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Frankfurt a.M: Harte Abkehr vom Joint: Drogenentzugs-Kliniken für Jugendliche

Frankfurt a.M : Harte Abkehr vom Joint: Drogenentzugs-Kliniken für Jugendliche

Sein erster Joint vor vier Jahren hat ihn glücklich gemacht. „Ich bin die Straße entlang gegangen und habe nur gekichert.

Ich fand alles tierisch lustig.” Jetzt aber versucht Tim (Name geändert) in der Therapeutischen Einrichtung Eppenhain, seine Sucht zu überwinden. Der Ostberliner mit den kurz geschorenen Haaren hat drei Jahre lang rund zehn Gramm Marihuana täglich geraucht. Er ist von Cannabis abhängig, wie die meisten Bewohner der Suchtklinik für Jugendliche im Taunus.

Seit etwa drei Jahren sei die Mehrzahl der Jugendlichen wegen Marihuana da, sagt Hausleiter Robert Schnöd. Zuvor seien Partydrogen wie Speed und Ecstasy verbreitete Suchtmittel gewesen, davor bis Ende der 90er Jahre Heroin. Nur wenige Patienten seien alkoholabhängig. Joachim Messer vom Frankfurter Suchthilfeverband Jugendberatung und Jugendhilfe bestätigt zwar, dass das sogenannte Koma-Saufen zunehme. Aber Jugendliche, die mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kämen, seien meist nicht süchtig.

Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung konsumieren zwei bis drei Prozent der 14- bis 17-Jährigen regelmäßig Marihuana. Doch während die Gelegenheits-Kiffer mit den sinkenden Raucherzahlen weniger würden, bleibe der harte Kern starker Konsumenten mit 600.000 Jugendlichen gleichbleibend hoch. Vor einer Verharmlosung von Cannabis warnt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD).

Eine „Spirale nach unten” sei bei jungen Menschen, die viel Marihuana konsumierten, absehbar. Ob sie besonders empfänglich für Heroin sind und Cannabis eine Einstiegsdroge für härtere illegale Drogen ist, wird dagegen wissenschaftlich heftig diskutiert. Sechs bis zehn Monate leben die drogenabhängigen Jugendlichen in Eppenhain.

Aufgenommen werden sie, wenn sie die Entgiftung hinter sich haben. „Ich habe eine Woche durchgekotzt”, berichtet Tim über diese Zeit in einer Einrichtung wie der Drogen- und Alkoholentzugsstation im nordhessischen Wabern. Sie wurde im Juli als landesweit erste qualifizierte Entzugsstation für Kinder und Jugendliche eröffnet. In den vier bis sechs Wochen erfolge zwar der eigentliche Entzug von Cannabis, Alkohol und Heroin, berichtet der ärztliche Direktor Günter Paul. Vor allem aber würden die psychischen Probleme der Jungen und Mädchen wie Depressionen oder Hyperaktivität behandelt.

Fabian (Name geändert) aus Mittelhessen plagten nicht so sehr körperliche Probleme beim Entzug: „Schlafen ging nicht.” Vor allem aber hätten in den Wochen zwei völlig gegensätzliche Wünsche miteinander gekämpft: „Es kamen die Gedanken zurück, wie schön die Zeit davor war.” Dann aber auch: „Mein Wille aufzuhören, war extrem.” Ihm seien die erdrückenden Probleme bewusst gewesen: Schulabbruch, heftige Auseinandersetzungen in der Familie, Dealen mit Marihuana und Diebstähle, um täglich an die rund 65 Euro für die eigene Dosis Cannabis zu kommen.

Alle Drogen mit Ausnahme von Zigaretten sind in der Suchteinrichtung verboten. Fabian und Tim müssen zudem den strikten Tagesablauf mit Alkoholtest um 7.30 Uhr und Nachtruhe um 23 Uhr einhalten. Dazwischen liegen der Besuch der hauseigenen Schule, Therapiesitzungen, Treffen in den Wohngruppen, Sport und Mitarbeit in Gärtnerei oder Küche. Vor allem gehe es in der Langzeitrehabilitation darum, dass die rund 30 Süchtigen lernen, wie sie selbst mit ihrer Abhängigkeit leben können, so Schnöd.

Tims Eltern drängten ihn zum Entzug. Jetzt versucht er im Taunus, den nächsten Schritt aus der Abhängigkeit zu gehen: „Ich muss Wege finden, um abstinent zu bleiben.” Für Momente, in denen sein Verlangen nach der Droge überhandzunehmen droht, trägt Tim immer eine kleine Merkkarte in seiner Hosentasche - bunt und in Plastik eingeschweißt, damit sie lange hält: Auf die Karte hat er geschrieben: „Du zerstörst Deine Perspektive! Du schaffst es! Ruf Deine Drogenberaterin an!”