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Münster/Jena: Fußreflexzonentherapie ergänzt Schulmedizin

Münster/Jena : Fußreflexzonentherapie ergänzt Schulmedizin

Auf den Unterseiten der Zehenspitzen befindet sich das Gehirn - zumindest für Fußreflexzonentherapeuten. Werden diese Punkte mit einer speziellen Grifftechnik behandelt, kann das Kopfschmerzen lindern.

Daneben liegen die Nasennebenhöhlen - wichtige Ansatzpunkte bei Erkältungen. Für Reflexzonenspezialisten sieht eine Fußsohle aus wie eine Miniaturlandschaft: Jede Zone dort steht über sogenannte Reflexbahnen in direkter Verbindung mit einzelnen Körperorganen. Werden diese Bereiche bearbeitet, können damit die Organe stimuliert werden, so die Grundidee.

Die Fußreflexzonentherapie wurde vor rund 100 Jahren von dem amerikanischen Hals-Nasen-Ohrenarzt William Fitzgerald und der Physiotherapeutin Eunice Ingham entwickelt. Ihre Wirkweise ist wissenschaftlich aber nicht eindeutig belegt.

„Eine Fußreflexzonentherapie kann nie eine notwendige schulmedizinische Organbehandlung ersetzen”, räumt Rainer Krumbiegel, Vorsitzender des Landesverbandes NRW des Fachverbandes Deutscher Heilpraktiker in Münster, ein. „Aber sie kann eine Behandlung erleichtern oder verkürzen” - und als entspannendes Element das Wohlbefinden des Patienten steigern.

„Klassische Anwendungsgebiete sind chronische Schmerzzustände am Bewegungssystem wie Arthrose oder Rückenschmerzen sowie Funktionsstörungen der Verdauungsorgane wie Reizdarm oder Reizmagen”, sagt Prof. Christine Uhlemann, Leiterin des Kompetenzzentrums Naturheilverfahren am Uniklinikum Jena.

Neben Kopfschmerzen können auch Migräne und moderate depressive Zustände therapiert werden. „Sehr gute Erfolge erzielen wir bei der Behandlung von Heuschnupfen und Neurodermitis”, ergänzt Nicole Bouchette, Physiotherapeutin und Dozentin beim Verband Physikalische Therapie in Hamburg.

„Es gibt jedoch auch Gegenanzeigen: Bei akuten Entzündungen, Thrombosen oder auch einer Risikoschwangerschaft darf diese Therapie nicht angewandt werden.”

Aufgrund des fehlenden wissenschaftlichen Beweises ist die Fußreflexzonentherapie in der Schulmedizin nicht anerkannt und auch keine Kassenleistung.

Der Patient hat daher in der Regel mit zwei Ansprechpartnern zu tun. „Zunächst muss eine Diagnose gestellt werden. Sie darf nur von einem Arzt oder Heilpraktiker vorgenommen werden”, sagt Krumbiegel. Dieser kann ein Privatrezept ausstellen.

Ausgeübt wird die Fußreflexzonentherapie von Heilpraktikern, aber auch von Physiotherapeuten. Für den Patienten besteht die Schwierigkeit darin, einen qualifizieren Therapeuten zu finden.

Es gibt in Deutschland zwei wichtige Schulen: „Hierzulande gelten Hanne Marquardt und Peter Bouchette als die maßgeblichen Wegbereiter der Fußreflexzonentherapie”, sagt Georg Zabawa, Direktor der staatlich anerkannten Physiotherapie-Schule Rheinkolleg in Meckenheim bei Bonn. „Im Idealfall hat der Therapeut direkt bei einem von beiden oder bei einem ihrer Schüler mit langjähriger Praxis gelernt.”

Außer nach der Qualifikation sollte man sich als Patient auch nach der praktischen Erfahrung des Therapeuten erkundigen. Auch Mund-zu-Mund-Propaganda kann Hinweise liefern.

Alles Weitere zeigt sich in der ersten Sitzung. „Viele Patienten kommen mit der Diagnose eines Arztes in der Hand zu uns in die Praxis. Andere sagen "Ich habe ein Problem, will aber nicht sagen, welches. Finden Sie es raus", und stellen uns damit auf die Probe”, sagt Physiotherapeutin Bouchette.

In jedem Fall ist die Befundaufnahme durch Sichten und Tasten die Grundlage jeder Behandlung. Die Befundaufnahme sollte etwa eine Dreiviertelstunde dauern.

„Ist die Sitzung nach 15 Minuten beendet, sollte man diesen Therapeuten nicht wieder aufsuchen”, rät Zawaba. Ansonsten wird ein Behandlungskonzept erarbeitet.

Ein Zyklus besteht meist aus zehn bis zwölf halbstündigen Terminen. Üblicherweise finden zwei Behandlungen pro Woche statt. Dazu sollte der Patient mit sauberen Füßen kommen, die jedoch nicht von einem vorherigen Fußbad aufgequollen sein dürfen.

„Die eigentliche Therapie besteht darin, dass die Fußzonen mit einer speziellen Grifftechnik behandelt werden. Dabei arbeitet sich der Daumen schraubend vorwärts”, sagt Medizinerin Uhlemann.

Diese Technik kann durchaus auch schmerzhaft sein. Außerdem können die Impulse zunächst zu einer Verschlimmerung der Beschwerden führen. Der Trost ist dann: In der Naturheilkunde gilt das meist als ein Hinweis, dass die Selbstheilungskräfte mobilisiert sind.

Selbst- oder Partnerbehandlung ist nicht ratsam