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„Haxenbrecher” Wintersport: So kann man Verletzungen vermeiden

„Haxenbrecher” : So kann man beim Wintersport Verletzungen vermeiden

Skifahren ist eine Risiko-Sportart. Dabei passieren längst nicht alle Unfälle bei rasanter Abfahrt. Als wahre „Haxenbrecher” gelten Verrenkungen jenseits der Piste, zum Beispiel in der Schlange zum Skilift.

„Dort rutscht man auf dem Schneematsch schnell mal aus und verdreht sich das Knie”, weiß Martin Talke, Orthopäde und Rheumatologe in Berlin und selbst passionierter Skifahrer.

Normalerweise löst sich bei Stürzen automatisch die Sicherheitsbindung zwischen Skischuh und Ski. Allerdings muss dafür eine bestimmte Krafteinwirkung vorhanden sein, was bei der Abfahrt, nicht aber beim langsamen Waten beziehungsweise Sturz im Schneematsch der Fall ist. „Einige verdrehen sich dabei sogar im Stand das Knie”, sagt Talke. Dabei können Bänderverletzungen auftreten, wie zum Beispiel der Riss der Kreuzbänder. Auf der Piste selbst hat sich die technische Verbesserung der Schuhe positiv ausgewirkt.

Früher kam es laut Talke häufig zu Knöchelverletzungen, weil die Füße nicht fest im Schuh steckten. Heute ist das Material besser. Wenn etwas bricht, dann über über dem Skischuhschaft. Dementsprechend treten Unterschenkelfrakturen heute öfter auf als solche im Fußgelenk.

Vorbeugen kann man insbesondere Bänderverletzungen durch eine Aufwärmeinheit, bevor man die Piste mit Skiern oder Snowboard hinabsaust. Denn kalte Muskeln sind verkürzt und bei ungewohnten Bewegungen stärker einrissgefährdet als warme beziehungsweise gut durchblutete. „Stretching ist deshalb unabdingbar, am besten zehn Minuten und direkt auf den Skiern”, sagt Talke. Sinnvoll sei auch, die „Geschmeidigkeit” zu trainieren. Seilspringen beispielsweise schule die Beinkoordination und die Balancefähigkeit, Ausrutscher auf dem Schneematsch würden damit unwahrscheinlicher. Von übertriebener Skigymnastik rät der Orthopäde dagegen ab. Bestimmte Kraftübungen etwa reizten die Gelenke und könnten die Kniescheibenknorpel schädigen.

Aber auch die größte Geschmeidigkeit nützt nichts, wenn man mit 80 km/h gegen einen Baum fährt. Selbst Amateure können mit modernen Skiern solche Geschwindigkeiten erreichen und sollten sich bewusst sein, dass ein Zusammenstoß mit einem Hindernis dann lebensgefährlich ist. In jeder Saison ereignen sich auf den Pisten tödliche Unfälle - offenbar mehr als allgemein bekannt: Mancher beliebte Skiort halte seine „Todeszahlen” unter Verschluss, um den Tourismus nicht zu gefährden, sagt Talke. Immerhin würden aber die Wintersportler zunehmend vernünftiger, immer mehr gingen nicht mehr ohne Sturzhelm auf die Piste.

Damit man im Schneetreiben oder bei gleißendem Sonnenlicht den nächsten Baum auch sieht, empfiehlt es sich, eine eng anliegende Sonnenbrille zu tragen. Zumal diese auch vor schädlichem UV-Licht schützt, das im Gebirge verstärkt auftritt. „In Höhenlagen ist die Lufthülle dünner und die Luft klarer, die UV-A- und UV-B-Strahlen der Sonne werden dadurch weniger abgeblockt”, sagt Dieter Friedburg, Professor für Augenheilkunde in Krefeld.

Ohne Schutzbrille kann es zu einem schmerzhaften Sonnenbrand auf der Hornhaut kommen, auch „Schneeblindheit” genannt, die allerdings in der Regel nach einem Tag von selbst wieder abklingt. Im Prinzip sind auch chronische Schäden der Bindehaut möglich, dies betrifft aber höchstens Bergführer oder Skilehrer, die sich regelmäßig im Gebirge aufhalten.

Friedburg rät zum Kauf einer Sonnenbrille mit CE-Kennzeichnung, einem Symbol für Produktsicherheit nach bestimmten EU-Richtlinien. Wer auf eine Brille mit Stärke angewiesen ist, hat mehrere Möglichkeiten: Er kann sich eine Sonnenbrille mit seiner Sehstärke anfertigen lassen, was allerdings teuer ist. Kostenaufwendig sind auch Brillen mit sogenannten phototropen Gläsern, die sich bei grellem Sonnenlicht von selbst einfärben. Die dritte Variante ist laut Friedburg die einfachste und günstigste: Man trägt zwei Brillen - also die Skibrille über der Alltagsbrille mit den Korrekturgläsern.

Sonnenbrand indes droht nicht nur auf der Hornhaut, sondern auch auf allen anderen ungeschützten Stellen des Körpers. Bei Minustemperaturen und dicker Kleidung sind dies nicht allzu viele, aber die freiliegenden Gesichtspartien reagieren umso empfindlicher auf UV-Licht, wie Klaus Fritz vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen weiß. Der Hautarzt rät Wintersportlern daher, exponierte Bereiche wie Nase, Wangen und Lippen mit Sonnencreme zu schützen.

„Der Lichtschutzfaktor sollte mindestens bei 20 liegen, bei Menschen mit empfindlicher Haut kann es auch Faktor 50 sein”, sagt Fritz. Besonders empfehlenswert seien im Hochgebirge Schutzcremes auf der Basis von Pigmenten. Diese wirkten auf der Haut wie eine Schutzfolie und reflektierten überdies nicht nur UV-A- und UV-B-Licht, sondern auch UV-C-Strahlen. „UV-C-Licht tritt etwa ab 1800 Metern auf, weil die Schutzfunktion der Ozonschicht in diesen Höhen wegfällt. Es ist hoch krebserregend”, warnt Dermatologe Fritz.