Berlin: Gefährliche Pollenattacken: Wenn der Fahrer zum Passagier wird

Berlin: Gefährliche Pollenattacken: Wenn der Fahrer zum Passagier wird

Die Schönheit der frühjährlichen Natur hat ihre Schattenseiten: Allergiker leiden - und allergiegeplagte Autofahrer fahren mit erhöhtem Unfallrisiko.

Lenkt man ein Fahrzeug, geht insbesondere vom Niesen eine große Gefahr aus. „Weil man kurzzeitig völlig blind fährt, kann man bei einem Niesanfall leicht die Kontrolle über sein Auto verlieren”, warnt Heimo Vedernjak, Mediziner des österreichischen Autoclubs ÖAMTC in Wien. Im Klartext: Der Fahrer wird sekundenlang zum Passagier. Wer am Steuer von einem „Allergie-Schub” überrascht wird, dem rät TÜV-Süd-Mitarbeiter Frank Volk, die Fahrt aus Sicherheitsgründen abzubrechen.

Neben den Allergie-Symptomen selbst können auch Medikamente wie Antiallergika die Verkehrstüchtigkeit beinträchtigen. „Deren mögliche Nebenwirkungen dürfen nicht unterschätzt werden”, warnt Vedernjak. Außerdem: „Wer versucht, seine allergische Überreaktion mit Hilfe einer Impftherapie zu verbessern, sollte bis etwa drei Stunden nach der Injektion keinesfalls ein Fahrzeug lenken”, betont der ÖAMTC-Experte. Egal, welche Medikamente man anwendet: Grundsätzlich sollte man den Arzt oder Apotheker auf das Thema Autofahren und Nebenwirkungen ansprechen.

Um die quälenden Pollen gar nicht erst ins Fahrzeuginnere gelangen zu lassen, empfehlen sich Pollenfilter. Aktuelle Auto-Modelle sind vielfach bereits ab Werk damit ausgestattet. Ältere Autos lassen sich in der Regel in einer Fachwerkstatt nachrüsten. Die Pollen- oder Partikelfilter sitzen üblicherweise unterhalb der Windschutzscheibe hinter dem Gebläse und fangen die Pollen auf ihrem Weg ins Fahrzeuginnere ab.

Pollenfilter regelmäßig wechseln

Damit das Wageninnere eine pollenfreie Zone bleibt, muss der Filter von Zeit zu Zeit erneuert werden, zum Beispiel im Rahmen einer Inspektion. „Notieren Sie sich am besten den jeweils letzten Filterwechsel. Wenn Sie den Eindruck haben, dass die Wirkung nachlässt, können Sie den Wechsel des Pollenfilters einfach vorziehen”, sagt TÜV-Süd-Mitarbeiter Frank Volk und rät zudem: „Das Schiebedach muss natürlich geschlossen bleiben, damit der Pollenfilter des Fahrzeugs wirken kann. Dasselbe gilt für die Fenster.”

Beim Parken solle man beachten, das Bäume nicht nur Schatten spenden, sondern auch Pollen aufs Fahrzeug regnen lassen. Ein Stellplatz abseits von Bäumen ist daher eine gute Wahl. Bei der Rückkehr zum geparkten Auto sollten darüber hinaus Mantel oder Jacke besser im Kofferraum verstaut werden, damit sich anhaftende Pollen nicht im Fahrzeuginneren verteilen können.

Doch auch außerhalb des Autos können Allergiker versuchen, ihre Belastung zu verringern. Zwischen zwei und vier Uhr früh ist mit besonders hoher Pollenbelastung zu rechnen. Erst mit dem sich später bildenden Morgentau finden die Pollen den Weg zum Boden und werden in der Feuchtigkeit festgehalten.

„Eine ungestörte Nachtruhe kann daher nur mit geschlossenem Fenster gewährleistet werden”, betont ÖAMTC-Mediziner Vedernjak. Denn durch die Allergie hervorgerufene Schlafstörungen wirkten sich wiederum negativ auf die Fahrtüchtigkeit aus. Und der Mediziner hat noch einen unterstützenden Tipp für Allergiker parat: „Vor dem Zubettgehen ist Haare waschen sinnvoll, um alle Pollen auszuspülen und ungestört schlafen zu können.”

Mehr von Aachener Zeitung