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Berlin: Frauenärzte fordern Straffreiheit bei anonymen Geburten

Berlin : Frauenärzte fordern Straffreiheit bei anonymen Geburten

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) hat für Ärzte bei einer anonymen Geburt Straffreiheit gefordert.

Das medizinische Personal müsse in einer solchen Situation Rechtsicherheit haben, erklärte DGGG-Präsident Walter Jonat am Mittwoch in Berlin.

Zugleich wandte er sich gegen eine allgemeine Ausweitung von Geburten, bei der die entbindende Frau ihre Identität nicht preisgeben muss. Derzeit kann gegen Personen, die an einer solchen anonymen Geburt mitwirken, strafrechtlich ermittelt werden.

Diese rechtliche Bewertung der anonymen Geburt ist seit etlichen Jahren in der Diskussion. 2004 hatten die Länder Bayern und Baden-Württemberg einen Gesetzentwurf in den Bundesrat eingebracht, der aber wegen verfassungsrechtlicher Bedenken nicht zu einem Abschluss kam. Bayern kündigte vor zwei Wochen an, der Länderkammer in Kürze erneut einen Gesetzentwurf vorlegen zu wollen, der gegenüber 2004 „geringfügig modifiziert” sei.

Die Bundesregierung plant derweil eine bundesweite Untersuchung zu dieser Thematik. Jonat sagte unter Verweis auf ein Symposium seiner Medizinergesellschaft im Januar, Frauenärzte und Geburtshelfer müssten Frauen, die eine anonyme Geburt als einzigen Ausweg aus einer Notlage sähen, eine sichere und angstfreie Entbindung ermöglichen.

Auch die sogenannten Babyklappen seien für fachliche medizinische Hilfe kein Ersatz. Jonat nannte es unzumutbar, wenn Mediziner im Falle einer anonymen Geburt von Strafverfolgung bedroht seien. Allein eine Einstellung von Ermittlungsverfahren, wie sie aus einzelnen Bundesländern bekannt sei, reiche nicht.

Zudem mahnt die DGGG umfassendere Informationen über das allgemeine Adoptionsverfahren sowie die Möglichkeit zur anonymen Betreuung und ergebnisoffenen Beratung der Schwangeren an. Bei dem DGGG-Symposium hatte die Mehrzahl der Experten massive Vorbehalte gegen die derzeitige Praxis und jede Regelung anonymer Geburten geäußert.

So betonten sie das Grundrecht eines Kindes auf Wissen um seine Herkunft und warnten, anonyme Geburten und auch Babyklappen führten zu einer „Produktion” von Findelkindern ohne Wurzeln.