommt in der Regel nicht auf Knopfdruck, sondern muss erarbeitet werden, am besten in regelmäßigen Trainings. Denn es bedarf spezieller Techniken und je öfter man übt, desto schneller kann man nach einem anstrengenden Arbeitstag jenes Gleichgewicht aus Dissonanz und Harmonie wiederherstellen. Jürgens zufolge machen von dieser Möglichkeit, ganz gleich ob mit Musik, Yoga oder Sport, in der heutigen Zeit viel zu wenige Menschen Gebrauch. „Dabei hat jeder Entspannungsbedarf”, betont die Lehrmusiktherapeutin.