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Gut leben mit ITP? Das geht!​

Autoimmunkrankheit : ITP: Wenn das Immunsystem die körpereigenen Blutplättchen bekämpft

Autoimmunerkrankungen werden immer häufiger. Zu den bekanntesten zählen Multiple Sklerose, Diabetes Typ I, Schuppenflechte und chronische Magen-Darm-Erkrankungen.

Heute sind zwischen 5 und 8 % der deutschen Bevölkerung von einer der über 80 bekannten Autoimmunerkrankungen betroffen. Bei ihnen richtet sich die Immunabwehr gegen den eigenen Körper – entweder gegen bestimmte Organe oder den gesamten Organismus. Auch die ITP ist eine Autoimmunkrankheit, bei der das Immunsystem die körpereigenen Blutplättchen bekämpft. Das kann schwerwiegende Folgen haben.

Was ist die Immunthrombozytopenie?

Immunthrombo… was? Der sperrige Fachbegriff setzt sich aus den Wortteilen Immun-, Thrombozyt und -penie zusammen:

  • Thrombozyten sind die Blutplättchen, ein normaler Blutbestandteil, der hauptsächlich für die Blutstillung verantwortlich ist.
  • -penie bedeutet „zu wenig“. Eine Thrombozytopenie ist also ein Mangel an Blutplättchen.
  • Der Wortteil Immun- verrät, dass dieser Mangel durch das körpereigene Abwehrsystem hervorgerufen wird.

Bei der Immunthrombozytopenie werden die Blutplättchen fälschlicherweise als Fremdkörper gesehen und vom Körper gezielt abgebaut. Ein Mangel an Thrombozyten bedeutet, dass die körpereigene Wundversiegelung nicht mehr ausreichend funktioniert – Wunden bluten stärker und länger.

Auch wenn die ITP bis heute recht unbekannt ist – entdeckt wurde sie bereits 1735 vom Arzt Paul Gottlieb Werlhof. Daher heißt sie auch Werlhof-Krankheit.

Der Arzt beschrieb die typischen Symptome der Erkrankung:

  • Selbst bei kleinen Verletzungen bluten die Betroffenen lange und auffallend stark.
  • Sie haben eine starke Neigung für blaue Flecken.
  • Blutungen an Schleimhäuten, etwa verstärktes Zahnfleisch- oder Nasenbluten, sind häufig.
  • An bestimmten Körperregionen sind Petechien zu sehen, kleine violette Einblutungen unter der Hautoberfläche.
  • Hinzu kommen meist starke Abgeschlagenheit und eine merkliche Leistungsminderung, die so schlimm werden können, dass die Betroffenen ihren Alltag nicht mehr problemlos bewältigen können.
  • Auch ist die Blutungsneigung an inneren Organen erhöht, sodass regelmäßige ärztliche Tests notwendig sind.

Oft ist der Auslöser unbekannt

Wenn die Immunthrombozytopenie ohne erkennbaren Auslöser auftritt, handelt es sich um die sogenannte primäre ITP. Diese macht 80 % der Krankheitsfälle aus.

Einem weiteren Fünftel der Erkrankungen gehen andere Krankheiten voraus. Bei dieser sekundären ITP hatten einige der Patienten zuvor beispielsweise eine Infektion durchlaufen. Auch könnten bestimmte Medikamente mitverantwortlich sein.

Die gute Nachricht ist, dass die ITP nicht vererbt werden kann; stattdessen wird sie erworben.

Hohe Lebensqualität trotz ITP

Prinzipiell lässt sich mit einer Immunthrombozytopenie gut leben. Einige Dinge sollten Betroffene allerdings wissen:

Persönlicher Therapieplan

Die Therapie kann sehr individuell ausfallen. Sie ist unter anderem abhängig von der Blutungsneigung, dem Erkrankungsalter und dem Allgemeinzustand des Patienten.

Kinder und Jugendliche

Für junge Menschen gilt, dass die pädagogischen Kräfte über die Krankheit informiert sein müssen, damit Verletzungen bestenfalls gar nicht erst passieren, und um im Fall einer Blutung richtig reagieren zu können.

Arztbesuche und Operationen

Bei Arztbesuchen ist es sehr wichtig, dass das Personal über die ITP und die eventuell eingenommenen Medikamente informiert ist, um die Behandlungen darauf anzupassen.

Beruf

Viele ITP-Patienten können weiterhin ungestört ihrem Beruf nachgehen. Ist die Blutungsneigung jedoch besonders stark oder tritt eine dauerhafte Erschöpfung ein, dann muss der Alltag grundlegend umgestaltet werden, etwa mit einer Stundenreduktion.

Häufigkeit von ITP in Deutschland

Genauso rätselhaft ist, warum eine ITP manchmal spontan ausheilt (besonders im Fall von Kindern und Jugendlichen) und in anderen Fällen chronisch wird, also über ein Jahr und länger bestehen bleibt. Von der chronischen Immunthrombozytopenie sind ca. 16 000 Menschen in Deutschland betroffen.

Über die Verbreitung von ITP rätseln Ärzteschaft und Forschung noch: Tritt sie im Kindheitsalter auf, dann sind meist mehr Jungen betroffen. Hier handelt es sich häufig um die temporäre Form, die schon nach sechs Wochen wieder vollständig verschwinden kann.

Das Durchschnittsalter für den Erwerb einer chronischen ITP liegt bei ca. 60 Jahren. Die meisten Frauen, die daran erkranken, sind jünger. Über dieser Marke bilden die Männer die Mehrheit der Erkrankten.

So wie viele andere hämatologische Erkrankungen hält auch die ITP noch einige Rätsel für die Forschung bereit.

(LA BARRA)