Hamburg: Hautprobleme schon bei vielen Berufsanfängern

Hamburg: Hautprobleme schon bei vielen Berufsanfängern

Bis zu 30 Prozent der Berufsanfänger leiden in manchen Branchen an Problemen mit der Haut. Sie seien die insgesamt häufigste Berufskrankheit in Deutschland, sagte Thomas Remé, der Leitende Arbeitsmediziner der Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) in Hamburg.

„Auf sie entfallen mehr als die Hälfte der uns gemeldeten Fälle”, erläuterte er in einem Gespräch mit dem dpa-Themendienst. Die BGW ist beispielsweise für Friseure, Pflegekräfte und Schlachter zuständig. In der Altersgruppe zwischen 15 und 25 Jahren machten Hautprobleme sogar 90 Prozent der Berufskrankheiten aus.

Für viele betroffene Auszubildende bedeute das, bald nach Beginn ihrer Lehre den Beruf wieder aufgeben zu müssen. Oft tauchten solche Fälle in der Statistik gar nicht auf. „Die jungen Leute brechen die Ausbildung ab, ohne dass wir von der Hautkrankheit überhaupt erfahren”, sagte Remé. Das ist einer der Gründe dafür, warum die Dunkelziffer als besonders hoch gilt: „In der medizinischen Fachliteratur werden Studien zitiert, nach denen die Zahl der Erkrankungen bis zu 50 mal höher ist als die der gemeldeten Fälle”, sagte der Arbeitsmediziner. „Das erscheint uns auch als durchaus realistisch und korrespondiert mit einer Studie, die wir selbst in der Altenpflege gemacht haben.”

Dabei hat die BGW bei knapp jedem fünften der Beschäftigten Hautprobleme festgestellt - „in der großen Mehrzahl allerdings leichte Fälle”. Hochgerechnet auf die rund 1,2 Millionen Pflegekräfte in Heimen sei von mehr als 200.000 Betroffenen auszugehen. Nur ein Bruchteil davon wird offiziell gemeldet. Gerade Beschäftigte mittleren und höheren Alters versuchten, mit den Hautproblemen, die oft mit leichten Rötungen beginnen, aber bald chronisch werden können, zunächst ohne Behandlung zurechtzukommen. „Ältere Pflegekräfte haben auch Angst um ihren Arbeitsplatz für den Fall, dass ihre Hauterkrankung gemeldet wird.”

Es komme sogar vor, dass sie ihren Hautarzt ausdrücklich darum bitten, die Erkrankung nicht der Berufsgenossenschaft zu melden. Dabei sei es im Gegenteil wichtig, Hautkrankheiten nicht auf die leichte Schulter zu nehmen oder die Risiken zu verdrängen. Werden sie in einem frühen Stadium erkannt und behandelt, seien die Heilungschancen nicht schlecht: Selbst im Fall von schweren Ekzemen könne dann ein Großteil der Erkrankten im gewählten Beruf weiterarbeiten.

Dazu beitragen soll das „Stufenverfahren Haut”, mit dem seit 2005 Erfahrungen gesammelt werden. Nach diesem Konzept zur Behandlung von Hautkrankheiten werden betroffene Arbeitnehmer von der BGW kontaktiert, ohne dass der Arbeitgeber informiert wird. Der Erkrankte kann sich dann untersuchen und beraten sowie anschließend behandeln lassen, erklärte Remé: „Es kommt uns vor allem darauf an, die Betroffenen möglichst schnell zu erreichen.”