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Maastricht: Frühstückseier gegen Altersblindheit

Maastricht : Frühstückseier gegen Altersblindheit

Am Universitätskrankenhaus in Maastricht läuft zurzeit ein Forschungsprojekt, bei dem hundert Probanden drei Monate lang jeden Tag ein spezielles Ei essen müssen. Die Forschungsleiter hoffen, dass diese Eier helfen, die Augenkrankheit Macula Degeneration zu stoppen.

Etwa die Hälfte aller Menschen über 65 hat Probleme mit der Macula, so Forschungsleiter Tos Berendschot. Die Macula, der sogenannte gelbe Fleck, ist der zentrale Teil auf der Netzhaut, mit dem man scharf sieht. Im Alter nehmen die darin enthaltenen Pigmente - Lutein und Zeaxanthin - langsam ab, das ist der Grund dafür, dass der Patient immer weniger sieht.

1200 Euro pro Monat

Da Wissenschaftler der Uni Maastricht festgestellt haben, dass diese Pigmente von Natur aus im Eigelb enthalten sind, testen sie nun, ob es sinnvoll ist, Eier zu essen, um damit die Macula Degeneration zu stoppen. „Bisher gibt es gegen diese Augenkrankheit kein wirksames Medikament”, betont Berendschot. Zwar gebe es ein Mittel für 1200 Euro pro Monat, das einmal alle vier Wochen ins Auge gespritzt werden muss, „aber es hilft nur bei etwa 20 Prozent aller Patienten”, erklärt der Mediziner. Bei allen anderen schreitet die Krankheit trotz dieser Spritzen immer weiter fort.”

Im Prinzip könnten Betroffene auch Gemüsorten wie Broccoli oder Mais essen, in denen diese Pigmente enthalten sind, aber dann müssten sie jeden Tag kiloweise davon vertilgen, um genügend Wirkstoff aufzunehmen. Über das fetthaltige Eigelb werden die Farbstoffe vom Körper besser aufgenommen.

Im Rahmen des Forschungsprojektes arbeitet das Uni Krankenhaus Maastricht mit einer Hühnerfarm in der Provinz Limburg zusammen. Die dortigen Hühner bekommen seit Monaten ein spezielles Körnerfutter, das mit natürlichen Farbstoffen angereichert ist, um den Gehalt der Pigmente zu erhöhen.

Der 74-jährige Ben van Baardwijk aus Maastricht ist eine der Testpersonen. Er isst jetzt jeden Tag ein Ei. Montags holt er sich bei der Forschungsabteilung im Uni Krankenhaus seine Wochenration - sieben hart gekochte Eier - ab. „Ich wäre froh, wenn ich wieder besser sehen könnte und die Krankheit gestoppt würde. Mein Augenarzt jedenfalls hat nichts dagegen einzuwenden, dass ich an diesem Test teilnehme.”

Auch die 40-jährige Anja Kerbusch macht mit. In ihrer Familie gibt es seit Generationen Probleme mit den Augen. Ihre Mutter und ihre Großmutter leiden an altersbedingten Augenkrankheiten. „Wenn ich mit meiner Ernährung etwas für meine Gesundheit tun kann, dann ist das phantastisch. Ich wünsche mir, dass es hilft.”

Die Testphase, die jetzt am Uni Krankenhaus in Maastricht läuft, ist die letzte Hürde. Seit zwei Jahren arbeiten die Forscher an dem Projekt. Sämtliche Vorstudien verliefen positiv. Die Forscher hoffen, dass sie spätestens im nächsten Jahr eine Zulassung bekommen, damit sie die Eier im Kampf gegen die Macula Degeneration einsetzen können. Diese Eier würden dann allerdings nicht als Medikament eingestuft, sondern als Nahrungsergänzungsmittel.