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Wuppertal: Gesundes Training mit Wellness-Faktor: Aqua-Fitness schont Gelenke

Wuppertal : Gesundes Training mit Wellness-Faktor: Aqua-Fitness schont Gelenke

Wassergymnastik galt noch vor rund 15 Jahren als Senioren- und Reha-Sport. Heute präsentieren sich die Abwandlungen dieses Sportes in neuem Gewand und unter neuem Namen: Aqua-Fitness steht für eine Vielzahl von Trendsportarten im Wasser.

Und gesund ist das Ganze außerdem: „Der Körper wird im Wasser um 90 Prozent entlastet, die Gelenke also mit nur einem Zehntel des eigenen Körpergewichts belastet”, erklärt Theodor Stemper, Sportwissenschaftler an der Bergischen Universität Wuppertal.

Alle Aquafitness-Arten bauen auf die Auftriebswirkung, die Druckverhältnisse, die thermischen Reize und die Dichte von Wasser. Die Auftriebswirkung sorgt zunächst für einen angenehmen und vor allem gelenkschonenden Schwebezustand. „Dadurch können auch viele Ungeübte, Übergewichtige oder Personen mit rheumatischen Beschwerden - natürlich nach Rücksprache mit ihrem Arzt - am Aqua-Training teilnehmen”, sagt Stemper. Auch im Behindertensport, nach Gelenkverletzungen oder in der Schwangerschaft ist Aqua-Fitness ideal.

Hilfsmittel wie die „Nudel” und der Aqua-Jogging-Gürtel verstärken die Auftriebswirkung. „Für Anfänger ist ein Aqua-Jogging-Gürtel mit hohem Rückenteil ideal, weil er den Körper am besten ausbalanciert”, rät Karsten Hermanns, Produktmanager bei Sport Thieme in Garsleben. Das Zubehör für Aqua-Fitness wird nach seinen Angaben immer stärker nachgefragt. „Die Hochzeit ist immer vom Herbst bis zum Frühjahr, da diese Sportarten vor allem in Hallenbädern angeboten werden.”

Neben der Auftriebswirkung ist der Wasserdruck der zweite Trumpf. Pro Meter Wassertiefe steigt er um 0,1 bar. „Dadurch kommt es zu einer angenehm massierenden Wirkung vor allem auf Beine und Gesäß. Die Durchblutung von Haut, Muskeln und Bindegewebe, aber auch der Blutrückfluss aus den Beinen zum Herzen wird unterstützt, die Venenklappen gestärkt und der Stoffwechsel angeregt”, zählt Sportwissenschaftler Stemper auf. Und schließlich stärken die thermischen Wechselreize das Immunsystem.

Bei Aqua-Relaxing und Aqua-Balancing werden all diese Effekte mit minimalem Körpereinsatz erzielt. Der wohltuende Schwebezustand dient hier vorrangig der Entspannung. Bei allen anderen Ausrichtungen von Aqua-Fitness kommen Bewegungsabläufe hinzu. Und die bringen auch zusätzliche positive Auswirkungen auf die Gesundheit: „Bei Aqua-Jogging, Aqua-Running oder Aquarobic werden Herz, Kreislauf und Ausdauer trainiert. Aqua-Boxing oder Hydro Power kräftigt die Muskulatur und den Bewegungsapparat”, erläutert Peter Freyer, Sportlehrer und Referent im Schwimmverband Nordrhein-Westfalen in Duisburg. Bei funktioneller Wassergymnastik geht es vor allem um Beweglichkeit, bei Aqua-Dancing und Aqua-Rhythmic um Koordination.

Training im Wasser hat immer einen größeren Effekt als an der Luft, denn Wasser hat eine tausendfach größere Dichte. „Damit arbeite ich gegen einen erheblich höheren Widerstand, der Körper wird weit mehr beansprucht”, sagt Freyer. Das gilt umso mehr, wenn das Tempo gesteigert oder der Widerstand vergrößert wird. Dabei helfen zum Beispiel Handschuhe, Hanteln, Discs, Paddel oder auch Twins - Schuhe mit vergrößerten Sohlen.

Wer im Wasser aktiv werden möchte, muss wissen, welche Aqua-Fitness-Richtung er ausüben will. Bei der Suche nach einem geeigneten Anbieter sind Schwimmvereine und Bäderbetriebe die ersten Adressen. „Gute Anbieter machen in der Ausschreibung deutlich, wo der Schwerpunkt des Angebotes liegt”, erläutert Sportlehrer Freyer. Im Idealfall sind auch Schwierigkeitsgrade mit Formulierungen wie „für Anfänger” gekennzeichnet.

Sowohl Schwimmvereine als auch private Anbieter schulen Aqua-Fitness-Trainer. „Sportlehrer, Physiotherapeuten oder Schwimm-Meister mit einer solchen zusätzlichen Qualifikation verfügen in der Regel über fundierte Kenntnisse”, sagt Sportwissenschaftler Stemper. Qualitätskennzeichen sind auch die Zertifikate von Krankenkassen. Diese erstatten oft sogar die Kosten für ein Aqua-Fitness-Training. Bei einem guten Anbieter ist ein hygienisch einwandfreies Bad genauso selbstverständlich wie gepflegtes Trainingszubehörs. „Nach Gebrauch sollten Schaumstoffartikel gut abtrocknen, sonst bilden sich schnell Schimmel und Bakterien”, sagt Produktmanager Hermanns.

Aqua-Fitness ist nicht für jeden geeignet

Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen sollten zunächst ein ärztliches Okay einholen, bevor sie zu Aqua-Fotness-Übungen ins Wasser gehen. Auch akute Infektionen stellen eine Kontraindikation für jedes Training im Wasser dar. Wer unter starker Gelenkarthrose leidet, vermeidet intensive Belastungen wie beim Aqua-Cycling besser. Für sorgloses Sport-Vergnügen im Wasser sollten die Teilnehmer schwimmen können. Bei typischen Warnzeichen wie Unwohlsein, Atemnot oder Frieren sollte das Training abgebrochen werden.