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Berlin: Hula-Hoop: Schlankmacher aus der Zeit des Wirtschaftswunders

Berlin : Hula-Hoop: Schlankmacher aus der Zeit des Wirtschaftswunders

Einen Hula-Hoop-Reifen haben die meisten Mädchen schon mal besessen. Die oft rosa-weiß-gestreiften Plastikreifen ließ man ganze Nachmittage lang um die Hüften kreisen. Als das Kinderspiel zu albern wurde, blätterte so manche der jungen Damen nachmittags allerdings lieber in bunten Zeitschriften, aß nebenher Kekse - und wurde dabei moppelig um die Hüften.

Und genau diesen Moppelhüften sagen nun Mädchen - und auch Jungs - abermals mit Hula-Hoop (Hula = hawaiianischer Tanz, hoop = engl. Reifen) den Kampf an.

Balazs Ari, Hula-Hoop-Trainer bei „HoopLaBerlin”, ist vom sportlichen Effekt des Reifenrotierens überzeugt: „Ich selbst habe einfach mal damit angefangen, um in Bewegung zu kommen. Schon nach ein paar Minuten habe ich an allen möglichen Stellen meine Muskeln gespürt”, berichtet Ari, der die Hula-Hoop-Schule in Berlin vor drei Jahren gemeinsam mit seiner Partnerin Rachel Catton gründete.

Regelmäßiges Training forme die Muskeln, vor allem an den Beinen, am Po, am Bauch und am Rücken. „Durch die Berührung des Reifens werden außerdem die inneren Organe massiert. Und noch dazu ist Hula-Hoop ganz schön anstrengend”, sagt Ari. Noch heute komme er bei jedem Training ins Schwitzen.

Bevor man mit dem swingenden Training loslegt, muss man den passenden Reifen finden. Man hat die Auswahl zwischen schweren Fitness-Reifen und leichteren Tanz-Reifen. „Die schweren Exemplare sind oft noch mit Massagenoppen ausgestattet, die den Trainings-Effekt erhöhen sollen”, sagt Ari. Auch mit Wasser gefüllte Reifen sollen die Muskelbeanspruchung verstärken.

Bei HoopLaBerlin setzt man jedoch auf das Training mit schlichten, leichten Reifen. „Meiner Meinung nach ist der Fitness-Faktor bei normalen Plastik-Hoops bereits optimal, denn die Körperbewegung ist bei allen Reifen dieselbe. Beim Kauf eines Reifens würde ich daher eher auf dessen Durchmesser achten”, sagt Ari. Je kleiner der Gymnastikreifen sei, desto schneller rotiere er um die Körperachse.

„Für Anfänger ist ein kleiner Reifen, wie er im Spielwarenhandel für Kinder angeboten wird, daher nicht geeignet. Er ist schwieriger zu handhaben und führt daher leicht zu frustrierenden Erlebnissen”, warnt Ari. Er empfiehlt für den Anfang einen Reifen mit einem Durchmesser von ungefähr 110 Zentimetern.

Mit so einem großen Reifen sei es dann auch nicht mehr schwer, Hula-Hoop zu lernen. „Nach fünf Minuten haben unsere Kursteilnehmer den Bogen meistens raus”, sagt Ari. Um den Reifen zum Rotieren zu bringen, stellt man sich in Schrittstellung auf und hält den Ring mit den Händen fest, so dass er den Rücken im Hüftbereich berührt und horizontal zum Boden ist. „Dann gibt man dem Hoop mit den Händen Schwung und beginnt, mit der Hüfte vor und zurück zu schaukeln”, sagt Ari. Denn damit der Reifen kreist, sollte die Hüfte nicht kreisen, sondern eben diese schwingende Bewegung durchführen.

Nach Aris Erfahrung erlangt man bei dieser Übung schon bald eine Routine, so dass man eine neue Herausforderung braucht. „Als nächsten Schritt kann man mal das andere Bein nach vorn nehmen und probieren, den Reifen so am Kreisen zu halten. Dadurch trainiert man dann auch automatisch die andere Körperhälfte”, erklärt Ari.

Fühlt man sich schon sehr sicher beim Rotieren des Gymnastikreifens, kann man langsam anfangen, den ganzen Körper zu bewegen. „Erst macht man mal eine Drehung, während der Reifen kreist, und dann kann man versuchen, zu gehen oder auch schon ein bisschen zu tänzeln. Irgendwann schafft man es dann, mit dem Hula-Hoop um die Hüften richtig zu tanzen - das macht einen Riesenspaß”, sagt der Hula-Hoop-Fan.

Als noch anspruchsvollere Übung empfiehlt Ari, den Reifen um den Oberkörper kreisen zu lassen. „Dazu streckt man die Arme in die Höhe, so dass der Reifen im Bereich der Achseln rotieren kann”, beschreibt er. Auf diese Weise würden noch wesentlich mehr Muskeln trainiert.

Wer gerne zu Musik sportelt, sollte sich eine rhythmisch passende Stilrichtung aussuchen. „Gerade am Anfang bringt einen zu schnelle Musik leicht aus dem Takt. Für die erste Zeit eignet sich daher Reggae sehr gut”, sagt Ari.

Mit schlimmen Verletzungen muss man nach Ansicht Aris nicht rechnen. „Was allerdings am Anfang immer vorkommt, sind blaue Flecke an den Stellen, an denen der Reifen beim Rotieren anstößt. Das vergeht bei regelmäßigem Training schnell”, weiß er zu berichten. Er empfiehlt, in diesem Fall einfach zwei, drei Tage mit dem Reifenschwingen auszusetzen. „Grundsätzlich empfehle ich aber jedem, einen Arzt zu konsultieren, bevor man mit dem Training beginnt”, sagt Ari. Bei Knie- oder Rückenproblemen könne es sein, dass sich die Schmerzen durch Hula-Hoop verstärken.

Balazs Ari möchte den Reifensport nicht mehr missen: „Ich bin begeistert von Hula-Hoop. Es bringt einen zurück in die eigene Kindheit und zaubert jedem ein Lächeln aufs Gesicht”, sagt der Berliner.

Außerhalb Berlins sei es derzeit noch schwer, Hula-Hoop-Schulen zu finden. „Aber man kann auch einfach alleine trainieren oder ein paar Gleichgesinnte zusammensammeln. Ein Park ist der ideale Übungsort”, sagt Ari. Allerdings empfiehlt er, beim Training in der Öffentlichkeit am besten immer gleich zwei Reifen bei sich zu haben. „Ansonsten kommt man selbst nie zum Trainieren, weil immer wieder Leute vorbeikommen und fragen: Oh, toll, ein Hula-Hoop - darf ich auch mal?”