1. Leben
  2. Gesundheit

Oberursel: Führung nimmt Blinden Angst vor Bienen

Oberursel : Führung nimmt Blinden Angst vor Bienen

Vorsichtig legen die Besucher die Hände an die Scheibe und spüren die Wärme. Rund 35 Grad herrschen in dem Bienenstock - das ganze Jahr über.

Die Teilnehmer der Führung staunen. Etwa ein Dutzend blinde und sehbehinderte Menschen lernten beim Besuch des Instituts für Bienenkunde im hessischen Oberursel am Donnerstag, dass Bienen und Wespen friedliebend und alles andere als gefährlich sind. „Stehen bleiben und gar nichts tun”, rät Institutsleiter Prof. Bernd Grünewald für den Fall, dass sich eine Biene mal allzu nah heranwagt. „Sie sind ja keine Blüte.”

Bienen, die sich von Nektar, Honigtau und Pollen ernähren und daraus Honig machen, seien schließlich immer auf der Suche nach Blüten, bemerkten ihren Irrtum schnell und flögen weg. Bei Wespen sei etwas mehr Vorsicht angebracht, die gelb-schwarz gestreiften Flieger seien wesentlich lästiger.

Ute Kruse-Grgic aus Eschborn hofft, dass der Besuch auf der Wiese mit den Bienenstöcken am Waldrand ihr hilft, die Angst zu verlieren. Wie die anderen kann sie die Insekten nur hören und wird unruhig, wenn das Brummen zu nah ist. „Ich habe totale Panik vor Bienen und Wespen, aber hier fühle ich mich jetzt sicher”, sagt sie. „Besonders für jemanden, der nicht sieht, sind Bienen und Wespen bedrohlich”, sagt Franz-Josef Esch vom Vorstand der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte. Information über das Verhalten der Tiere könne helfen, die Furcht zu nehmen.

Biologin Sophie Himmelreich erläutert den mit Imkerkleidung geschützten Besuchern die Lebensweise der Honigbienen, lässt sie Waben ertasten und den Klang der Schleuder hören. Himmelreich bewegt sich inmitten Hunderter summender Bienen völlig ungeschützt und unbefangen. Am Institut forscht Himmelreich für ihre Doktorarbeit über das Lernen der Honigbiene und ist so begeistert von den Tieren, dass sie auf dem Balkon ihrer Frankfurter Wohnung einen Stock hält.

Während sich die braunen Honigbienen von Menschen fernhalten, werden die schwarz-gelben Wespen im August lästig. In diesem Jahr seien wegen des warmen Frühjahrs besonders viele unterwegs, sagt Institutsleiter Grünewald. „Sie brauchen Unmengen Kohlenhydrate zum Mästen der jungen Wespenköniginnen.” Während Bienenvölker auch im Winter zusammenbleiben, überleben vom Wespenstaat nur die Königinnen, um im nächsten Frühjahr einen neuen Staat zu gründen. Die Arbeiterinnen, die sich um die Brut und die Königin kümmern, gehen im Herbst zugrunde.

Wespen fliegen buchstäblich auf Zucker als leicht erreichbaren Kohlenhydrat-Lieferanten. Nur schwer lassen sie sich von Pflaumenkuchen oder Limo-Gläsern fernhalten. Grünewald rät, die Insekten sanft wegzuwischen, bevor sie auf den Geschmack kommen und noch Artgenossinnen anlocken können. „Man sollte es den Wespen so ungemütlich wie möglich machen.” Anpusten dürfe man die Tiere aber auf keinen Fall - der Kohlendioxidgehalt in der Atemluft wirke als Stichstimulanz.

Der Stich von Bienen oder Wespen ist nach Angaben der Experten schmerzhaft, aber meist harmlos. Die lokale Schwellung auf der Haut gehe nach etwa zwei Tagen von selbst zurück. Auch die Zucker liebenden Wespen seien weder aggressiv noch gefährlich, betonen Biologen und Naturschützer. Gestochen werde nur im Notfall zur Verteidigung.

In sicherer Entfernung von den Nestern drohe gewöhnlich keine Gefahr. Probleme könne es nur geben, wenn der Gestochene allergisch sei oder wenn eine versehentlich in den Mund geratene Wespe zusteche. Dann sollte ärztliche Hilfe gesucht werden. Allgemein helfe Kühlen bei Insektenstichen, um die Schwellung zu vermindern.