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Berlin: Hinken und entzündete Augen: Anzeichen für Rheuma bei Kindern

Berlin : Hinken und entzündete Augen: Anzeichen für Rheuma bei Kindern

Leidet ein Kind mehr als vier Wochen an einem geschwollenen und überwärmten Gelenk, sollte ein Kinderheumatologe zurate gezogen werden. Denn entzündete Gelenk können auf Rheuma hinweisen.

Diese schmerzhafte Erkrankung werde im Kleinkindalter aber leicht übersehen, sagte Kirsten Minden von Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR) in Berlin dem dpa-Themendienst.

Sie äußerte sich anlässlich des Welt-Rheuma-Tags am Sonntag (12. Oktober). „Kinder klagen kaum über Schmerzen, sie nehmen eher eine Schonhaltung ein.”

Eltern achten daher am besten darauf, wie sich ihr Kind bewegt. Auffällig sei zum Beispiel, wenn es nicht mehr tobt. „Auch Hinken und Schwierigkeiten beim Greifen können indirekte Schmerzzeichen sein”, sagte die Medizinerin.

Bei größeren Kindern mit Rheuma entzündet sich manchmal auch die Regenbogenhaut am Auge, außerdem können Fersen und Rücken schmerzen - ähnlich wie bei erwachsenen Rheumakranken, die am sogenannten Morbus Bechterew leiden.

Bricht Rheuma im Kindesalter aus, seien die Behandlungsaussichten viel besser als bei Erwachsenen, erläuterte Minden. Angesichts neu entwickelte Medikamente sei außerdem zu hoffen, „dass wir es schaffen, viel mehr Kinder beschwerdefrei ins Erwachsenenalter zu bringen als bisher.”

Derzeit nimmt ein Viertel der jung an Rheuma Erkrankten keine Medikamente mehr, wenn sie zwischen 20 und 35 Jahren sind. Und nur die Hälfte der Altersgruppe hat dann noch Beschwerden.

Zur kurzfristigen Behandlung werden zunächst Cortison-freie Entzündungshemmer eingesetzt. Ist die Krankheit schon sehr ausgeprägt und betrifft viele Gelenke, geben die Ärzte langfristig meist biologische Medikamente, die in den vergangenen Jahren entwickelt wurden.

„Die haben sich als hocheffektiv erwiesen, wurden bei Kindern geprüft und sind zum Teil schon zu gelassen”, sagte Minden. Durch Krankengymnastik lernten die Erkrankten, aus „Schonfehlhaltungen” herauszukommen. Ein Ergotherapeut bringt ihnen bei, wie sie zum Beispiel einen Stift am besten halten und sich sonst richtig, aber schonend bewegen.

Denn auch für Kinder mit Rheuma ist Bewegung wichtig. Hier hat der Expertin zufolge ein Umdenken eingesetzt: „Noch vor zehn Jahren gingen Rheuma und Sport überhaupt nicht zusammen.” Letzterer trage zum Aufbau von Muskulatur und Knochen bei. „Außerdem stärkt Sport das Selbstwertgefühl der Kinder und verringert Schmerzen.”

Allerdings seien Ballsportarten wie alles, was mit Springen und Laufen zu tun hat, wegen der Verletzungsgefahren nicht unbedingt empfehlenswert. Klettern, Tauchen, Yoga und Aqua-Fitness eigneten sich besser.