Herz-Kreislauf-Mittel gegen Multiple Sklerose

Herz-Kreislauf-Mittel gegen Multiple Sklerose

Bochum. Heute bereits verfügbare Herz-Kreislauf-Medikamente könnten auch gegen Multiple Sklerose (MS) wirksam sein. Darauf deuten die Studienergebnisse von Neurologen der Ruhr-Universität Bochum hin.

Die Mediziner wiesen in Experimenten mit Mäusen bei drei Medikamenten eine potenzielle Wirkung gegen die Krankheit nach. Das teilt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie in Berlin mit.

Alle drei für wirksam befundenen Medikamente hemmen das sogenannte Renin-Angiotensin-System, mit dem der Körper sowohl den Blutdruck reguliert als auch den Salz- und Wasserhaushalt. Zudem scheint dieses Steuersystem auch die Körperabwehr zu beeinflussen - insbesondere die Zellen, die bei Multipler Sklerose sozusagen als Fußtruppen des Immunsystems das körpereigene Gewebe angreifen und so die typischen Entzündungsherde hervorrufen.

Eine Hemmung des Renin-Angiotensin-Systems wirkt sich folglich auch auf Immunreaktionen und damit auf Autoimmunkrankheiten wie Multiple Sklerose aus.

Viele Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Systems werden bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen bereits mit Erfolg und guter Verträglichkeit eingesetzt. „Diese Substanzen könnten nun auch in der Therapie der Multiplen Sklerose Einzug halten”, hofft Ralf Gold, einer der Leiter der Arbeitsgruppe.

Im Gegensatz zu den neuen Antikörpertherapien bei MS dürften sie keine schwer abschätzbaren neuen Risiken mit sich bringen, erklärt Gold. „Allerdings müssen diese Hypothesen natürlich zuerst in klinischen Studien an Patienten überprüft werden”, bremst der Mediziner verfrühte Hoffnungen.

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